Rebellen: Russland will Regierung ohne Assad

Istanbul - Das Regime von Syriens Präsident al-Assad muss um seinen wichtigsten Verbündeten bangen. Nach Einschätzung der Opposition ändert die russische Regierung ihre Haltung zum Konflikt.

Nachdem sie sich monatelang vehement gegen einen Regimewechsel in dem arabischen Land ausgesprochen hatte, soll sie jetzt erstmals direkt Kontakt zur Führung der syrischen Exil-Opposition aufgenommen haben, wie die Nachrichtenagentur dpa am Sonntag in Istanbul erfuhr.

Am Freitag hatte Moskau Äußerungen eines hohen russischen Regierungsvertreters zu einem möglichen Sieg der Rebellen dementiert. Vizeaußenminister Michail Bogdanow hatte laut Medienberichten gesagt, man müsse „den Fakten ins Auge schauen“, ein Sieg der syrischen Rebellen sei nicht auszuschließen. Dies war als erste Einschätzung dieser Art aus Russland gewertet worden, das bisher fest an der Seite von Machthaber Assad steht.

Aus syrischen Oppositionskreisen verlautete nun, ein russischer Diplomat habe den Vorsitzenden der Syrischen Nationalen Koalition, Muas al-Chatib, angerufen, um mit ihm einen Termin zu vereinbaren. Dabei wolle er über die Bildung einer Übergangsregierung ohne Assad sprechen, hieß es.

Moskau hatte erst vor wenigen Tagen die Anerkennung der Allianz durch mehrere westliche und arabische Staaten kritisiert. Im UN-Sicherheitsrat hatte Russland gemeinsam mit China mehrfach die Verabschiedung von Resolutionen verhindert, mit denen Assad unter Druck gesetzt worden wäre.

In Syrien setzten Regierungstruppen am Wochenende ihre Offensive gegen die Rebellen im Umland der Hauptstadt Damaskus fort. Wie Aktivisten und lokale Medien berichteten, nahm die Armee mehrere von Rebellen eroberte Gebiete unter Beschuss. Im Großraum Damaskus macht sich auch zunehmend die islamistische Al-Nusra-Front breit, die von der US-Regierung jüngst zur Terrororganisation erklärt wurde. Sie und andere oppositionelle Soldaten erhöhen schon seit Wochen den militärischen Druck auf Assad.

Rami Abdel Rahman von der in London ansässigen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass Militär und Milizen des Regimes mit den Operationen wohl auch den strategisch wichtigen Militärflughafen Messe sichern wollten. Dieser wird nach wie vor noch von Regierungsmitgliedern benutzt.

Die Billigfluglinie Flydubai teilte derweil mit, dass die Flüge nach Damaskus gestrichen worden seien. Zuvor hatte schon die staatliche ägyptische Fluggesellschaft Egypt Air ihr Büro in Damaskus geschlossen und den lokalen Reisebüros mitgeteilt, dass sie ab sofort nur noch den Flughafen von Aleppo anfliegen werde.

Die syrischen Menschenrechtsbeobachter meldeten weitere Kämpfe auch in Aleppo, Homs, Idlib, Hama und Daraa. Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade des Regimes von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen. Wie die Aktivisten berichteten, wurden allein am Samstag landesweit mindestens 170 Menschen getötet. Der Konflikt hat seit seinem Beginn im März 2011 insgesamt mehr als 40 000 Menschen das Leben gekostet.

dpa

Rubriklistenbild: © AP

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