Obama hatte leichtes Spiel

Romneys mangelnde Gegenwehr nur Taktik?

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Barack Obama und Mitt Romney bei der dritten und letzten TV-Debatte vor der US-Wahl

Washington - Präsident Barack Obama ging bei der TV-Debatte auf Angriff, doch er stieß auf wenig Gegenwehr. Experten glauben, dass der "technische Sieg" ihm vielleicht nicht zum Sieg reichen wird.

Mal versuchte US-Präsident Barack Obama mit Humor, seinen Kontrahenten Mitt Romney als völlig unzeitgemäß zu hinzustellen. „Die 1980er Jahre rufen an, um ihre Außenpolitik zurückzuverlangen, denn der Kalte Krieg ist seit 20 Jahren vorbei“, sagte er dem Republikaner bei der abschließenden TV-Debatte des Wahljahres höhnisch ins Gesicht.

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Dann wieder bemühte der Präsident scharfe Angriffe auf die Glaubwürdigkeit des Herausforderers in der Weltdiplomatie: „Jedes Mal, wenn Sie ihre Meinung sagen, liegen sie falsch.“ Doch so sehr Obama rhetorisch gewitzt und politisch gekonnt angriff, er konnte seinen Widersacher trotzdem kaum aus der Reserve locken. Romney blieb cool.

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Stattdessen hatte er sogar das eine oder andere Lob für den Amtsinhaber übrig. Die selbst bei den Demokraten umstrittenen Drohnenangriffe auf Terroristen? Hat der Präsident „richtig“ gemacht, sagte Romney. Ein US-Militäreinsatz in Syrien? Fände er auch zu gefährlich, stimmte der 65-Jährige zu. Die ambivalente Haltung des Weißen Hauses zu Pakistan? Muss so sein, denn das instabile Land „hat 100 Atomsprengköpfe“.

So viel Zustimmung hatte Romney noch nie übrig für Obama. Doch es dürfte keine plötzliche Mutlosigkeit sein, die den Multimillionär zwei Wochen vor der Wahl überfallen hat. Warum auch, schließlich ist er in allen Umfragen gleichgezogen. Die Wahl am 6. November ist so knapp wie vielleicht zuletzt im Jahr 2000, als das Oberste Gericht in Washington erst nach Wochen George W. Bush zum Sieger kürte.

Romney wollte wohl nach dem extrem aggressiven Auftreten jetzt in der außenpolitischen Debatte mehr wie ein richtiger Präsident wirken, meinten TV-Kommentatoren nach der Sendung. Sachlich im Ton, moderat in den Aussagen. „Die Prinzipien des Friedens weiterhin verfolgen, die die Welt zu einem besseren Platz machen“, verkündete Romney. Das klang so gar nicht nach einem Kriegstreiber á la George W. Bush, als den Obama ihn in der Debatte zeichnen wollte.

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Der sonst um kein Wortgefecht verlegene Romney verwahrte sich diesmal sogar regelrecht gegen die Provokationen seines Gegenüber. „Mich anzugreifen ist keine Agenda“, sagte er. Dabei war Obamas beißende Kritik an Romneys außenpolitischen Vorstellungen nicht weit hergeholt: Im Vorwahlkampf gegen parteiinterne Gegner und auch bei Wahlkampfkundgebungen war Romney immer wesentlich aggressiver - vor allem was die Möglichkeit eines Krieges gegen den Iran angeht.

Doch an diesem Debattenabend beließ er es bei Standard-Phrasen aus dem Handbuch der US-Konservativen. „Wir haben die Chance zu einer echten Führungsrolle“ in der Welt“, sagte Romney. Obama dagegen habe die USA in den vergangenen vier Jahren in den Augen der Feinde geschwächt.

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Die Frage ist, ob Romneys Debatten-Strategie aufgeht. Nach Schnellumfragen unter Fernsehzuschauern hat er das Duell mit seiner defensiven Haltung verloren. Doch Experten meinen, dass sich dieses dritte Aufeinandertreffen mit dem für Amerikaner weniger interessanten Thema Außenpolitik sowieso nicht mehr allzu sehr auf die Wahl auswirken werde. Zumal zugleich ein wichtiges Baseball-Halbfinale und ein spannendes American-Football-Match der Einschaltquote kräftig geschadet haben dürften.

Außerdem waren sich schon vor der Debatte Politikbeobachter einig: Viel wichtiger als ein Debatten-Sieg würde es für Romney sein, sich als fähiger Commander-in-Chief (Oberbefehlshaber) zu präsentieren. Der Republikaner schien vor allem bemüht, unentschlossene Wähler nicht vor den Kopf zu stoßen und bloß keine Fehler zu machen. Viele seiner Antworten schienen darauf abzuzielen, sein Verständnis der Außenpolitik und der Regionen zu demonstrieren, anstatt die Herangehensweise des Präsidenten infrage zu stellen. Die Debatte endete mit einem Romney, der offensichtlich von der Bühne und zurück zur Wirtschaft wollte. Und dort wird die Wahl wohl letztlich auch entschieden

Das dürfte gelungen sein, meinte die „Washington Post“ hinterher. Da helfe es wenig, dass der Präsident am Montag einen „technischen Sieg“ feiern konnte, mit dem er am Ende dennoch „wenig gewonnen“ habe. Auch das unabhängige „National Journal“ sah das so: „Obama gewann das dritte Spiel, aber Mitt Romney gewinnt die ganze Serie.“

dpa/dapd

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