Schavans Plagiatsaffäre: Rektor wehrt sich

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Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) schweigt bisher zu den Vorwürfen

Düsseldorf - Zwischen der Uni Düsseldorf und ihren Kritikern fliegen im Streit um die Doktorarbeit von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Fetzen.

Der Rektor der Universität Düsseldorf, Michael Piper, setzte sich am Wochenende mit scharfen Worten gegen die Angriffe von Kollegen zu Wehr. „Weil es um eine verdiente Ministerin geht, sind die Maßstäbe plötzlich andere“, beklagte er in der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). Die Union forderte einen Neustart des Verfahrens.

Nach Einschätzung Pipers tun führende Vertreter der Wissenschaftsorganisationen „das Gegenteil von dem, was sie in den vergangenen Jahren vereinbart haben - nicht zuletzt wegen des Falls Guttenberg“. Mehrere Institutionen hatten im Zuge der jüngsten Affären um abgekupferte Doktorarbeiten ein strengeres Vorgehen gegen Plagiate und anderes Fehlverhalten vereinbart. „Nun soll hinter diese Standards zurückgetreten werden“, beklagte Piper. Die Chefs der großen deutschen Forschungsorganisationen - Humboldt-Stiftung, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Helmholtz-Gemeinschaft - hatten das Vorgehen der Uni Düsseldorf kritisiert.

Durch eine Indiskretion war vor einer Woche ein vertrauliches Gutachten der Hochschule zu Schavans Doktorarbeit von 1980 in die Öffentlichkeit gelangt. Darin wirft Gutachter Stefan Rohrbacher Schavan nach Medienberichten eine Täuschungsabsicht vor.

Schavan bekam unterdessen von der Parteibasis den Rücken gestärkt. Ihr Heimatbezirk Württemberg-Hohenzollern empfing sie am Samstag auf einem Parteitag mit demonstrativ lautem und langem Applaus - und schenkte ihr ein Paar rote Boxhandschuhe für den Kampf um ihren Doktortitel. Schavan selbst äußerte sich nicht zu dem Streit um ihre Doktorarbeit. Nach einer Emnid-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ glauben 43 Prozent der Deutschen Schavans Versicherung, sie habe nicht bewusst getäuscht. 40 Prozent glauben der Ministerin nicht.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) warf der Universität Dilettantismus vor. „Hier ist gegen alle Formen verstoßen worden, die es für ein faires Verfahren braucht. Alle an diesem Verfahren Beteiligten sind so eindeutig befangen“, sagte Kauder der „Welt„ (Samstag). Es müsse deshalb so schnell wie möglich beendet und an anderer Stelle neu begonnen werden.

Die Universität hat sich per Strafanzeige gegen unbekannt auf die Suche nach der undichten Stelle begeben. „Leider wissen wir noch nicht einmal, was gestohlen wurde“, sagte Uni-Rektor Piper der „SZ“. „Auch wir sind tief getroffen.“ Der Nachrichtenagentur dpa sagte er: „Die Universität will alles daran setzen, den Schuldigen zu finden.“

Piper betonte, Rohrbachs Analyse sei „eine Art Voruntersuchung“. Das Verfahren sei erst in einem frühen Stadium. Die Kommission könne weitere Expertisen und Gutachten einholen und zu dem Ergebnis kommen, „dass die Vorwürfe haltlos sind“.

Nach einem Bericht des „Spiegel“ sollte zunächst die Erziehungswissenschaftlerin und ehemalige Lehrstuhlinhaberin Christina Schwarzer das Gutachten erstellen. Sie habe die Dissertation bereits in einer Kopie erhalten, nach Bedenkzeit aber den Auftrag „aus persönlichen Gründen“ wieder zurückgegeben, sagte sie dem Magazin. Nach dem Rückzug von Schwarzer sei Rohrbacher beauftragt worden. Es handele sich um ein „übliches Vorgehen“, habe die Universität erklärt.

dpa

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