Eskalation mit Nordkorea:

Ostasien und USA bewaffnen sich

Seoul/Peking/Tokio - Aus Angst vor den Kriegsdrohungen des nordkoreanischen Führers Kim Jong Un bringen die Nachbarn in Ostasien und die Supermacht USA ihre Streitkräfte in Stellung. Alle hoffen, dass Kim nur blufft.

Mit massiver Militärpräsenz, Raketenabwehrsystemen und Zivilschutzmaßnahmen bereiten sich Nordkoreas Nachbarn auf einen möglichen Konflikt vor. Auch die atomare Abschreckung durch die USA und ihre Truppen in Südkorea und Japan sollen das unberechenbare Nordkorea von einem militärischen Abenteuer abhalten. Die großen Nachbarn China und Russland treffen ebenfalls militärische Vorbereitungen. Es werden Flüchtlingsströme aus Nordkorea oder gar eine mögliche atomare Katastrophe befürchtet.

Südkorea: Mit rund 686 000 Mann ist Südkoreas Armee dem Norden zwar zahlenmäßig unterlegen, doch ihre Ausrüstung ist weit moderner. Die Streitkräfte unternehmen seit Monaten allein oder mit US-Truppen fast pausenlos Übungen zu Lande, Wasser und in der Luft. Die jährlichen Feldübungen „Foal Eagle“ mit den USA dauern noch bis Ende April. Es wird die Abwehr von U-Booten, Raketen oder Spezialtruppen geübt.

Im Kriegsfall hat die Schutzmacht USA sogar den Oberbefehl über die gemeinsamen Streitkräfte. Ein Abkommen sieht vor, dass US-Truppen in Südkorea und von außerhalb bereits bei den geringsten militärischen Provokationen Nordkoreas eingreifen würden. Zudem stellen die USA den Bündnispartner unter ihren „atomaren Schutzschild“.

USA: 28 500 amerikanische Soldaten sind in Südkorea stationiert. Es gibt zehn Militärstützpunkte. Die USA entsenden Raketenabwehrsysteme auf ihren Stützpunkt auf der Insel Guam. Auch wurden zwei mit Raketen bestückte Zerstörer in den West-Pazifik geschickt. Für Radar schwer auszumachende Tarnkappenflugzeuge fliegen über der Region.

Im Falle eines Angriffs dürften die USA von ihren Stützpunkten in Südkorea, Japan und im Pazifik zurückschlagen, wie Experten sagen. Der langjährige General James Marks hält einen Angriff Nordkoreas allerdings für unwahrscheinlich. „Das Risiko ist viel zu hoch, und Nordkorea weiß das“, sagte Marks dem US-Sender CNN.

Japan: Japans Verteidigung basiert auf Raketenabwehr, Zivilschutz und der atomaren Abschreckung durch den Sicherheitspartner USA. Die Raketenabwehr ist auf See auf vier Aegis-Zerstörern und am Boden mit Patriot PAC-3-Systemen im Großraum Tokio, in Zentraljapan und im Norden der Hauptinsel Kyushu stationiert.

Japans Streitkräfte sind 300 000 Mann stark. Hinzu kommen rund 53 000 amerikanische Soldaten. Anders als in Südkorea haben beide Länder keine gemeinsame Kommandostruktur, kooperieren aber eng. Sollte es zu Raketenangriffen auf japanische Atomkraftwerke kommen, gibt es streng geheime Verteidigungspläne, wie ein Militärexperte der dpa sagte.

China: Nach offiziell unbestätigten Berichten hat China zusätzlich Truppen, Panzer und gepanzerte Fahrzeuge in die Grenzregion verlegt und Patrouillen verstärkt. Die Streitkräfte sind offenbar in erhöhter Einsatzbereitschaft. Das Verteidigungsministerium will nichts bestätigten, nennt die Lage aber „extrem kompliziert und heikel“.

Peking befürchtet im Kriegsfall Flüchtlingsströme über die 1400 Kilometer lange gemeinsame Grenze mit Nordkorea. Generäle wälzen nach dpa-Informationen auch Pläne, wonach chinesische Streitkräfte versuchen könnten, nordkoreanische Atomanlagen unter ihre Kontrolle zu bringen, um Schlimmeres zu verhüten.

Russland: Im Grenzgebiet zu Nordkorea hat die russische Armee moderne Raketenabwehrsysteme in Stellung gebracht. Der Fernöstliche Militärbezirk von Chabarowsk ist Standort der 11. Luftarmee mit taktischen Bombern sowie Kampfhubschraubern und MiG-Düsenjets. Im Hafen von Wladiwostok liegen Schiffe der Pazifikflotte vor Anker, darunter auch Atom-U-Boote mit ballistischen Raketen und Zerstörer.

Ein anderer Teil der Pazifikflotte ist in einem Hafen der Halbinsel Kamtschatka in Bereitschaft. „Für jede Maßnahme wird es Gegenmaßnahmen geben“, sagte Vize-Verteidigungsminister Oleg Ostapenko mit Blick auf Nordkorea. „Wir sind Soldaten und auf alles gefasst. Falls jemand Schritte gegen unser Land unternimmt, werden wir nicht tatenlos zusehen.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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