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Nordkoreas Kim Jong-un droht den USA mit Atomwaffen – und der Regierung des Südens mit „Auslöschung“

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Von: Sven Hauberg

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Nordkoreas Diktator Kim Jong-un.
Nordkoreas Diktator Kim Jong-un ließ am Mittwoch den „Sieg“ seines Landes im Koreakrieg feiern. © KCNA/AFP

Bedrohliches Säbelrasseln aus Pjöngjang: Nordkoreas Diktator Kim Jong-un wandte sich mit martialischen Worten an die USA und Südkorea – und ließ sich vom eigenen Volk feiern wie ein Popstar.

München/Pjöngjang – Die Bilder, die Nordkoreas staatliche Nachrichtenagentur am Donnerstag veröffentlichte, wirken wie Aufnahmen von einem Musikfestival. Man sieht eine große Bühne, über der Feuerwerk explodiert; Tänzerinnen und Sängerinnen treten auf, das Publikum jubelt frenetisch und tanzt sogar ein wenig. Gefeiert wird hier allerdings nicht irgendeine neue Band, sondern der „Sieg“ Nordkoreas über die USA vor 69 Jahren. Am 27. Juli 1953 endete der Koreakrieg mit einem Waffenstillstand. Einen Friedensvertrag gibt es allerdings bis heute nicht. Und so nutzte Kim Jong-un die Veranstaltung am Mittwoch denn auch vor allem für giftige Propaganda in Richtung Amerika.

„Unsere Streitkräfte sind gründlich darauf vorbereitet, auf jede Krise zu reagieren“, tönte Kim laut nordkoreanischen Staatsmedien in einer Rede. „Und auch die nukleare Kriegsabschreckung unserer Nation ist voll und ganz bereit, ihre absolute Stärke treu, präzise und unverzüglich für ihre Mission zu mobilisieren.“ Es sei die „dringende historische Aufgabe“ Nordkoreas, angesichts einer Bedrohung durch die USA die Selbstverteidigungskräfte des Landes zu stärken, so Kim weiter.

Das Bild der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zeigt die Feierlichkeiten zum „Sieg“ im Koreakrieg.
Das Bild der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zeigt die Feierlichkeiten zum „Sieg“ im Koreakrieg. © KCNA/AFP

Nordkorea: Kim Jong-un wirft den USA „schurkenhaftes“ Verhalten vor

Den USA warf der Diktator „gefährliche, illegale und feindliche Akte“ gegen Nordkorea vor; zudem würde Washington sein Land „dämonisieren“: „Die Doppelmoral der USA, die alle unsere täglichen Aktionen irreführend als Provokationen und Drohungen bezeichnen – während sie gleichzeitig groß angelegte gemeinsame Übungen abhalten, die unsere nationale Sicherheit ernsthaft bedrohen – ist ein buchstäblich schurkenhaftes Verhalten, das die Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA in einen Konflikt und an einen Punkt treibt, der unumkehrbar ist“, so Kim.

Die US-Regierung in Washington erklärte unlängst, man gehe davon aus, dass Nordkorea die Vorbereitungen für einen ersten Atomwaffentest seit fünf Jahren abgeschlossen habe. Am Dienstag bezeichnete es ein Vertreter der südkoreanischen Regierung als „möglich“, dass der Test schon in diesen Tagen stattfinden könne. In diesem Jahr hatte das Regime in Pjöngjang bereits mehrfach atomwaffenfähige Raketen getestet – ein klarer Verstoß gegen bestehende UN-Resolutionen. Auch neuartige Hyperschallwaffen wurden umfangreichen Tests unterzogen. Hyperschallraketen sind deutlich schneller als herkömmliche Langstreckenraketen und können nur schwer abgefangen werden.

Nordkorea droht der Regierung des Südens mit „Auslöschung“

In seiner Rede vom Mittwoch drohte Kim zudem der Regierung des neuen südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk-yeol mit der Auslöschung. Sollten Yoon und dessen „Militärgangster“ einen „gefährlichen Versuch“ wie etwa einen Präventivschlag gegen den Norden wagen, würden sie „ausgelöscht“ werden, sagte Kim. Laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap war es das erste Mal, dass Kim offiziell auf die Nordkorea-Politik der Regierung von Yoon Suk-yeol reagierte, der im Mai den Liberalen Moon Jae-in abgelöst hatte. Der Konservative Yoon hatte bereits im Wahlkampf eine härtere Gangart gegenüber Pjöngjang angekündigt.

In Seoul sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, Kims Aussagen seien „nichts Neues in einer Situation, in der Nordkorea seine Drohungen mit Atomwaffen und Raketen weiter verschärft“. Das Büro von Präsident Yoon hingegen bezeichnete Kims Rede als „bedrohlich“. Man setze weiterhin auf Dialog, um eine nukleare Abrüstung des Nordens zu erreichen. Gleichzeit sei man aber in der Lage, „stark und effektiv“ auf Provokationen des Nordens zu reagieren.

Die USA und andere Staaten haben Nordkorea aufgrund seines Atomwaffenprogramms mit harten Sanktionen belegt, die die Wirtschaft des verarmten Landes stark geschädigt haben. Hinzu kommt, dass sich Nordkorea seit Beginn der Corona-Pandemie fast vollständig vom Ausland abgeschottet hat. Die Grenze zu China wurde Anfang 2020 geschlossen, der Handel brach ein. Nachdem Pjöngjang zunächst rund zwei Jahre keinen einzigen Corona-Fall gemeldet hatte, wurden seit Ende April offiziellen Angaben zufolge mehr als 4,7 Millionen Fälle von „Fieber“ gemeldet. Mehr als 99,9 Prozent der Infizierten sollen bereits genesen sein, obwohl Nordkorea weder über Impfstoffe gegen das Coronavirus, noch über ein leistungsfähiges Gesundheitssystem verfügt. Experten halten die Angaben deshalb für stark geschönt. (sh)

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