Tote bei Präsidentenwahl im Jemen

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Eine Frau gibt im Jemen ihre Stimme ab.

Sanaa - Für die Jemeniten sollte es ohne Langzeitmachthaber Salih ein demokratischer Neuanfang werden. In Sanaa war der Andrang vor den Urnen groß. Doch im Süden überschattete Gewalt den Wahltag.

Millionen von Jemeniten sind am Dienstag zur Wahl gegangen, um einen Übergangspräsidenten zu wählen. Die Wahl war von Gewalt im Süden und in einigen Bezirken im Nordwesten überschattet. Dabei sollen mindestens vier Menschen ums Leben gekommen sein.

Viele Wähler in der Hauptstadt Sanaa betonten, sie hätten ihre Stimme nicht abgegeben, um “Ja“ zu Vizepräsident Abed Rabbo Mansur Hadi (66) zu sagen, der nach einem Beschluss der großen Parteien als einziger Kandidat für das Amt des Übergangspräsidenten angetreten war. Ihnen sei es vielmehr darum gegangen, Präsident Ali Abdullah Salih endlich loszuwerden. Denn erst mit der Abstimmung endet die Amtszeit von Salih offiziell. Salih, der 1978 die Macht übernommen hatte, hatte sich im Januar in die USA abgesetzt.

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Bei Feuergefechten zwischen Sicherheitskräften und politischen Gruppierungen, die zum Wahlboykott aufgerufen hatten, gab es nach Angaben von lokalen Medien und der Polizei in den Provinzen Hadhramaut, Aden, Lahdsch und Dhale mindestens vier Tote und mehr als 40 Verletzte. Insbesondere in der Hafenstadt Aden blieben wegen der Gewalt viele Wahllokale geschlossen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, er hoffe, dass die Wahl ein Schritt auf dem Weg zur Beilegung der innenpolitischen Krise sein werde. Deutschland sei bereit, den politischen Neuanfang im Jemen zu unterstützen.

Nach der Wahl sollen die zahlreichen Verwandten, die Salih als Kommandeure in Armee, Geheimdienst und Polizei eingesetzt hatte, die Sicherheitskräfte verlassen. Der nach eigenen Angaben 66 Jahre alte Feldmarschall Hadi soll nur für zwei Jahre als Übergangspräsident im Amt bleiben. Danach wird im Jemen erneut gewählt.

Im Süden werden einige Landstriche von Al-Kaida-Terroristen kontrolliert. In anderen Bezirken geben die Anhänger der Separatistenbewegung (Al-Herak) den Ton an. Sie wollen eine Abspaltung des Südens erreichen.

In der Hauptstadt Sanaa sowie in den Provinzen Marib und Tais reihten sich die Menschen dagegen friedlich in die langen Warteschlangen vor den Wahllokalen ein. In Sanaa mussten am Nachmittag in einigen Bezirken sogar zusätzliche Stimmzettel und Urnen herangeschafft werden.

In der Stadt Sindschibar und an einigen anderen Orten in der Provinz Abijan sollen Al-Kaida-Terroristen die Stimmabgabe verhindert haben. Sunnitische Gruppen warfen der schiitischen Houthi-Bewegung vor, sie habe in etlichen Bezirken der nordwestlichen Provinz Saada die Menschen an der Stimmabgabe gehindert.

Zu den ersten Wählern, die in Sanaa am Morgen ihre Stimme abgaben, gehörte die Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman. Sie hatte zu den Organisatoren der Massenproteste gegen Salih gehört, die vor einem Jahr begonnen hatten.

dpa

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