Fritz Kuhn oder Sebastian Turner

Showdown in Stuttgart - wer wird OB?

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Wer macht das Rennen - Sebastian Turner (l.) oder Fritz Kuhn (r.)?

Stuttgart - Das Rennen um den Oberbürgermeister-Posten in Stuttgart ist jetzt doch ein klassischer Lagerwahlkampf: Grünen und SPD unterstützen den Politfuchs Fritz Kuhn, CDU und FDP den Werbeprofi Sebastian Turner.

Showdown in Stuttgart: Am Sonntag (21.10) fällt definitiv die Entscheidung über den neuen Oberbürgermeister in Baden-Württembergs Landeshauptstadt. Erwartet wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Grünen Fritz Kuhn und dem von der CDU aufgestellten Unternehmer Sebastian Turner. Vor zwei Wochen kam Kuhn auf 36,5 Prozent der Stimmen, Turner auf 34,5 Prozent.

Für Fritz Kuhn wäre es eine Heimkehr: Er gehörte vor mehr als 32 Jahren zu den Gründungsmitgliedern der Grünen in Baden-Württemberg. Vor rund zwölf Jahren verließ der Grünen-Realo Stuttgart, um in der Bundespolitik Karriere zu machen. Kuhn war Parteichef der Bundes-Grünen und Fraktionschef im Bundestag. Nun will der 57-Jährige seine politische Karriere im Südwesten krönen - und erster grüner Oberbürgermeister in einer Landeshauptstadt werden.

Kuhn studierte Philosophie und Germanistik in Tübingen und München. Er gilt als Vordenker des Realo-Flügels seiner Partei. Auf die Frage, ob ein Intellektueller zum Stuttgarter OB-Posten passe, antwortete Kuhn: „Wenn wir das Wort intellektuell einfach als Nachdenken verstehen, dann ist das eine urschwäbische Eigenschaft.“

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Seine Vision für Stuttgart ist eine Stadt, in der sich Ökonomie, Ökologie und soziale Gerechtigkeit verbinden. Auf ein Plakat hat er einen seiner typischen Slogans schreiben lassen: „Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben.“ Im Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21 will er ausgleichen, das Projekt selbst aber kritisch begleiten.

Im Bundestag war es zuletzt ruhig um den 1955 in Bad Mergentheim geborenen Grünen geworden. Den Posten als Vize-Fraktionschef legte er im Frühjahr nieder, um sich auf die OB-Kandidatur konzentrieren können. Kuhn, der nach wie vor ein Bundestagsmandat innehat, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Zu seinen Hobbys sagt er: „Ich treibe regelmäßig Sport (Laufen), lese gerne Romane und koche urschwäbisch und italienisch - am liebsten Kässpätzle und Risotto.“

Obwohl sich der Unternehmer Sebastian Turner (parteilos) mit Werbe-Kampagnen eigentlich bestens auskennen sollte, ist die Strategie des Werbe-Profis beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen nicht aufgegangen. Er lag nur auf Platz zwei hinter Kuhn. Spannend ist nun, ob der 46-Jährige, der von CDU, FDP und Freien Wählern unterstützt wird, das Blatt noch wenden kann.

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Turner hat im Wahlkampf nichts dem Zufall überlassen. Er war mit dem größten Budget - rund 400 000 Euro - ins Rennen gegangen, mehr als doppelt so viel wie sein Konkurrent Kuhn. Der Unternehmer gibt sich bodenständig. Mit einer händeschüttelnden Brezel wirbt er auf Plakaten für seine wirtschafts- und bildungspolitischen Ziele. Für eine Karriere als Politiker entschied sich Turner spät. Warum überhaupt? „Mich reizt Neues“, erklärte er.

Als Gründer einer Schülerzeitung und des Magazins „Medium“ deutete bei Turner zunächst vieles auf einen journalistischen Berufsweg hin. So schrieb er als freier Autor für „Die Zeit“, „Geo“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Nach dem Wehrdienst studierte er in Bonn und in den USA Politik und Betriebswirtschaft. Später machte sich der 1966 im Harz geborene Turner als Werbeprofi einen Namen.

Turner befürwortet das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21, erklärte aber immer wieder, die alten Gräben, die der Konflikt in Stuttgart aufgerissen hat, zuschütten zu wollen - und selbst den Konflikt nicht zu scheuen. „Ich werde mich mit dem Land und der Bahn anlegen, weil ich einen guten Bahnhof haben will.“

dpa

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