Nordkorea treibt Urananreicherung voran

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Nordkoreas Diktator Kim Jong Il

Seoul - Nordkorea will sein international kritisiertes Atomprogramm stärker vorantreiben. Staatliche Medien nannten erstmals Details einer kürzlich enthüllten Anlage zur Urananreicherung.

“Tausende von Zentrifugen“ sollen in der Fabrik bereits laufen, um Brennstoff für geplante Leichtwasserreaktoren herzustellen.

Die USA befürchten jedoch, dass die Urananreicherung dem Bau von Atomwaffen dienen soll. Nach dem nordkoreanischen Granatbeschuss einer südkoreanischen Insel warb China unterdessen weiter um Unterstützung für seinen Vermittlungsversuch. Veröffentlichte US- Dokumente lassen indes darauf schließen, dass China über Nordkorea wegen dessen ständiger Provokationen verärgert ist.

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Nach der Verschärfung der Spannungen könnte Nordkorea nach Ansicht von Beobachtern Stärke demonstrieren wollen. Der Bericht über angebliche Fortschritte beim Atomprogramm kam eine Woche nach dem Artillerieangriff des Landes auf eine bewohnte südkoreanische Insel im Gelben Meer. Derweil setzten die US-Streitkräfte ihr Großmanöver mit Südkorea im Gelben Meer fort. Nordkorea warnte über seine Medien erneut, dass das Manöver zu einem Krieg führen könnte. Die Übungen, mit dem beide Länder ein Signal der Abschreckung an Nordkorea senden wollen, sollen an diesem Mittwoch enden.

Die Bauarbeiten an einem neuen Kernreaktor würden derzeit aktiv fortgesetzt, hieß es in einem Bericht der nordkoreanischen Zeitung “Rodong Sinmun“. Die Urananlage und der Reaktor dienten der Energieerzeugung. “Um den Energiebedarf zu decken, wird das Atomenergie-Entwicklungsprojekt zu friedlichen Zwecken stärker vorangetrieben.“

Die Existenz der neuen Urananlage war erst in diesem Monat durch den US-Atomwissenschaftler Siegfried Hecker öffentlich bekanntgeworden, der Nordkorea besucht hatte. Laut Hecker will Nordkorea zudem zunächst nur einen kleinen Versuchsreaktor bauen. Die USA und Südkorea hatten ihre große Besorgnis wegen der Uranfabrik geäußert. Uran kann je nach Grad der Anreicherung zivil oder militärisch genutzt werden.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle begrüßte die Bemühungen Pekings um eine Vermittlung auf der koreanischen Halbinsel. In einem Telefonat mit seinem Amtskollegen Yang Jiechi appellierte er an China, den Einfluss auf Nordkorea weiter zu nutzen, um eine Eskalation zu vermeiden, wie das Auswärtige Amt mitteilte.

Bei dem Beschuss der Insel Yonpyong am Dienstag der vergangenen Woche durch nordkoreanische Artillerie wurden vier Südkoreaner getötet. Der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak hatte dem Regime in Pjöngjang am Montag unmenschliches Verhalten vorgeworfen und es in scharfem Ton vor weiteren Provokationen gewarnt.

Der chinesische Vorschlag für ein multilaterales Treffen unter Beteiligung der beiden koreanischen Staaten, der USA, Chinas, Japans und Russlands sei als “Ausgangspunkt“ für eine Verringerung der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel gedacht, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. China hoffe auf eine positive Antwort der anderen. Nach dem Vorschlag sollen sich die jeweiligen Unterhändler für die sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm zu den Entspannungsgesprächen in Peking treffen. Südkorea, die USA und Japan hatten zurückhaltend bis ablehnend reagiert.

Erste Gespräche wird Chinas Regierung mit dem Vorsitzenden der obersten Volksversammlung Nordkoreas, Choe Tae Bok, führen. Der enge Vertraute von Militärführer Kim Jong Il traf am Dienstag zu einem Besuch in China ein.

Veröffentlichte Dokumente amerikanischer Diplomaten lassen indes darauf schließen, dass China über Nordkorea wegen dessen ständiger Provokationen verärgert ist. Die von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichten Depeschen verdeutlichen die Ungeduld Chinas. Die Dokumente demonstrieren außerdem das Unwissen der USA über die wirklichen Vorgänge in dem isolierten Staat.

In einer Depesche nach Nordkoreas Raketentest im April 2009 wird Chinas Vizeaußenminister He Yafei zitiert, Nordkorea wolle direkte Gespräche mit den USA und benehme sich “wie ein “verzogenes Kind“, um die Aufmerksamkeit des “Erwachsenen“ zu bekommen“. Andere Dokumente mit Hinweis auf hohe südkoreanische Quellen erwecken den Eindruck, China wolle seinen Verbündeten aufgeben und wäre bereit, ein wiedervereinigtes Korea unter Südkoreas Kontrolle zu akzeptieren.

dpa

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