Staatsanwaltschaft durchsucht Wulffs Haus

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Ein Polizeiwagen fährt am Freitag in Großburgwedel am Haus des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff vorbei. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat am Freitagabend das Haus von Christian Wulff in Großburgwedel durchsucht.

Großburgwedel - Hausdurchsuchung bei Christian Wulff. Bei den Ermittlungen gegen den zurückgetretenen Bundespräsidenten stellen Kriminalbeamte Datenträger sicher. Mittlerweile ist die Aktion beendet.

Zwei Wochen nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff hat die Staatsanwaltschaft Hannover sein Wohnhaus in Großburgwedel durchsucht. Die fast vierstündige Aktion am Freitagabend sei “auf freiwilliger Basis“ verlaufen, es habe keinen Durchsuchungsbeschluss gegeben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Hannover. “Der Herr Bundespräsident a.D. ist kooperativ.“

Gegen Wulff, der während der Durchsuchung zu Hause war, wird wegen Verdachts auf Vorteilsannahme ermittelt. Die durchsuchenden Beamten, unter ihnen Chefermittler Clemens Eimterbäumer, verließen das Haus gegen 21.00 Uhr. Sie nahmen Unterlagen, darunter Datenträger, mit. Auf letzteren befanden sich vor allem Kopien von Handy- und Computerdaten. Das teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Samstag mit. „Papiere und Unterlagen sind auch mitgenommen worden, allerdings nicht viele.“ Zumindest in den nächsten Tagen sei nicht mit weiteren Durchsuchungen zu rechnen.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr erklärte: “Zur zügigen Aufklärung des gegen ihn erhobenen Vorwurfs hat Herr Christian Wulff die Durchführung von Ermittlungsmaßnahmen in seinen Privaträumen freiwillig angeboten und ermöglicht. Diese Maßnahmen finden seine volle Unterstützung.“

Ermittler durchsuchen Wulffs Haus

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Im Zuge der Ermittlungen gegen den 52-jährigen Ex-Präsidenten waren am Donnerstag bereits Büroräume und Wohnung des mit ihm befreundeten Filmproduzenten David Groenewold in Berlin durchsucht worden - ebenfalls einvernehmlich, wie dessen Anwaltskanzlei mitteilte.

Vor zwei Wochen hatte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Wulff und Groenewold wegen möglicher Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung eingeleitet. Groenewold soll Wulff in dessen Amtszeit als niedersächsischer CDU-Regierungschef Urlaube auf Sylt bezahlt haben. Die Landesregierung hatte einer Firma Groenewolds knapp ein Jahr zuvor eine Bürgschaft von vier Millionen Euro gewährt, die aber nicht in Anspruch genommen wurde. Wulff hatte erklären lassen, das Geld in bar zurückgegeben zu haben. Mit dem Fall beschäftigt sich eine 20-köpfige Ermittlergruppe des Landeskriminalamts in Hannover.

Bei der Durchsuchung der Groenewold-Räumlichkeiten stellten die Ermittler nach Informationen der “Bild“-Zeitung umfangreiches Daten- und Aktenmaterial sicher. Der Filmproduzent will sich seiner Kanzlei zufolge zu dem laufenden Verfahren nicht äußern. Auch die Staatsanwaltschaft machte dazu keine Angaben.

Reisen, Partys, Darlehen: Die Vorwürfe gegen Christian Wulff

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Die Staatskanzlei in Hannover übergab den Ermittlern unterdessen weitere Unterlagen. “Insgesamt wurden rund 450 Seiten aus unserem Haus abgegeben“, sagte ein Sprecher von Ministerpräsident David McAllister (CDU). In allen Ministerien würden Mitarbeiter weiter nach Unterlagen zum Verhältnis zwischen Wulff und Groenewold suchen. Es werde zudem nach Akten zum Verhältnis zwischen dem Filmproduzenten und Wulffs früherem Sprecher Olaf Glaeseker gesucht. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover im Zusammenhang mit dem Lobby-Treffen Nord-Süd-Dialog wegen Verdachts der Bestechlichkeit.

“Focus Online“ berichtete, dass die Hausdurchsuchung in Großburgwedel schon für Donnerstag geplant gewesen sei. Wegen der Anwesenheit zahlreicher Journalisten sei die Aktion aber kurzfristig abgesagt worden. Staatsanwaltschaft und Wulffs Anwalt Lehr wollten dazu auf dpa-Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Die Ermittler rechnen damit, dass die Ermittlungen mehrere Monate dauern werden.

dpa

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