Syrische Truppen greifen Städte im ganzen Land an

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Von Entspannung kann in Syrien weiter keine Rede sein.

Beirut - Knapp eine Woche vor dem von der syrischen Regierung angekündigten Beginn einer Waffenruhe bleibt die Lage unübersichtlich. Aus allen Landesteilen wird von Übergriffen der Regierungstruppen berichtet.

Während Gegner von Präsident Baschar Assad von heftigen Angriffen etwa auf einen Vorort von Damaskus berichteten, erklärten Vertreter der Regierung gegenüber den Vereinten Nationen, die Truppen hätten sich aus einigen umkämpften Gebieten schon zurückgezogen.

Nach Berichten von syrischen Oppositionellen griffen Regierungstruppen am Donnerstag mehrere Städte im ganzen Land an. In Hrajtan und Anadan nahe der nordsyrischen Stadt Aleppo sei es zu Kämpfen zwischen Soldaten und Rebellen gekommen, teilte das Syrische Observatorium für Menschenrechte mit. Ein Bewohner von Hrajtan erklärte, die 50.000-Einwohner-Stadt sei seit dem frühen Morgen von Panzern beschossen worden. Später seien auch Bodentruppen in die Stadt vorgerückt.

Zum Teil heftige Angriffe wurden auch aus dem im Süden des Landes gelegen Kfar Schams und aus Duma, einem Vorort von Damaskus gemeldet. Ein Gegner der Regierung von Präsident Baschar Assad in Duma, Mohammed Said, sprach von “einer der gewalttätigsten Kampagnen gegen dieses Gebiet“ seit dem Beginn des Aufstands gegen Assad im März vergangenen Jahres. Beobachter vermuten, dass die Truppen von Präsident Baschar Assad vor der vereinbarten Waffenruhe am Dienstag noch an Boden gewinnen wollen.

Der Sprecher des Gesandten von UN und Arabischer Liga für Syrien, Ahmad Fawzi, erklärte in Genf, Vertreter der syrischen Regierung hätten erklärt, dass die Truppen schon mit dem Rückzug aus Orten wie Daraa, Idlib und Sabadani begonnen hätten. Der Waffenstillstand in Syrien werde spätestens am 12. April beginnen. Die Uhr beginne am 10. April für beide Seiten zu ticken, sagte Fawzi. Anschließend sollten innerhalb von 48 Stunden die Kämpfe eingestellt werden.

Tausende fliehen in die Türkei

Die syrische Opposition hat große Zweifel geäußert, dass sich Assad tatsächlich an den angekündigten Waffenstillstand halten wird. Sie vermutet, dass er sich nur mehr Zeit verschaffen will, um sein militärisches Vorgehen gegen den Aufstand fortsetzen zu können. Der Waffenstillstand ist der Kernpunkt des Friedensplans von Annan, mit dem er die seit mehr als einem Jahr anhaltenden Auseinandersetzungen beenden will.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte am Donnerstag, dass auch Moskau einem Dokument des UN-Sicherheitsrats zustimmen könnte, das Annans Friedensplan unterstützt. Ob er damit eine Resolution oder eine Erklärung meinte, stellte Lawrow nicht klar. Er betonte aber, dass der Text keine Drohungen und Ultimaten enthalten dürfte.

Nach Schätzungen der UN wurden schon mehr als 9.000 Menschen getötet. Wegen der Kämpfe fliehen auch immer mehr Syrer in die benachbarte Türkei. Dort kamen nach Angaben der Behörden am Mittwoch und Donnerstag 1.600 neue Flüchtlinge an. Insgesamt sind schon fast 22.000 Syrer in die Türkei geflohen

dapd

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