Gesunheitsministerkonferenz

Quarantäne in NRW nur für infizierte Kinder - Regeln an Schulen

Die Regelungen zur Quarantäne von Schulkindern sind bundesweit angepasst worden. Bund und Länder haben sich auf ein einheitliches Vorgehen geeinigt. Jetzt hat sich das Land NRW geäußert

Update vom 7. September, 20.29 Uhr: In Nordrhein-Westfalen sollen im Fall von Corona-Infektionen in Schulen und Kitas zunächst nur die erkrankten Kinder selbst in Quarantäne. Dies teilte das NRW-Gesundheitsministerium am Dienstagabend in Düsseldorf mit. Die geltenden Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Lüften, Testen und das Tragen medizinischer Masken seien weiter einzuhalten. Die notwendigen Erlasse und Änderungsverordnungen sollen bis spätestens Ende der Woche veröffentlicht werden.

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Fläche34.098 km²
Bevölkerung17,93 Millionen

Das Ministerium sprach von „Quarantäne-Erleichterungen“ und nannte als Beispiel die Infektion eines einzelnen Kindes innerhalb einer Klasse, eines Kurses, einer Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflegestelle. Das Kind werde dann in eine 14-tägige Quarantäne geschickt. „Die übrigen Kinder müssen in der Regel nicht in Quarantäne.“ Zur Kontrolle werde bei einem Fall in Schulen die Zahl der wöchentlichen Testungen erhöht. In der Kindertagesbetreuung sollen neben den freiwilligen Selbsttests nach Auftreten eines Infektionsfalls Pflicht-Selbsttests eingeführt werden.

Die Gesundheitsminister der Länder und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatten sich am Montag für einfachere Quarantäne-Regeln bei Corona-Fällen in Schulen ausgesprochen. Grundsätzlich solle bei einem Fall nicht mehr für die gesamte Klasse Quarantäne angeordnet werden, heißt in einem Beschluss. Quarantäneanordnungen seien auf möglichst wenige Personen zu beschränken. Wie klein oder groß die betroffene Schülergruppe sein soll, die bei einem Corona-Fall in Quarantäne gehen müsste, war dabei offen gelassen worden.

Quarantäne-Regeln an Schulen: Gesundheitsminister einigen sich auf Freitesten

Update vom 6. September, 19.02 Uhr: Bund und Länder haben sich auf neue Quarantäne-Regeln an Schulen geeinigt. Die Gesundheitsminister haben sich am Montag darauf verständigt, dass bei einem Corona-Fall nicht mehr die gesamte Klasse in Quarantäne muss. Also eine Regelung, die unter anderem in Nordrhein-Westfalen schon existiert. Außerdem sollen Kinder, die keine Symptome haben, ihre Quarantäne nach frühestens fünf Tagen mit einem negativen PCR-Test oder Antigenschnelltest beenden können. Das „Freitesten“ wird also möglich sein. Die Gesundheitsämter vor Ort sollen aber im Einzelfall auch abweichend entscheiden können. 

Quarantäne-Regeln an Schulen: Bund und Länder einigen sich auf neues Vorgehen

In dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Beschluss heißt es, Quarantäne-Anordnungen seien generell „mit Augenmaß“ in Abhängigkeit von der Einhaltung solcher Konzepte zu erlassen. Im Interesse eines möglichst verlässlichen Präsenzunterrichts sei die Anordnung einer Quarantäne außerdem „auf möglichst wenige Personen“ zu beschränken. Geimpfte und genesene Personen sollen grundsätzlich ausgenommen sein. Die nötigen Maßnahmen solle die Gesundheitsbehörde vor Ort treffen.

Bei übrigen Kindern der Klasse, die nicht als enge Kontaktpersonen eingestuft sind, sollten „für eine gewisse Zeit“ intensivierte Tests vorgenommen werden, heißt es in dem Beschluss weiter. Auch in Kitas solle es Quarantäne „nur mit Augenmaß unter Berücksichtigung der Belange der Kinder und Kinderbetreuungseinrichtungen“ geben. Auch hier soll ein „Freitesten“ aus einer Quarantäne nach frühestens fünf Tagen möglich sein. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte vor den Beratungen für eine große gemeinsame Linie der Länder geworben, die für sehr viel Akzeptanz bei Eltern sorgen würde.

Quarantäne an Schulen: Gesundheitsminister wollen einheitliche Regelung

[Erstmeldung] Berlin - Die Quarantäne-Regelungen für Kinder an Schulen sorgen für Frust und Diskussionen - nicht nur bei Eltern. Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) will die innerhalb Deutschlands sehr unterschiedlichen Regeln vereinheitlichen - und zugleich lockern. Nordrhein-Westfalen hat eine klare Vorstellung davon, wie Corona-Fälle an Schulen künftig gehandhabt werden sollen. (News zum Coronavirus)

Bislang gibt es in den Bundesländern höchst unterschiedliche Vorgaben für die Quarantäne, sollte sich in einer Schulklasse ein infizierter Schüler finden. Teilweise müssen nur die Sitznachbarn in Quarantäne. Manche Gesundheitsämter schicken gleich ganze Schulklassen oder Kurse für 14 Tage nach Hause.

Bisher gibt es keine gemeinsame Linie der Länder, wann und wie lange Schülerinnen und Schüler in Quarantäne müssen. Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK), an der u.a. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der NRW-Ressortchef Karl-Josef Laumann (CDU) teilnehmen, wird am Montag (6. September) „möglichst einheitliche Regeln“ aufstellen, wie der GMK-Vorsitzende Klaus Holetschek (CSU/Bayern) sagte.

Jens Spahn schlug vor den Beratungen mit seinen Länderkollegen einen Quarantänezeitraum von fünf Tagen bei Corona-Verdachtsfällen vor, nach dem sich Schülerinnen und Schüler durch ein negatives Testergebnis freitesten können sollen. Zudem solle diese Regelung bei Auftreten eines Infektionsfalls in der Schule nur für die umsitzenden Schüler gelten, nicht für die gesamte Klasse. Voraussetzung dafür sei aber, dass Grundregeln umgesetzt würden, nämlich Maske tragen für alle im Unterricht, regelmäßige Tests und Lüftungskonzepte.

Quarantäne in Schulen bald nur noch für Sitznachbarn von Corona-Infizierten

Tritt ein Corona-Infektionsfall in einer Schulklasse auf, sollen bundesweit künftig nicht mehr alle Schülerinnen und Schüler der Klasse in Quarantäne geschickt werden, sondern nur noch die engen Kontaktpersonen. Das berichtet Business Insider unter Berufung auf eine Beschlussvorlage, über die Bund und Länder auf der Gesundheitsministerkonferenz abstimmen wollen. Zuvor hatten sich schon die Infektionsschutzbeauftragten der Länder auf ein solches Vorgehen verständigt.

Sind die engen Kontaktpersonen asymptomatisch, so sollen sie mit einem negativen Corona-Test nach fünf bis sieben Tage die Quarantäne verlassen können. Die übrigen Schüler, die nicht zu den engen Kontaktpersonen gehören, sollen im relevanten Zeitraum häufiger getestet werden. Die Lockerung der Quarantäneregeln gilt laut Beschlussentwurf auch für Kitas.

Quarantäne-Regeln sorgen für Frust bei Eltern und an Schulen

Frust und Verunsicherung bei Eltern angesichts des bunten Regel-Flickenteppichs - zum Teil sogar innerhalb von Bundesländern von Gesundheitsamt zu Gesundheitsamt - waren zuletzt im größer geworden. Vor allem die mancherorts auf 14 Tage festgelegte Quarantäne ohne Möglichkeit des Freitestens nach fünf Tagen sorgt für Diskussionsstoff. Eine betroffene Mutter aus dem Sauerland schrieb deswegen einen Brief an NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP)*.

Leere Klassenräume soll es bald nicht mehr geben. Die Gesundheitsminister haben die Quarantäne-Regeln vereinheitlicht.

„Eine 14-tägige Quarantäne-Pflicht ist oft zu lang“, sagte auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Trotzdem sollten aber den Gesundheitsämtern Spielräume gelassen werden für den Einzelfall, sagte sie weiter. Die NRW-Minister Karl-Josef Laumann und Yvonne Gebauer hatten sich erst vor wenigen Tagen nicht nur für eine Vereinheitlichung, sondern auch gleich für eine deutliche Lockerung der Quarantäne-Regelung ausgesprochen.

NRW-Minister Laumann will Lockerung der Quarantäne-Regelung an Schulen

Laumann gab sich in einer Sondersitzung des NRW-Landtags in Düsseldorf zuversichtlich, dass bald nur noch infizierte Schulkinder in Quarantäne geschickt werden könnten. Gebauer schloss einen Alleingang von Nordrhein-Westfalen nicht aus, falls es keine Einigung auf eine bundesweite Regelung geben sollte.

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, ist skeptisch, was Laumanns Pläne angeht. Ausschließlich infizierte Schüler in Quarantäne zu schicken und dabei auf Kontaktverfolgung komplett zu verzichten, wäre „ein Signal für die schnelle Durchseuchung der Schulen“, sagte er.

Zuletzt waren die Infektionszahlen besonders in jüngeren Altersgruppen und in vor allem in Nordrhein-Westfalen stark gestiegen. Viele Schülerinnen und Schüler sind noch nicht geimpft, weil es derzeit keine Impfstoffe gibt, die für Kinder unter zwölf Jahren offiziell zugelassen sind. *sauerlandkurier.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Annette Riedl/dpa

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