1. come-on.de
  2. Politik

„Russische Wirtschaft robuster als erwartet“: Experte beurteilt Sanktionen – und nennt neues Putin-Problem

Erstellt:

Von: Maximilian Kettenbach, Andreas Schmid

Kommentare

Die russische Wirtschaft scheint sich zu erholen. „Sie ist stärker als vom Westen erwartet“, sagt Experte Gerhard Mangott Merkur.de. Aktuelle Kremlpläne könnten die Lage aber verändern.

München/Innsbruck – Die Inflationsrate in Russland lag im August bei 14,3 Prozent, der Rubel schien nach dem Ukraine-Krieg immer weiter abzustürzen. Die russische Notenbank lockerte daraufhin ihre Geldpolitik. Der Leitzins sank Mitte September um 0,5 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent. Es war die sechste Zinssenkung in Folge und mittlerweile ist der Rubel sogar stärker als vor Kriegsbeginn. Ist die russische Wirtschaft nun kriegsgeschwächt oder nicht?

„Russische Wirtschaft ist robuster als erwartet“: Experte beurteilt Sanktionen

Gerhard Mangott, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck, sieht im Gespräch mit Merkur.de von IPPEN.MEDIA zwar ökonomische Defizite im größten Land der Erde. „Das russische Wirtschaftswachstum ist um sechs Prozent gesunken, die Menschen merken etwas von den Sanktionen“, sagt der 56-Jährige, der nach eigener Aussage über Kontakte bis ins russische Präsidialamt verfügt. Für Mangott ist allerdings klar: „Putin wird den Krieg deshalb nicht beenden.“

Münzen zu 1, 2 und 5 Rubel, Geldschein zu 50 Rubel vor dem Hintergrund Roter Platz und Kreml in Moskau
Der Rubel rollt? Zumindest scheint die russische Wirtschaft „robuster als erwartet“, sagt uns ein Universitätsprofessor. © IMAGO/Peter Seyfferth (Montage)

Grund dafür sei unter anderem, dass die Inflation „langsam“ absinke und die Arbeitslosigkeit „niedrig“ bleibe. „Die russische Wirtschaft ist robuster als viele im Westen erwartet haben.“ Deutschland geht derzeit von einem Wirtschaftseinbruch in Russland von bis zu 15 Prozent in diesem Jahr aus. Das geht aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums an den Linken-Abgeordneten Sören Pellmann hervor.

Gerhard Mangott, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck. Der Russland-Experte spricht über Putins Situation im Inland.
Gerhard Mangott, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck. Der Russland-Experte spricht über Putins Situation im Inland. © Privat

Auch der Kreml selbst berichtet immer wieder, wie gut Russland wirtschaftlich aufgestellt sei. Forscher der Universität Yale sehen das etwas anders. In ihrer Studie mit dem Titel „Rückzug der Unternehmen und Sanktionen lähmen die russische Wirtschaft“ schreiben sie, dass auch an Russland die Folgen des Ukraine-Krieges nicht spurlos vorübergingen. Zu der Behauptung, dass es der russischen Wirtschaft gut gehe, heißt es: „Das ist schlichtweg nicht wahr.“

Über IPPEN.MEDIA

Das IPPEN.MEDIA-Netzwerk ist einer der größten Online-Publisher Deutschlands. An den Standorten Berlin, Hamburg/Bremen, München, Frankfurt, Köln, Stuttgart und Wien recherchieren und publizieren Journalistinnen und Journalisten unserer Zentralredaktion für mehr als 50 Nachrichtenangebote. Dazu zählen u.a. Marken wie Münchner Merkur, Frankfurter Rundschau und BuzzFeed Deutschland. Unsere Nachrichten, Interviews, Analysen und Kommentare erreichen mehr als 5 Millionen Menschen täglich in Deutschland.

Ukraine-Krieg: Experte nennt neues Putin-Problem - „das schwächt Wirtschaft enorm“

Mangott sieht einen großen Teil des russischen Problems in Wladimir Putins Teilmobilisierung. „Es schwächt die russische Wirtschaft enorm, wenn 300.000 Männer an die Front müssen. Wenn dann nochmal so viele flüchten, ist das in den Betrieben und damit in den Auswirkungen auf die russische Wirtschaft deutlich spürbar.“

Konkrete Zahlen zu geflüchteten Russen gibt es wenige. Es sollen zehntausende sein. Der britische Geheimdienst sieht jedoch bereits weitere Probleme für Russland. „Unter denjenigen, die versuchen, Russland zu verlassen, sind die Bessergestellten und Gutausgebildeten überrepräsentiert“, schrieb das Londoner Verteidigungsministerium am Donnerstag unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse.

Wenn man auch die Einberufenen berücksichtige, dürften die binnenwirtschaftlichen Auswirkungen enorm sein, hieß es weiter. Die Behörde verwies auf die geringere Verfügbarkeit von Arbeitskräften und einen rasanten „Brain-Drain“, also einem Verlust von Fachkräften etwa in den Technikbranchen. Die deutsche Bundesregierung will unterdessen mit einem „Abwehrschirm“ die deutsche Wirtschaft im „Energiekrieg“ mit Russland schützen. (as)

Auch interessant

Kommentare