USA und Russland bemühen sich um Schadensbegrenzung

Washington/Moskau - Nach dem spektakulären Schlag gegen einen mutmaßlichen russischen Spionagering in den USA bemühen sich beide Regierungen nun um Schadensbegrenzung und betonen Gemeinsamkeiten.

Nach Ansicht Moskaus wird die Affäre nicht zu einer neuen Abkühlung in den Beziehungen mit Washington führen. Das russische Außenministerium begrüßte am Mittwoch nach Angaben der Agentur Interfax den Kommentar des Weißen Hauses vom Vorabend. Präsidentensprecher Robert Gibbs hatte erklärt: “Ich glaube nicht, dass dies einen Einfluss auf den Neubeginn unserer Beziehungen haben wird.“ Zuvor hatte das Außenamt in Moskau noch vor einem Rückfall in die Zeit des Kalten Krieges gewarnt. Die sonst in solchen Fällen üblichen Gegenmaßnahmen wie die öffentliche Aufdeckung von US-Agenten durch die russische Seite blieben aus. Russlands Regierungschef Wladimir Putin wies außerdem Befürchtungen zurück, sein Land wolle ausländisches Know-how kopieren und für eigene Zwecke nutzen.

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“Wir tun das aber nicht“, sagte der frühere Geheimdienstchef am Mittwoch. Russland wolle Technik nicht “klauen“, sondern für gutes Geld kaufen. “Ich hoffe, dass all das Positive, das in unserem Verhältnis erreicht worden ist, nicht durch die jüngsten Ereignisse beschädigt wird“, sagte Putin. Obama hatte erst vorige Woche bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew den Kremlchef als “Partner und Freund“ bezeichnet und ihn als demonstratives Zeichen der Annäherung in sein bevorzugtes Hamburger-Restaurant eingeladen - nur einige Straßenblöcke von dem Ort entfernt, wo einer der mutmaßlichen Spione lebte. Ziel des US-Besuchs war die Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen.

Weitere Details über "Maulwürfe"

Unterdessen wurden weitere Details über das Leben der insgesamt elf mutmaßlichen “Maulwürfe“ bekannt. Die vier Paare und drei Einzelpersonen führten US-Medienberichten zufolge unauffällige Leben als Immobilienmakler, Angestellte in der Finanz- und Reisebranche, Zeitungskolumnisten und Lehrer. Drei der Paare haben auch Kinder. Russische Medien griffen Spekulationen auf, nach denen sich die in Moskau vom Auslandsgeheimdienst ausgebildeten Agenten in den USA auf Staatskosten ein schönes Lebens gemacht hätten. Sie hätten dem Steuerzahler nur Geld gekostet, aber wohl keine Geheimnisse geliefert. Ihr Ziel war den Ermittlungen zufolge, Zugang zu politischen Kreisen zu bekommen und geheime Details über Absichten der US- Regierung ausfindig zu machen. Für ihre Kommunikation nutzten sie High-Tech, aber auch fast schon klischeehafte Spionage-Klassiker wie unsichtbare Tinte und tote Briefkästen.

Die US-Bundespolizei FBI ermittelte jahrelang gegen den mutmaßlichen Spitzelring, bevor die Fahnder am Sonntag und Montag schließlich zuschlugen. Ob die Beschuldigten tatsächlich an wichtige Staatsgeheimnisse gelangten, ist unterdessen fraglich. Aus Dokumenten der US-Justiz geht hervor, dass ein in Boston lebendes Paar der Moskauer Zentrale Rechnungen schickte. In einer werden 8500 Dollar (7000 Euro) für Miete, 2180 Dollar (1750 Euro) für Autoleasing-Kosten, 3600 Dollar (3000 Euro) für Ausbildung in Rechnung gestellt. Bei Youtube erzählt eine mutmaßliche Spionin auf Russisch, wie toll und frei die USA sind - ganz anders als Russland. Neun der elf Verdächtigen wird neben verbotener Agententätigkeit auch Geldwäsche vorgeworfen. Insgesamt drohen ihnen bei einer Verurteilung bis zu 25 Jahre Haft.

Es wird damit gerechnet, dass Ende Juli die offizielle Anklageschrift veröffentlicht wird, von der weitere Details über das Ausmaß der Spionage-Affäre erwartet werden. Dem elften, auf Zypern gefassten mutmaßlichen Spion gelang unterdessen die Flucht, wie die russische Agentur Interfax nach Angaben zyprischer Sicherheitskreise meldete. Der 54-Jährige war am Dienstag wegen des Vorwurfs der Spionage auf dem Flughafen gefasst worden, als er von Zypern nach Ungarn fliegen wollte. Nach Zahlung einer Kaution von 20 000 Euro kam er gegen Auflagen jedoch auf freien Fuß. Von ihm fehlte nun jede Spur.

dpa

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