Rentner will D-Mark zurück - Partei gegründet

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Gerd von Vangerow will die D-Mark zurück.

Frammersbach - Der Euro hat ihn unglücklich gemacht. Nach zehn Euro-Jahren will ein Rentner aus Unterfranken mit einem bundesweiten Volksentscheid die Deutsche Mark zurückfordern. Die Partei dafür hat er schon gegründet.

Ein Rentner aus Unterfranken will die Zeit zehn Jahre zurückdrehen und wieder Markstücke und -scheine in die Geldbörsen der Bürger bringen. Dafür hat Gerd von Vangerow nun eigens eine Partei gegründet - die Deutsche-Mark-Partei. Vor wenigen Tagen fand in Frammersbach (Landkreis Main-Spessart) im Nebenraum einer Turnhalle die Gründungsveranstaltung statt. Anwesend waren ein gutes Dutzend Interessierte und fast halb so viele Journalisten.

Wichtigste Forderungen der Partei sind die Wiedereinführung der D-Mark und die Verstaatlichung aller deutschen Großbanken, wie der Vorsitzende zusammenfasst. Den ersten Arbeitsauftrag hat sich der 70-Jährige auch schon erteilt: ein bundesweiter Volksentscheid für die Wiedereinführung der D-Mark.

Immerhin wünsche sich mehr als die Hälfte der Deutschen einer Forsa-Umfrage vom Herbst zufolge die alte Währung zurück, sagt der adrett gekleidete Mann mit der randlosen Brille. „Der Euro-Frust war nie größer. Jetzt ist doch der beste Zeitpunkt für diese Partei“, sagt der Rentner, der in Bayern kein Unbekannter ist. Der Lokalpolitiker gilt als streitbarer Mann. Medien nennen ihn gern „Spessart-Rebell“, weil er schon mehr als 50 Mal gegen Politiker, Behörden und Staatsanwälte vor Gericht gezogen ist oder sich selbst vor dem Richter verantworten musste.

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Er selbst sieht sich als missverstandener Politiker, dem immer wieder Steine in den Weg gelegt werden. 2003 zog er erfolglos bis vor den Bayerischen Verfassungsgerichtshof, um eine Wiederholung der Landtagswahl zu erreichen. Seine damalige Partei, die Christlich Fränkische Union (CFU), war zur Wahl nicht zugelassen worden. Aus formalen Gründen heißt es offiziell, er hingegen sieht sich betrogen.

Um als kleinere Partei erfolgreich zu sein, brauche es eine tragende Idee, sagt Politikwissenschaftler Roland Sturm von der Uni Erlangen-Nürnberg. „Es muss eine Grundstimmung im Volk sein, die zu den Zielen der Partei passt“, so der Professor vom Institut für Politische Wissenschaft. Dass die Sehnsucht jedes zweiten Deutschen nach der D-Mark ausreicht, bezweifelt Sturm indes.

„Es kommt ja auch auf die Einordnung an. Wie wichtig ist den Bürgern die Wiedereinführung im Vergleich zu ihren anderen Problemen? Ich denke, soziale Themen stehen da viel weiter vorn.“ Es werde wahrscheinlich in naher Zukunft keine Massendemonstrationen für die Wiedereinführung der alten Währung geben, schätzt Sturm. Generell seien die Chancen für kleinere Parteien mittlerweile zwar deutlich besser geworden. Die größere Hürde sei jedoch, dann auch langfristig zu bestehen. „Es gab ja schon eine Pro-DM- oder eine Schill-Partei.“ Wenn sie jedoch nach ersten Erfolgen keine klare Positionierung böten, verschwänden sie ebenso schnell wieder in der Versenkung.

Nun aber hat Vangerow-Nagel seine seit sieben Jahren bestehende CFU umbenannt. Das entsprechende Sitzungsprotokoll vom Oktober bewahrt er in seiner zentimeterdicken Mappe auf, aus der er auch immer wieder Kopien von Zeitungsartikeln, Briefe an ihn oder eben Protokolle zieht. 58 Mitglieder habe seine Partei in der Region, darunter fünf neue. „Das ist erst der Anfang, das wird seine Kreise ziehen. Davon bin ich überzeugt.“ Den Namen „Deutsche-Mark-Partei“ habe er beim Patentamt schützen lassen. Einen Zeitplan, Finanzierungsideen oder ähnlich Konkretes hat der Politiker dagegen nicht im Gepäck. „Jetzt muss es erstmal anrollen“, wiegelt er ab. Bundestags- und Landtagswahlen seien ja erst 2013 wieder.

Im Bäckersladen im 4500-Einwohner-Dorf Frammersbach ist kein klares „Ja“ zur neuen Partei im Ort zu erkennen. „Zurück zur D-Mark? Nein, besser nicht. Das kostet doch auch wieder einen Haufen Geld“, sagt eine ältere Kundin dazu. Die junge Bäckersfrau dagegen zeigt sich aufgeschlossen. „Wenn es was bringt, würde ich schon die Deutsche-Mark-Partei wählen“, so die Verkäuferin.

dpa

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