Nach Amoklauf: Taliban drohen mit Vergeltung

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Die Taliban glauben nicht an eine Einzeltat und wollen Rache nehmen.

Kabul - Nach den tödlichen Schüssen eines US-Soldaten auf 16 Zivilpersonen im Süden Afghanistans haben die Taliban Vergeltung angekündigt. Die US-Truppen befinden sich bereits in erhöhter Alarmbereitschaft.

“Amerikanische Wilde“ hätten im Bezirk Pandschwai ein “blutgetränktes und inhumanes Verbrechen“ begangen, erklärten die Taliban am Montag auf ihrer Website. Nach US-Angaben wurde die Tat in zwei Dörfern am Sonntagfrüh von einem einzelnen US-Soldaten verübt, der festgenommen wurde. Afghanische Stellen haben aber Zweifel an der Einzeltäterthese geäußert.

Die Taliban versicherten den Angehörigen der Opfer, sie würden “mit der Hilfe Allahs für jeden einzelnen Märtyrer“ Rache nehmen. Die US-Truppen in Afghanistan verstärkten bereits ihre Sicherheitsvorkehrungen. Die amerikanische Botschaft warnte alle Amerikaner in Afghanistan vor möglichen Vergeltungsangriffen.

Afghanische Politiker äußerten am Tag nach dem Amoklauf Zweifel, ob es wirklich nur einen Täter gegeben habe. Abdul Rahum Ajubi, Abgeordneter für die Provinz Kandahar, sagte am Montag, es scheine für einen Soldaten unmöglich, die Strecke zwischen den angegriffenen Häusern - rund zwei Kilometer - zurückzulegen und außerdem die Leichen zu verbrennen.

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Die Berichte, die er von Dorfbewohnern erhalten habe, legten nahe, dass die Schüsse vor Sonnenaufgang aus mehreren Richtungen kamen, sagte auch der Parlamentsabgeordnete Bismullah Afghanmal. Allerdings erklärte der Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums, General Mohammed Sahir Asimi, die ersten Berichte deuteten auf einen einzelnen Schützen hin. Die US-Streitkräfte gehen nach eigenen Angaben bislang ebenfalls von einem Einzeltäter aus.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai sprach zunächst von einem Schützen, erklärte aber später “amerikanische Soldaten“ seien in Häuser eingedrungen. In seiner Stellungnahme wurde ein 15-jähriger Überlebender zitiert, der berichtete, mehrere Soldaten seien in sein Haus eingedrungen.

Heimatstandort Kaserne mit den meisten Problemen der USA

Der Heimatstandort des beschuldigten Soldaten wurde vom US-Soldatenmagazin “Stars and Stripes“ als die amerikanische Kaserne mit den meisten Problemen bezeichnet. Rund 100.000 Soldaten und Zivilangestellte nennen die Joint Base Lewis-McChord im US-Staat Washington ihr Zuhause. Damit ist es einer der größten Militärstützpunkte der USA.

Vier von dort aus nach Afghanistan entsandte Soldaten wurden wegen Mordes verurteilt, weil sie 2010 drei Afghanen erschossen und ihnen Finger abgeschnitten sowie Zähne als Trophäen ausgeschlagen hatten. Ein ehemaliger Soldat aus Lewis-McChord schoss 2010 einen Polizisten im US-Staat Utah an, und am 1. Januar tötete ein 24 Jahre alter Veteran des Irakkriegs einen Parkwächter im Nationalpark Mount Rainier, bevor er selbst auf der Flucht in der Kälte umkam.

Außerdem nahmen sich eine Reihe von aus dem Krieg nach Lewis-McChord zurückgekehrter Soldaten das Leben. Im vergangenen Jahr begingen dort trotz ausgeweiteten Beratungsangebots zwölf Soldaten Selbstmord. Im Jahr zuvor waren es neun.

dapd

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