Mindestens 13 Zivilisten sterben

Saudis starten Militärintervention im Jemen

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Suche nach Überlebenden nach einem Luftschlag  auf Sanaa im Jemen.

Washington/Doha - Der Konflikt im Jemen spitzt sich dramatisch zu. Saudi-Arabien bombardiert auf Bitten des Präsidenten die Huthi-Rebellen. Wie wird der Iran reagieren?

Eine Militärallianz unter Führung Saudi-Arabiens hat im Jemen in den Konflikt mit den schiitischen Huthi-Rebellen eingegriffen. Saudiarabische Kampfflugzeuge bombardierten in der Nacht zum Donnerstag Huthi-Stellungen in der Hauptstadt Sanaa, wie das jemenitische Militär und Augenzeugen berichteten. Die USA unterstützen die Militärintervention logistisch. Mit dem Eingreifen Saudi-Arabiens verschärfen sich die Spannungen mit dem Iran, der von einer gefährlichen Eskalation sprach.

Der saudische Botschafter in Washington, Adel al-Dschabir.

Verkündet wurde der Militäreinsatz vom saudiarabischen Botschafter in den USA, Adel al-Dschubeir. Dieser sagte am Mittwoch (Ortszeit) in Washington, der Militäreinsatz habe begonnen und diene dazu, die "legitime Regierung" des Jemen zu verteidigen und zu unterstützen. Es müsse verhindert werden, dass die schiitische Huthi-Miliz das Land einnehme. Derzeit beschränke sich die Intervention auf Luftangriffe, weitere militärische Kräfte würden aber mobilisiert, sagte der Diplomat.

Al-Dschubeir sprach von einer "Koalition von mehr als zehn Ländern", die sich an dem Einsatz beteiligten oder dies planten. Nach Informationen des Senders Al-Arabija hat Saudi-Arabien 150.000 Soldaten und zehn Kampfflugzeuge mobilisiert. Die Vereinigten Arabischen Emirate stellen demnach 30 Kampfflugzeuge, Bahrain und Kuwait jeweils 15 Kampfjets, zehn weitere kommen aus Katar.

Mit den Angriffen begann die saudiarabische Luftwaffe direkt in der Nacht: Angegriffen wurden nach Angaben des jemenitischen Militärs sowie Augenzeugen unter anderem eine Luftwaffenbasis und der angrenzende internationale Flughafen im Norden von Sanaa sowie der dortige Präsidentenpalast. Den Komplex hatten die Rebellen im Januar erobert, Hadi floh deshalb in den Süden nach Aden. Seit Mittwoch ist sein Aufenthaltsort ungewiss.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte im schweizerischen Lausanne, das Eingreifen Riads werde "weitere Spannungen in der Region schaffen und keinem Land von Nutzen sein". Außenamtssprecherin Marsieh Afcham sprach von einem "gefährlichen Schritt". Der Vorsitzende der nationalen Sicherheitskommission in Teheran, Alaeddin Borudscherdi, warf Riad vor, mit Hilfe der USA "die Flammen eines neuen Krieges in der Region anzufachen".

Mindestens 13 Zivilisten bei Militärangriffen im Jemen getötet

Saudi-Arabien hält laut Medienberichten für den internationalen Einsatz gegen die Huthi-Rebellen im Jemen 100 Flugzeuge und 150.000 Soldaten bereit. Nach einer Reihe von Luftschlägen habe die saudi-arabische Luftwaffe nun die Lufthoheit über den Jemen, berichtete der Sender Al-Arabija am Donnerstagmorgen. Laut unbestätigten Berichten sollen bei Luftschlägen auch ein Stützpunkt nördlich der Hauptstadt Sanaa sowie die politische Zentrale der Rebellen in der Hauptstadt getroffen worden sein. Dabei sollen auch einige Führer der Rebellen getötet worden sein. Auch Munitionslager seien getroffen worden, hieß es weiter.

Bei den Angriffen der Militärkoalition im Jemen sind in Sanaa am Donnerstagmorgen außerdem mindestens 13 Zivilisten getötet worden. Nach Angaben eines Zivilschutzvertreters wurde bei den Angriffen durch saudiarabische Kampfflugzeuge ein Wohngebiet der jemenitischen Hauptstadt getroffen. Demnach waren unter den Opfern auch mehrere Kinder. Es seien insgesamt sieben Häuser getroffen worden und es werde nach weiteren möglichen Opfern gesucht, hieß es.

Kurz nach dem Beginn von saudischen Luftangriffen im Jemen haben Einheiten von Präsident Abed Rabo Mansur Hadi die Kontrolle über den Flughafen Aden zurückgewonnen. Das meldeten der arabische Nachrichtenkanal Al-Arabija und jemenitische Medien am Donnerstag. Schiitische Huthi-Rebellen hatten den Flughafen zuvor nach Kämpfen mit Hadi-treuen Kräften eingenommen.

Die Rebellen werden mutmaßlich vom Iran sowie von Anhängern des früheren Präsidenten Ali Abdallah Saleh unterstützt. Die Regierung von Hadi erhält Unterstützung von Riad. Die Krise im Jemen drohte damit zuletzt mehr und mehr, zu einem Stellvertreterkonflikt zwischen dem Iran und Saudi-Arabien zu werden. 

Jemenitischer Präsident bat Saudi-Arabien gegen Huthi-Rebellen um Hilfe

Der Angriff unter dem Titel „Sturm der Entschlossenheit“ sei auf Bitten des jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi erfolgt, berichtete die saudische Nachrichtenagentur SPA. Die jemenitische Nachrichtenseite „Al-Masdar Online“ berichtet, die Angriffe hätten um Mitternacht (22 Uhr deutscher Zeit) begonnen. Nach Angaben von SPA beteiligten sich neben Saudi-Arabien zunächst die Golfstaaten Bahrain, Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Der saudische Botschafter in den USA, Adel al-Dschabir, hatte zuvor von einer Koalition aus mehr als zehn Nationen gesprochen.

Wie der arabische Sender Al-Arabija am frühen Donnerstagmorgen unter Berufung auf die saudische Luftwaffe berichtete, ist der gesamte jemenitische Luftraum unter Kontrolle. Mindestens vier Kampfflugzeuge auf der Al-Dailami-Basis in Sanaa seien zerstört worden. Die Huthi erklärten laut Al-Dschasira, sie hätten zur Verteidigung Boden-Luftraketen abgefeuert. Drei hohe Huthi-Militärkommandeure seien getötet worden, hieß es bei Al-Arabija.

Ziele der Angriffe in Sanaa waren laut Al-Dschasira der Präsidentenpalast sowie die Hauptquartiere von Polizei und Spezialkräften.

Sprecher der Huthis: Saudische Angriffe sind eine Kriegserklärung

Der Militäreinsatz erfolge auf Bitten der legitimen Regierung Jemens, sagte der Botschafter. Ziel der Operation sei deren Schutz vor einer Übernahme des Landes durch die Huthi-Rebellen. Zuvor hatte der von den Huthi in der südjemenitischen Hafenstadt Aden bedrängte Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi das Ausland dringend um ein militärisches Eingriefen aufgefordert. Als die Huthi-Kämpfer schon die Außenbezirke der Stadt erreichten, verschwand Hadi aus seinem Anwesen und tauchte unter. Kurz darauf drangen Plünderer in das Gebäude ein. Um den Flughafen der Stadt wurde gekämpft.

Ein Sprecher der Huthis bezeichnete die saudischen Angriffe als Kriegserklärung. Damit könne sich der Konflikt im Jemen zu einem Regionalkrieg auswachsen, warnte der Sprecher dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira. Ein Journalist der „Yemen Post“ sagte dem Sender, Bomben seien überall in Sanaa gefallen. Die Menschen hätten panisch reagiert.

An dem Militäreinsatz gegen die Huthi-Rebellen sind auch Ägypten, Jordanien, Marokko und der Sudan beteiligt. Ägypten erklärte, auch zum Einsatz von Bodentruppen bereit zu sein. Ein Sprecher der Militärkoalition bezeichnete den Einsatz am Donnerstagabend als "erfolgreich", betonte aber zugleich, es gebe keine unmittelbare Notwendigkeit für Bodentruppen.

Die USA gaben an, der Militärallianz logistische und geheimdienstliche Hilfe zu leisten. Die Türkei kündigte an, ebenfalls eine logistische Unterstützung zu prüfen. Die Arabische Liga erklärte, sie stehe "geschlossen" hinter den Luftangriffen. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini warnte, die Luftangriffe hätten die ohnehin fragile Lage im Jemen weiter verschlechtert.

Die Rebellen werden mutmaßlich vom Iran unterstützt, während Saudi-Arabien hinter Hadi steht. Die Krise droht damit zu einem Stellvertreterkonflikt zu werden. Irans Präsident Hassan Ruhani verurteilte die "militärische Aggression" Saudi-Arabiens. Sein Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte, Riads Eingreifen werde "weitere Spannungen in der Region schaffen".

Erst vor vier Tagen hatten die USA aus Sicherheitsgründen eigene, bei Aden stationierte Soldaten abgezogen. Sie hatten die von den Huthi eroberte Luftwaffenbasis Al-Anad als Drohnen-Stützpunkt im Anti-Terror-Kampf genutzt. US-Soldaten trainierten dort zudem jemenitische Spezialeinheiten.

dpa/AFP

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