„Selbst eine solche ...“

Merz stichelt fies gegen SPD-Chefin Esken - das Publikum johlt

Beim politischen Aschermittwoch teilten Parteivertreter wieder gegen ihre Amtskollegen aus. CDU-Politiker Friedrich Merz hatte das SPD-Führungsduo im Visier.

  • Auch 2020 wurde beim politischen Aschermittwoch vom Leder gezogen.
  • Mit Markus Söder, Saskia Esken und Robert Habeck sprechen vier Chefs großer Bundesparteien in Bayern.
  • Der Blick geht auch in andere Bundesländer: In der CDU-Krise tritt AKK in Demmin, Armin Laschet im Sauerland und Friedrich Merz in Thüringen auf.

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Update vom 27. Februar 2020: Beim politischen Aschermittwoch in Thüringen teilte CDU-Politiker Friedrich Merz auch gegen das SPD-Führungsduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans aus. Ein Grund für das gute Abschneiden der Sozialdemokraten bei der Wahl in Hamburg war Merz zufolge, dass Esken und Walter-Borjans gebeten worden seien, sich nicht in den Wahlkampf einzumischen. 

Und Esken hatte der Ex-Unionsfraktionschef auch nach diesem Seitenhieb noch auf dem Kieker. „Selbst eine solche Stimmungskanone wie Saskia Esken war für den kühlen Norden zu viel“, stichelte Merz weiter. Von seinem Publikum wurde Merz für seine bissigen Sprüche gegen die SPD-Politiker bejubelt.

20.49 Uhr: Friedrich Merz sprach in Weimar und wählte dort ähnlich klare Worte. „Der Auslöser war die Arroganz, die Überheblichkeit zu sagen, ich stelle mich hier zur Wahl“, schimpfte der CDU-Vorstandskandidat über Bodo Ramelow

Dass der Linken-Politiker zur Wahl angetreten sei, ohne eine Mehrheit hinter sich zu wissen, war für Merz der Grund, für das politische Desaster in Thüringen. Für diese Meinung erntete er großen Beifall. 

Politischer Aschermittwoch: CSU buht Scheuer aus - Laschet schießt gegen alle Richtungen

18.20 Uhr: „Vielen Dank und Glück auf!“ Armin Laschet hat seine Rede beendet und freut sich über rhythmische Ovationen. Er war der letzte Redner am heutigen politischen Aschermittwoch in Kirchveischede im Sauerland. 

18.16 Uhr: „Wer kriminell wird, muss das Land verlassen“, beginnt Laschet seine Ausführungen zum Thema Bleiberecht von Geflüchteten. Das er, und das klingt weniger nach seiner anfänglichen Aussage, „so weit wie möglich ausdehnen möchte.

18.03 Uhr: Armin Laschet behandelt sehr ausführlich, wie Deutschland eine Industrie-Nation bleiben möchte. Er scheint vor der Klima-Debatte überfragt. Es gebe keinen Weg mehr, die Energieversorgung zu gewährleisten, gegen den niemand auf die Barrikaden geht, prangert er an. Damit widmet er sich einem Kern-Thema von Friedrich Merz. Der Fernkampf ist wohl eröffnet.

Außerdem ist die Auseinandersetzung mit der Automobilindustrie für ihn so nicht in Ordnung. „Kein anderes Land der Welt geht so hämisch mit seiner Kern-Industrie um“, schimpft er, „die Grünen springen auf jeden Anti-Zug, den es gibt.“

Politische Debatten mit den Grünen sind für ihn wohl schier unmöglich, da sie zu Not eben einfach nicht mehr über Politik sprächen, schimpft Laschet: „Dann diskutieren wir, ob der Dreitage-Bart von Robert Habeck heut gut liegt, oder ob er schlecht liegt.“

17.58 Uhr: Weiter geht es mit einem Exkurs zu „Grüner Spinnerei“, wie der CDU-Mann den Chemie-Spionage-Erlass bezeichnet, der der Industrie in Nordrhein-Westfalen die Offenlegung von Bauplänen zu gefährlichen Fabriken vorschreibt.

17.57 Uhr: „Das ist doch alles Wahnsinn! Die sind doch verrückt geworden, die sich so etwas einfallen lassen!“, schimpft er gegen die Einführung der Kassenbon-Pflicht. Laschet will weniger Bürokratie. 

17.54 Uhr: Kemmerich hätte mit einer Ablehnung seiner Wahl ein kräftiges Zeichen an ganz Deutschland schicken können und sollen, wirft Armin Laschet seinen Blick auf die Krise in Thüringen und erntet damit spontanen Applaus im Saal. 

17.50 Uhr: „Wir müssen alles tun, dass die, die die Worte liefern, möglichst aus den Parlamenten verschwinden“, schließt Laschet aus den politisch rechts motivierten Taten der vergangenen neuen Monate.

17.46 Uhr: Auch Armin Laschet reagiert mit heftigen Worten auf den rechten Terror und schießt gegen die AfD. „Heute sind es nicht mehr nur noch anonyme Trolls“, beklagt er die Ausbreitung rechter Denkweisen und Abgeordnete, „die diese Hetzreden halten.“

16.09 Uhr: Nach dem rechten Terror in Hanau haben sich die Parteien beim politischen Aschermittwoch weitgehend gegen Rechts eingeschossen. Mit scharfen Attacken gegen Rechtsextremismus und die AfD punktete auch CSU-Chef Markus Söder in Passsau. Er warnte vor „braunem Gift“.

Aber Empörung war auch von den anderen Parteien zu hören. Grünen-Chef Robert Habeck forderte „einen Schutzschild des Anstandes“ und SPD-Chefin Saskia Esken eine starke Abgrenzung zur AfD. Der innenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion Gottfried Curio sah seine Partei dagegen als Opfer von Verleumdung.

Aschermittwoch: „Wir haben uns lange genug weggeduckt“

Grünen-Frontmann Habeck forderte mehr gesellschaftlichen Rückhalt für von rechtsextremem Hass Betroffene. „Wir haben uns zu lange weggeduckt“, sagte er in Landshut. Die Politik dürfe den Rechtsterrorismus nicht mehr als Nischenproblem wegdrücken. Es sei eine „perfide Strategie“, dass Menschen, die besondere Schutzräume wie Synagogen brauchten, jetzt dort angegriffen würden. Er forderte die Sicherheitsbehörden auf durchzugreifen.

Curio wies jede Verbindung der AfD zum Attentat von Hanau zurück und sprach von einer „widerlichen Verleumdung“. 

Andere Parteien grenzten sich deutlich von der AfD ab - auch mit Blick auf die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen, wo der FDP-Politiker Thomas Kemmerich auch mit Stimmen der AfD ins Amt des Regierungschefs gewählt worden war. „Nazis bleiben Nazis“, sagte SPD-Chefin Sasika Esken in Vilshofen. „Und wer einigermaßen geschichtsbewusst ist, der darf sich von denen nicht den Steigbügel halten lassen“, mahnte sie.

Die scheidende CDU-Bundeschefin Annegret Kramp-Karrenbauer warnte ihre Partei angesichts des Konkurrenzkampfes um ihre Nachfolge vor einer allzu intensiven Selbstbeschäftigung. „Wir dürfen nicht den Fehler machen zu glauben, wir als Partei seien der Nabel der Welt“, sagte sie bei der baden-württembergischen CDU in Fellbach.

Aschermittwoch: Parteien umwerben die protestierenden Landwirte

Freie Wähler, CSU und Grüne umwarben die Bauern, die mit Schildern und Traktoren bei mehreren Veranstaltungen in Niederbayern protestierten. Die Landwirte seien „Mittelpunkt der politischen Strategie“ seiner Partei, sagte Aiwanger in Deggendorf. Bei der Agrarpolitik des Bundes handle es sich um einen „Kopfschuss mit Ansage“, sagte der stellvertretende bayerische Ministerpräsident.

Söder forderte mehr Wertschätzung: „Bayern ist ohne Bauern unvorstellbar“, sagte er. „Die ganze Welt trinkt und frisst bayerisch.“ Man müsse denen dankbar sein, die die Lebensmittel produzierten, ob konventionell oder biologisch.

Habeck betonte, die Grünen hätten vollstes Verständnis für den Unmut der Bauern. „Wir müssen die Bauern bezahlen, damit sie unsere Umwelt schützen und nicht gezwungen sind, ihre Landwirtschaft weiter zu intensiveren.“

14.22 Uhr: Ungewohnt stark wetterte CSU-Chef Markus Söder in seiner Rede zum politischen Aschermittwoch in Passau gegen rechts. „Der Rechtsterrorismus ist eine Herausforderung in einer ähnlichen Dimension, wie es damals die RAF war“, sagte Söder. 

Aschermittwoch: CSU buht Scheuer aus - Söder spottet über Fridays for Future

13.55 Uhr: Beim politischen Aschermittwoch der Freien Wähler hat Hubert Aiwanger den bayerischen Landwirten seine Solidarität versichert. Sie seien „Mittelpunkt der politischen Strategie“ seiner Partei, sagte er vor gut 1 000 Besuchern im niederbayerischen Deggendorf. So könne es nicht sein, dass Deutschland sich für eines der reichsten Länder der Welt halte und meine, dass es sich seine Bauern nicht leisten könne.

Vor der Deggendorfer Stadthalle waren Landwirte zuvor aus Protest mit Traktoren vorgefahren. Die Bauern seien durch „sinnlose Entscheidungen“ wie die Düngeverordnung gegängelt worden, sagte Aiwanger. Bei der Agrarpolitik des Bundes handle es sich um einen „Kopfschuss mit Ansage“. Mit Blick auf die Suche der CDU nach einem neuen Parteivorsitzenden sagte er: „Die Scheintoten beginnen, über die Treppen zu schleichen.“

Die FDP spottete unterdessen dem jüngsten Wahldebakel zum Trotz in Landshut über die CSU. „Söder geriert sich als Staatsmann. Aber den Mut, seinen Hut für die Kanzlerkandidatur in den Ring zu werfen, hat er nicht“, stichelte Landeschef Daniel Föst. „Deshalb hat es bei der CSU heute auch zwei mehr Grad mehr als bei uns. Weil keiner so viel heiße Luft produziert wie Markus Söder.“

13.29 Uhr: Nicht überall wurde gelacht, am politischen Aschermittwoch. Einige der Parteispitzen ergriffen die Chance für Selbstverteidigung oder politische Brandreden. Während die Veranstaltung von AfD-Bundesvorstandsmitglied dazu genutzt wurde um sich gegen den Zusammenhang von Sprache und folgenden Gewalttaten zu verteidigen. Die Tat in Hanau sei nicht Folge der politischen Diskussion der vergangenen Jahre, sagte Curio.

Auch Grünen-Chef Robert Habeck spielte in seiner Rede auf Sprache und Debatten-Kultur an - allerdings auf ganz andere Weise. Deutschland müsse wieder „Anstand“ in der Diskussion einfordern, so der Grünen-Chef. Die Gesellschaft müsse die Möglichkeit bekommen, neu nachzudenken, neue Fragen zu stellen, sich neu zu streiten. Es sei ein Diskurs mit Anstand und Respekt vor anderen Meinungen wichtig.

Aschermittwoch: CSU buht Scheuer aus -  Söder sieht Habeck bei „Tofu-Tupper-Party“

11.58 Uhr: CSU-Chef Markus Söder bekannte sich beim politischen Aschermittwoch auch ganz klar zu seiner bayerischen Heimat - und erteilte Kanzler-Spekulationen einmal mehr eine Absage. „Mein Platz ist hier - in Passau, in Bayern und nicht in Berlin“, stellte er klar und bekam dafür tosenden Applaus. Weiter betonte Söder: „Ich helfe mit wo ich kann. Diese GroKo haben wir zwar mal gefährdet als CSU - aber im letzten Jahr haben wir sie an einigen Stellen auch gerettet.“ 

So werde die CSU das weiterhin tun und in Berlin weiter „nach dem Rechten sehen“. Das Ziel sei, Bayern zu entwickeln, stark zu machen und gleichzeitig zu schauen, dass Deutschland sich nicht in eine falsche Richtung bewegt. In diesem Zusammenhang bekräfte Söder seine Forderung, die AfD zu bekämpfen. „Einen grünen Kanzler wollen wir nicht“, stellte er dann noch klar und schloss seine Rede mit den Worten „Gott schütze Bayern“. Das quittierte das Publikum mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations

Politischer Aschermittwoch der Grünen: Habeck hält politische Brandrede

11.57 Uhr: „Wie gelingt es einen Diskurs zu schaffen, der von Anstand geprägt ist“, fragt der Grünen-Chef Robert Habeck in Bayern. Es beginne damit, „Tradition nicht mit Einfalt oder Einfältigkeit zu verwechseln, sondern mit Vielfalt zu begreifen“. Freiheit und Vielfalt müssten als Chance erkannt werden. 

Robert Habeck bei seiner Aschermittwochs-Rede.

Begriffen werdern müsse auch, dass unterschiedliche Meinungen eine Bereicherung seien - und gleichzeitig müssten die Grünen daran festhalten ein Mandat besetzen zu können. „Aber gucken wir gar nicht auf uns“, leitet Habeck das Ende zu seiner flammenden Wahlkampfrede ein. Auch nicht „auf den politischen Genger. Gucken wir auf die Probleme der Bürger und gehen sie an - am 15. März bei der Kommunalwahl in Bayern“.

Politischer Aschermittwoch: Die neue SPD-Voristzende tut sich etwas schwer

11.50 Uhr: Während Markus Söder in Passau kräftig gegen die Grünen ledert, tut sich SPD-Chefin Saskia Esken bei ihrer ersten Aschermittwochs-Rede in Vilshofen schwer, in Fahrt zu kommen. Eine Spitze setzte Esken gegen die CDU - die Partei wirke in ihrer Führungskrise „hilflos“, erklärte sie. Ansonsten versucht sich die erst vor einigen Wochen gewählte Vorsitzende in Durchhalteparolen und in klassischen Forderungen: Der Neoliberalismus müsse zurückgedrängt werden, die SPD müsse „mehr Sozialdemokratie wagen“.

Saskia Esken kam bei der Aschermittwochs-Kundgebung der SPD in Vilshofen nicht so recht in Fahrt.

Aschermittwoch: Habeck (Grüne) erwähnt Söder mit keinem Wort

11.48 Uhr: In seiner Brandrede auf dem politischen Aschermittwoch in Landshut spricht Habeck ein „gesamtgesellschaftliches“ Problem an. Wer heute als Politiker sage „Moment mal, ich muss das erst einmal kurz überdenken“, habe bereits verloren, erklärt Habeck. „Wer aber sagt: Ich bin so, ich bin der Geilste“, werde er bejubelt. „Wir haben ein System, dass darauf angelegt ist, sich permament selbst zu vergewissern.“ Das gehe nicht, in einer Zeit, in der man nachdenken muss oder auch mal Dinge überdenken. „Wir haben verlernt zu streiten, als Gesellschaft. Wir brauchen eine neue Streitkulturen“, betont Habeck erneut. Für die Grünen bedeute das konkret in Zeiten der Orientierungslosigkeit der anderen Parteien, den Politik zu gestalten. Denn, dass SPD und CDU mit der Selbstbeschäftigung zugange seien, „ist ein Problem. Das lähmt die Regierung und den politischen Diskurs“.

11.45 Uhr: In Landshut attestiert Grünen-Chef Robert Habeck einen "Komplettausfall der Volksparteien". "Wir haben uns an die Sehnsucht nach Bedeutungslosigkeit der SPD schon fast gewöhnt", sagt Habeck - und erntet doch ein paar Lacher. Obwohl er sogleich ernst fortfährt: Das Chaos der CDU komme jetzt hinzu. Und das sei gefährlich, so Habeck. 

Die Mitglieder der CDU müssten bei Sitzungen in Berlin derzeit ihre Handys abgeben, sagt Habeck. "Das Misstrauen ist so tief in diese Partei eingesunken," dass weder andere Parteien, noch die Bürger der Partei noch vertrauen könnten. "Das Schiff der Union hat sich aus dem Hafen losgerissen", prustet Habeck wütend. CDU und CSU trieben auf offener See. "Der Führungsanspruch ist nur noch nach innen gerichtet", sagt Habeck auf dem Aschermittwoch in Landshut. Dabei kümmere man sich nicht um die Verantwortung gegenüber den Bürgern.

Politischer Aschermittwoch: Söder (CSU) geht mit der AfD hart ins Gericht

11.42 Uhr: Auch mit der AfD ging CSU-Chef Markus Söder während seines Aschermittwochs-Auftritts hart ins Gericht. Warum dürfe man denn Höcke rechtmäßig einen Nazi nennen? „Weil er einer ist“, gab sich Söder selbst die Antwort. „Seine Jünger“ seien auf dem Vormarsch - vor allem in Bayern. „Wer dagegen ist, wird mundtot gemacht“, kritisierte Söder weiter. Die AfD reformiere sich völkisch-nationalistisch und nun müsse auch im Osten endlich klar Schiff gemacht werden. Wir müssen die AfD bekämpfen, forderte Söder. 

11.27 Uhr: Neben humorvollen Seitenhieben auf die anderen Parteien widmete sich CSU-Chef Markus Söder auch den Vorfällen in Hanau und schlug dabei ernste Töne an. Der Rechtsterrorismus in Deutschland sei eine neue Herausforderung in einer ähnlichen Weise wie es damals die RAF war, warnte er. „Wir brauchen mehr Möglichkeiten des Rechtsstaates, mehr Ermittlungsdruck auf diese Szene“, lautet seine Forderung. Weiter forderte er, nicht nur Täter sondern auch Sympathisanten ins Visier zu nehmen. „Wenn wir nicht aufpassen sickert das braune Gift weiter und verseucht Stück für Stück das demokratische Grundwasser“, warnte er mit deutlichen Worten. Gleichzeitig erinnerte er aber auch daran, nicht jeden Sportschützen oder Jäger unter Generalverdacht zu stellen. 

Robert Habeck schießt gegen Söders Rede: 2020 keine „dümmliche Verunglimpfung von Personen“

11.25 Uhr: Mittlerweile hat auch Robert Habeck in Landshut die Bühne betreten. „Danke, dass ihr mich als alten Fischkopp immer wieder hier einladet“, sagt der Grünen-Chef beim politischen Aschermittwoch. Er wisse noch, wie er Anfangs Respekt hatte, vor Bayern und der kulturellen Aschermittwochsveranstaltung. „Es ist vielleicht die schwierigste Aschermittwochs-Situation, die wir je hatten“, startet Habeck ernst. Denn bei dieser Veranstaltung gehe um Satire und Überspitzung anderer Parteien und Politiker. Was aber in dieser Zeit nicht ginge, sei die „dümmliche Verunglimpfung von Personen - und sich dümmer machen, als man ist“.

Richtig streiten heißt nicht, Menschen bloßstellen", erklärt Habeck und trifft damit in das Herz der Rede des bayerischen Ministerpäsidenten Markus Söder (CSU). Habeck findet offenbar, dass es an diesem Aschermittwoch nicht so viel zu Lachen gibt. Der Grünen-Chef hat sich stattdessen für eine Brandrede entschieden: „Wir brauchen ein Schutzschild des Anstandes“, Deutschland brauche eine Neuausrichtung und Debatte darüber, wer man sei, was die deutsche Kultur beinhalte. „Wir dürfen nicht alles sagen, was man sagen kann“, ruft Habeck unter tosendem Applaus in den Saal. Man dürfe nicht alle Tonalität tolerieren. Das müsse nach Hanau deutlicher zu Tage kommen, als bisher. 

Aschermittwoch: Söder (CSU) setzt verbale Spitze gegen Fridays-for-Future-Bewegung

11.19 Uhr: Auch auf dieFridays-for-Future-Bewegung ging Söder beim politischen Aschermittwoch ein. „Ich finde ja, Fridays-for-Future hat schon inspiriert“, sagte der CSU-Chef und fügte süffisant hinzu: „Man hätte es auch nachmittags machen können, aber es hat inspiriert.“

CSU-Chef Markus Söder beim politischen Aschermittwoch in Passau. 

11.10 Uhr: Während die Parteien in Bayern den politischen Aschermittwoch gestartet haben, protestieren die bayerischen Landwirte. Sie versammelten sich mit Schildern und Traktoren vor zahlreichen Veranstaltungsorten. Unter anderem vor den Veranstaltungshallen der CSU, den Grünen und den Freien Wählern. Bei der CSU steht der bayerische Ministerpräsident Markus Söder bereits auf der Bühne, Robert Habeck gibt unterdessen noch ein Statement ab und ruft zur mehr Verständnis gegenüber den Landwirten auf. Im Gegenzug fordert er von den Bauern mehr Toleranz für Arten- und Klimaschutz. „Wir müssen aufhören, mit dem persönlichen Diskreditieren“, sagte er im niederbayerischen Landshut vor seinem Auftritt beim politischen Aschermittwoch.

Aschermittwoch: Söder unterstützte in seiner Aschermittwochs-Rede die bayerischen Landwirte

Söder hingegen nutzte seine Aschermittwochs-Rede, um den bayerischen Landwirten seine Unterstützung auszusprechen. „Ich möchte ein klares Bekenntnis abgeben: Bayern ist ohne Bauern unvorstellbar“, betonte Söder. Dann macht er mit deutlichen Worten weiter. „Die ganze Welt trinkt und frisst bayerisch - manchmal sollten wir doch mal dankbar sein für die die‘s produzieren“, poltert er und fordert „mehr Respekt für unsere bayerischen Bauern“. Mit Blick auf die Umweltdiskussion und Vorschriften wie die Düngeverordnung forderte Söder außerdem, dass das, was sich ändere, „mit und nicht gegen die Bauern“ passieren müsse.

10.58 Uhr: Bei seinem Aschermittwochs-Auftritt holte Markus Söder mehrfach zum verbalen Schlag gegen die Grünen aus. Zu der Aussage des Vorsitzenden Robert Habeck, er finde Vaterlandsliebe zum Kotzen, sagte Söder: „Wer sein Land nicht liebt, kann sein Land nicht führen“. Zudem polterte er, die Grünen würden den „Mief der 80er Jahre vertreten“, die heutige Zeit fordere aber neue Antworten und nicht die „grüne alte Mottenkiste“. Weiter schimpfte Söder: „Grüne poltern im bayerischen Landtag gegen das Fliegen - machen aber am liebsten Urlaub in den USA.“ Dort würden aber noch keine Radschnellwege hinführen. Die Annahme vieler Bürger, die Grünen hätten höhere Moralvorstellungen als die Volksparteien, kommentierte Söder mit einem vernichtenden Fazit: Die Moral der Grünen sei die Doppelmoral. „Die müssen wir offenlegen, klären und darstellen“, forderte er. 

Aschermittwoch: Söder schlägt FDP-Chef Lindner als neuen Ehrenvorsitzenden der Grünen vor

FDP-Chef Christian Lindner wurde von Söder außerdem zum neuen „Ehrenvorsitzenden der Grünen“ vorgeschlagen. Seiner Meinung nach haben offenbar auch viele Fehlentscheidungen der FDP zum Erstarken der Grünen geführt. „FDP entscheidet immer dann wenn‘s wichtig ist leider falsch“, sagte er mit Blick auf Lindners Absage an die Jamaika-Koalition in der Vergangenheit. Söders Tipp an die freien Liberalen: „Brecht euren politischen Aschermittwoch ab, schaut phoenix und ntv“, um so von den anderen Parteien zu lernen. Später kam Söder wieder auf die Grünen zu sprechen und machte mit seinen Seitenhieben weiter: „Bäume umarme ich gern - aber das ist das einzige, was ich umarmen will.“

10.44 Uhr: Nun betrat CSU-Chef Markus Söder begleitet von Applaus die Bühne. „Der Chef im Ring ist die CSU - und das bleibt sie auch“, sagte Söder mit Blick auf den politischen Aschermittwoch. Dann teilte er gegen die SPD aus. Deren Nachahmer-Veranstaltung sei nichts anderes als „ein trauriger Stuhlkreis“ und Saskia Esken wurde als „echte Stimmungskanone bei der SPD“ eingeladen, um die Stimmung dort ein bisschen aufzuheitern. Auch die Grünen bekamen gleich zu Beginn ihr Fett weg: Sie würden eine „politische Tofu-Tupper-Party“mit ihrem Vorsitzenden Robert Habeck schmeißen.

CSU buht Andreas Scheuer beim politischen Aschermittwoch aus

10.23 Uhr: Als CSU-Politiker Andreas Scheuer die Bühne betrat, buhten sogar Teile seiner eigenen Partei. Für das Maut-Desaster ist der Bundesverkehrsminister auch in der CSU in Kritik geraten. Wohl deshalb waren neben Applaus am Mittwochvormittag auch Pfiffe und Buhrufe zu hören, bevor Scheuer zu seiner Ansprache ansetzte. In dieser forderte er dann äußerst energisch, die CDU und CSU dürfe niemals mit einer Linkspartei gemeinsame Sache machen. Weiter betonte er, Deutschland brauche „weder eine Alternative für links, noch für rechts“. Stattdessen brauche das Land die bürgerliche Mitte und damit die Union. „Ich kann die Mimimi-Gesellschaft nicht mehr sehen“, schimpfte Scheuer. „Ich möchte, dass wir stolz auf unser Land sind und die Zukunft aus der politischen Mitte heraus gestalten.“

10.04 Uhr: Begleitet von seiner Frau Karin ist CSU-Chef Markus Söder in der Dreiländerhalle in Passau pünktlich um 10 Uhr vor die Kameras getreten. Mit dabei waren unter anderem sein Stellvertreter Manfred Weber und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU)

Aschermittwoch: Merz und Laschet werden später am Tag sprechen

Update vom 26. Februar 2020 um 9.14 Uhr: Beim politischen Aschermittwoch wird es dieses Jahr wohl besonders spannend. Nur knapp 24 Stunden, nachdem Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und CDU-Vize Armin Laschet offiziell ihre Kampfkandidaturen für die Nachfolge von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, teilen heute die Spitzen aller Parteien erwartungsgemäß wieder einige Seitenhiebe aus. Um 10 Uhr treten CSU-Chef Markus Söder in Passau und Grünen-Vorsitzender Robert Habeck in Landshut auf. Außerdem spricht SPD-Chefin Saskia Esken in Vilshofen ebenfalls um 10 Uhr.

Am späten Nachmittag gegen 17 Uhr werden dann die scheidende CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer, sowie NRW-Ministerpräsident Laschet ihre Reden halten. Um 18 Uhr soll der Ex-Unionsfraktionsvorsitzende Merz sprechen. 

Erstmeldung vom 25. Februar 2020: 

Passau/Vilshofen - Für so manche ist er unterhaltsamer als die Faschingssaison, die wenige Stunden zuvor zu Ende gegangen ist: Beim politischen Aschermittwoch teilen Deutschlands Spitzenpolitiker in Niederbayern traditionell heftig aus. 

In diesem Jahr könnten die Aschermittwochs-Reden besonders heftig ausfallen. Denn die jüngsten Ereignisse in der politischen Sphäre Deutschlands polarisierten stark: Die CDU sucht nicht nur nach einem neuen Parteichef, sondern nebenbei wohl auch um eine Richtungsentscheidung. Und die gründlich missglückte Thüringer Ministerpräsidentenwahl bietet breite Angriffsfläche für markige Ansagen in Bierzeltatmosphäre.

Politischer Aschermittwoch: Söder, Esken und Habeck in Niederbayern

Antreten werden bei den bayerischen Aschermittwochs-Veranstaltungen 2020 unter anderem Markus Söder, Saskia Esken und Robert Habeck, die Parteichefs von CSU, SPD und Grünen. Sie werden sich wohl ein echtes Fernduell liefern. Während Habeck und Söder schon Aschermittwochsreden halten durften, feiert Esken in Vilshofen ihre Premiere. Verglichen mit Martin Schulz 2017 ist die Ausgangslage für sie aber deutlich schwieriger - die SPD steckt seit Jahren bundesweit in einer Krise, kämpft mit konstant schlechten Umfragewerten.

Aber auch außerhalb Bayerns wird der Aschermittwoch zelebriert, etwa im Mecklenburgischen Örtchen Demmin, wo Noch-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer erwartet wird. Oder im Sauerland beziehungsweise im thüringischen Apolda, wo mit CDU-Vize Armin Laschet und Friedrich Merz zwei der potenziellen Nachfolger die Bühne nutzen wollen.

Politischer Aschermittwoch: „Philosophiestunde in Ökosozialismus“? CSU beobachtet Grüne genau

Schon vor Monaten hatte Esken erklärt, am politischen Aschermittwoch die „notwendigen Botschaften“ ein Stück humorvoll rüberbringen zu wollen. „Ob ich so etwas kann, werden wir sehen. Spaß habe ich auf jeden Fall dran an solchen Formaten“, sagte sie. Solche Gedanken machen sich Söder und Habeck definitiv nicht, stehen ihre Parteien im Vergleich zu den Sozialdemokraten doch überaus stabil da. Doch auch für die Grünen im Langzeithoch und die CSU gilt: Keiner darf sich bei dem Rede-Fernduell einen Fehltritt erlauben.

Grüner mit Steingut: Robert Habeck beim politischen Aschermittwoch 2018.

Wie groß längst auch bei der CSU der Respekt vor den Grünen ist, zeigte sich schon im Vorfeld. Generalsekretär Markus Blume sagte jüngst, die CSU sei „gespannt“, was sie bei ihrer Veranstaltung in Passau von Habecks „Philosophiestunde in Ökosozialismus“ hören werde - die Grünen treffen sich in Landshut. Früher schielte die CSU an dem Tag lieber zur SPD, doch auch Söder hatte zuletzt immer wieder betont, er erwarte bei der nächsten Bundestagswahl das Duell Grün gegen Schwarz. Bayerns Ministerpräsident hat sich nach eigenen Angaben bereits am Rosenmontag (handschriftlich) bestens vorbereitet:

Politischer Aschermittwoch: FDP, Freie Wähler, AfD und Linke ebenfalls im Einsatz

Schwer tun, dem Tag etwas Lustiges abzugewinnen, könnte sich die FDP. Für die Liberalen reist Generalsekretärin Linda Teuteberg an. Die FDP hat nicht nur in Thüringen eine mehr als problematische Rolle gespielt, sondern auch in Hamburg eine bittere Wahlschlappe erlitten - und ist in den bayerischen Umfragen drastisch im Sinkflug, wie Merkur.de* berichtet.

Weitere Aschermittwochs-Schauplätze sind zudem Deggendorf, wo Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger auftritt und die Donau in Passau - dort spricht Linke-Ikone Gregor Gysi auf dem Schiff „MS Linz“. Die AfD trifft sich im niederbayerischen Osterhofen. Hauptredner ist der streitbare Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner. Aiwanger hatte sich zuletzt schon warmgelaufen und im Interview mit dem Münchner Merkur* die Bundesregierung kritisiert.

Aschermittwoch: Nach Hanau - Fingerspitzengefühl ist gefragt

So oder so wird von den prominenten Bierzeltrednern auch Fingerspitzengefühl gefragt sein. In den Reden dürften auch die Nachlese der Bürgerschaftswahl in Hamburg und die mutmaßlich rechtsextreme und rassistische Gewalttat von Hanau in der vergangenen Woche mit elf Toten eine Rolle spielen. Ein verglichen damit eher harmloses Thema dürfte die in Bayern anstehende Kommunalwahl am 15. März werden. Über alle wichtigen Aussagen halten wir Sie in diesem News-Ticker auf dem Laufenden.

Der politische Aschermittwoch feiert in diesem Jahr übrigens seinen 101. Jahrestag: 1919 hatte der bayerische Bauernbund anlässlich des Viehmarkts im niederbayerischen Vilshofen erstmals zu einer Kundgebung geladen - das Politspektakel war geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der politische Aschermittwoch von der Bayernpartei wiederbelebt, bevor die CSU und auch alle anderen Parteien folgten.

dpa/fn

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Rubriklistenbild: © dpa / Martin Schutt

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