Obama will Aufsicht über Öl-Industrie verschärfen

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US-Präsident Barack Obama will angesichts der Katastrophe im Golf von Mexiko die Ölindustrie schärfer kontollieren.

New Orleans/Washington - Angesichts der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko will US-Präsident Barack Obama die staatliche Kontrolle über die Ölindustrie deutlich verschärfen.

Es herrsche bisher ein viel zu “behagliches“ Verhältnis zwischen der Aufsichtsbehörde MMS und den Ölunternehmen, sagte Obama am Freitag in Washington. Er habe seinen Innenminister Ken Salazar angewiesen, das System “von oben bis unten“ zu reformieren - ungeachtet aller Widerstände durch die Ölindustrie.

Obama verwies auf Hinweise, dass die MMS Bohrgenehmigungen oft ohne ausreichende Sicherheitsprüfungen erteilt habe. “Das kann und wird nicht mehr passieren“. Die Behörde war in den vergangenen Tagen wegen ihrer Rolle in der Öl-Katastrophe massiv unter Druck geraten. Kritiker behaupten, sie habe die die Öl-Plattform “Deepwater Horizon“ genehmigt, ohne zu prüfen, ob die Sicherheitsvorkehrungen ausreichend seien. MMS habe sich dabei allein auf die Angaben des britischen Ölkonzerns BP verlassen, dem die Ölquelle gehört. Die Bohrinsel war vor mehr als drei Wochen nach einer Explosion gesunken. Seitdem sprudeln täglich mindestens 700 Tonnen Rohöl ins Meer.

Mehrere US-Medien berichteten am Freitag, die MMS habe in der Vergangenheit nicht nur unbedarft, sondern sogar auch illegal Genehmigungen erteilt. In hunderten Fällen habe sie es unterlassen, gesetzlich vorgeschriebene Umweltzulassungen einzuholen. Zudem habe sie ihre eigenen Biologen überstimmt, die vor Sicherheitsrisiken und Umweltgefahren von zu genehmigenden Bohrvorhaben warnten.

Obama kritisierte auch die Spitzenmanager der drei Unternehmen, die in den Ölunfall im Golf von Mexiko verstrickt sind, in ungewohnt scharfer Form. Sie führten bei der Suche nach den Ursachen und der Verantwortung für die Katastrophe ein “ein lächerliches Schauspiel“ auf.

Ungeachtet der politischen Diskussion hat im Golf von Mexiko hat am Freitag ein neuer dramatischer Versuch begonnen, die Ölpest in den Griff zu bekommen. Das Öl soll nun in 1500 Metern Tiefe direkt aus dem Hauptleck gesaugt werden. “Wir hoffen, dass es klappt. Es hat noch nie jemand versucht“, sagte BP-Manager Doug Suttles. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Rohrleitung zu einem Schiff an Wasseroberfläche in der Nacht zum Samstag (Ortszeit) installiert werden kann. Bei einem Erfolg könnten etwa 85 Prozent des austretenden Öls abgesaugt werden. Der Rest käme zumindest vorerst weiter aus einer zweiten undichten Stelle.

Gelingt es nicht, das Öl durch diese “Direktleitung“ aufzusaugen, will BP einen Stahlbeton-Zylinder auf das Rohr stülpen. Das in diesem Behälter aufgefangene Öl-Wasser-Gemisch würde dann ebenfalls auf ein Bohrschiff geleitet. Der etwa 1,50 Meter hohe Container steht schon auf dem Meeresboden. Den Ölaustritt einzudämmen, gäbe den Einsatzkräften Zeit, sich verstärkt darauf zu konzentrieren, den Ölteppich auf dem Wasser abzusaugen, mit Chemikalien zu zersetzen oder abzufackeln. Bislang war es gelungen, schwerere Teile des Teppichs von den Küsten der anliegenden US-Bundesstaaten fernzuhalten.

dpa

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