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Nord Stream 1: Wo steckt die begehrte Gasturbine?

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Von: Moritz Serif

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Die Gasturbine von Nord Stream 1 ist zu einem wahren Politikum verkommen.
Die Gasturbine von Nord Stream 1 ist zu einem wahren Politikum verkommen. © picture alliance/dpa/Siemens AG

Russland behauptet, dass es die Gasturbine nicht annehmen könne. Immer mehr zeichnet sich ab, dass bei Nord Stream 1 gar kein technisches Problem vorliegt.

Wyborg - Wo steckt sie? Die begehrteste Turbine Deutschlands? Möglicherweise ist das Gerät in Köln. Dort wurde sie jedenfalls zu Beginn vergangener Woche gesichtet. Es könnte allerdings noch Wochen dauern, bis die Gasturbine nach Russland zu Nord Stream 1 geliefert wird – wenn überhaupt. Darüber hatte unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet.

Unklar ist nach aktuellem Stand, ob Gazprom das überhaupt möchte. Witali Markelow, Vizechef des Unternehmens, erklärte, dass Russland die reparierte Turbine nur annehmen könne, wenn die EU und Großbritannien garantieren, dass sie keine weiteren Sanktionen verhängen.

Turbine für Nord Stream 1: Gazprom beschuldigt Siemens

„Wenn die Turbine von der Reparatur kommt, dann erlaubt das eine Zunahme der Umfänge“, behauptete Kreml-Sprecher Dmitri Peskow kürzlich. Außerdem habe man Siemens mehrmals gebeten, das Gerät zu reparieren. Das berichtet der Stern. Joe Kaeser, Aufsichtsrat bei Gazprom, widersprach energisch. „Es ist sehr bequem, ein Unternehmen mit reinzuziehen, das in Russland bekannt ist. Selbst wenn es so wäre, würde das niemals rechtfertigen, den Gasfluss so stark zu drosseln“, sagte er.

„Sie lügen einem ins Gesicht“, erklärte Wirtschaftsminister Robert Habeck gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Laut Gazprom gebe es Probleme bei drei Turbinen, einige waren angeblich bereits mehrmals ausgefallen. Aktuell sei nur eine von sechs Geräten im Einsatz.

Nord Stream 1: „Was hier geschieht, deutet auf ein politisches Spiel des Kreml hin“

Auch hatte Russland den Gaszufluss trotz regelmäßiger Wartungen nicht gedrosselt – beziehungsweise er war nicht gestört. „Was hier geschieht, deutet auf ein politisches Spiel des Kreml hin: Die Daumenschrauben werden immer enger angezogen, um die Preise und den Druck auf die hiesige Politik hochzuhalten“, sagte Energieexperte Georg Zachmann.

Die Gasturbine, die sich möglicherweise noch in Köln befindet, ist also nicht einmal technisch notwendig. Es gebe auch noch eine andere Pipeline, die über die Ukraine verlaufe und noch freie Kapazitäten habe, berichtet der Stern. Über die Ausfuhr von Kanada hatte es zuvor Diskussionen gegeben. Die Ukraine zeigte sich verärgert darüber, dass Sanktionen gegen Russland von Deutschland nicht eingehalten würden. (mse)

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