Randale: Studenten schocken Briten

London - Mitten in London brannten Feuer, Demonstranten schlugen sich mit Polizisten - und am Ende wurden sogar Prinz Charles und seine Frau Camilla angegriffen. Großbritannien ist geschockt über die Studentenproteste.

Nach einem Abend der Gewalt in der Londoner Innenstadt hat in Großbritannien eine Diskussion über den Umgang der Polizei mit den Studentenprotesten eingesetzt. Kritik gab es vor allem wegen einer Attacke auf Prinz Charles und seine Ehefrau Camilla. Im Londoner Regierungsviertel war am Donnerstag ein zunächst friedlicher Protestmarsch tausender Studenten gegen höhere Studiengebühren in Randale gemündet. Dabei war auch die Limousine des britischen Thronfolgers angegriffen worden. Charles und Camilla blieben unverletzt.

Die Polizei verteidigte am Freitag die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der britischen Königsfamilie. Die Royals legten Wert darauf, nahe an der Bevölkerung zu sein und sich nicht abzuschotten, sagte der Chef von Scotland Yard, Paul Stephenson. Die Sicherheitsvorkehrungen seien darauf abgestimmt. Die Situation am Donnerstag aber sei extrem schwierig und nicht vorhersehbar gewesen.

Charles und Camilla selber lobten den Einsatz der Polizei und ließen mitteilen, die seien “sehr dankbar“. Das Paar habe großes Verständnis für die Schwierigkeiten, denen die Polizisten ausgesetzt gewesen sein, sagte ein Sprecher der beiden. Es seien “außerordentlich schwierige Umstände“ gewesen.

Auto von Charles und Camilla angegriffen

Auto von Charles und Camilla angegriffen

Bereits ab Mittag waren Studenten, Schüler, Eltern, Universitätsmitarbeiter und andere Demonstranten zum Parlament gezogen, wo der erste Schritt einer Reform der Studiengebühren zur Abstimmung stand. Unterschiedlichen Angaben zufolge sollen es 20 000 bis 30 000 Menschen gewesen sein. Am Rande der Demonstration entwickelten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Vor dem Parlament wurden Feuer angezündet, es flogen Farbbeutel und andere Wurfgeschosse, Gebäude wurden beschädigt. 12 Beamte und 43 Demonstranten wurden verletzt, 22 Menschen festgenommen. Ein 20 Jahre alter Student musste nach einer Gehirnblutung operiert werden. Ein Polizist soll ihm auf den Kopf geschlagen haben.

Charles und Camilla fuhren auf dem Weg zu einer Theatervorführung durch die Menge, als ihr Rolls Royce kurzzeitig attackiert wurde. Demonstranten traten gegen das Auto, Farbbeutel wurden geworfen, eine Scheibe beschädigt. Das Paar erreichte das Theater dennoch unverletzt und rechtzeitig.

Umstrittene Gebührenerhöhung durchgebracht

Im Laufe des Tages tauchten Videos auf - zum Teil von Passanten gefilmt - die das Paar in ihrem Rolls Royce zeigten. Während die Randalierer, die auf der Einkaufsstraße auch Scheiben von Geschäften einschlugen, auf das Auto zustürzten, nahm Charles Camillas Hand. Beide schauten verunsichert und geschockt um sich. Nach der Aufführung wurden sie mit einem Polizeiauto nach Hause gefahren.

Regierungschef David Cameron verurteilte den Übergriff auf den Thronfolger und dessen Frau als “schockierend und bedauerlich“. Die Angreifer würden zur Verantwortung gezogen und “die volle Kraft des Gesetzes“ zu spüren bekommen, sagte Cameron. Es sei wichtig, dass alle ihre Lektion aus den Ereignissen lernten.

Trotz der Randale und Protesten aus den eigenen Reihen brachte die Koalitionsregierung aus Konservativen und Liberaldemokraten die umstrittene Gebührenerhöhung durch. Mit knapper Mehrheit wurde die Obergrenze, die Unis jährlich an Gebühren verlangen dürfen, auf 9000 Pfund (10 700 Euro) verdreifacht. Die Liberaldemokraten hatten im Wahlkampf versprochen, bei einer Erhöhung nicht mitzumachen. Jetzt stehen sie bei den Wählern in der Kritik und sind untereinander gespalten. Weniger als die Hälfte der liberalen Abgeordneten stimmten der Änderung zu. Auch sechs Konservative stimmten dagegen.

Studentenvertreter kritisierten den Polizeieinsatz

Die Erhöhung der Studiengebühren ist Teil eines Sparpaketes der Regierung, mit dem die maroden britischen Finanzen wieder stabilisiert werden sollen. In ihrem drastischen Sparprogramm hatte die Koalition angekündigt, künftig bis zu 40 Prozent bei der höheren Bildung einsparen zu wollen. Für die kommenden Wochen werden weitere Studentenproteste befürchtet, da noch Details der Gebührenreform zur Abstimmung stehen.

Studentenvertreter kritisierten den Polizeieinsatz. “Die Polizei ist extrem brutal vorgegangen“, sagte Mark Bergfeld von der Organisation Education Activist Network. Teilweise seien die Leute stundenlang von der Polizei eingekesselt und ohne Wasser oder andere Versorgung zehn Stunden lang festgesetzt worden.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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