Parteitag am Samstag

Norbert Röttgen: Deshalb ist er beim Kampf um den CDU-Vorsitz mehr als nur Außenseiter

Norbert Röttgen will den Vorsitz der CDU übernehmen. Beim Parteitag tritt er bei der Wahl gegen Armin Laschet und Friedrich Merz an. Er ist mehr als ein Außenseiter.

Hamm - Den Tiefpunkt seiner politischen Karriere erlebte Norbert Röttgen im Mai 2012: Nach der desaströsen Wahlniederlage als Spitzenkandidat in NRW „feuerte“ Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Umweltminister. Fast neun Jahre später ist Röttgen wieder da. Gestartet nur als Außenseiter, könnte er tatsächlich Vorsitzender der CDU werden. Wegen Corona findet der Parteitag digital statt.

PolitikerNorbert Röttgen
Geboren2. Juli 1965 in Meckenheim
ParteiCDU
AmtMitglied des Bundestags seit 1994

Norbert Röttgen: Kandidat will beim Parteitag in zweiten Wahlgang

Die Woche begann für Röttgen „super“. Auf Twitter verkündete der 55-Jährige das Abstimmungsergebnis der Jungen Union Köln. Demnach votierte der Parteinachwuchs am Rhein mit klarer Mehrheit für Röttgen als Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer. 145 Stimmen für Röttgen, 50 für Friedrich Merz und nur 30 für NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Nun ist die JU Köln nicht der Nabel der christdemokratischen Welt, doch für Röttgens Selbstbewusstsein reicht es allemal. „Ich sehe mich nicht als Außenseiter“, twitterte der Kandidat. Das Rennen um den CDU-Vorsitz sei offen und werde aller Voraussicht nach am Samstag im zweiten Wahlgang entschieden. Laut Umfrage der ARD ist Friedrich Merz der Favorit der meisten CDU-Anhänger.

Der gebürtige Meckenheimer geht natürlich davon aus, dass er auf dem digitalen CDU-Parteitag am 16. Januar (Samstag ab 9.30 Uhr hier im News-Ticker) beim zweiten Wahlgang noch dabei sein wird. In den meisten Umfragen, so Röttgen, liege er vor Armin Laschet. Ausgerechnet Laschet: Dass Röttgen den Parteifreund aus Aachen schlagen kann, hat er bereits bewiesen. Im Oktober 2010 führte die NRW-CDU eine Mitgliederbefragung durch, ob Röttgen oder Laschet neuer Landeschef werden sollte. Am Ende lag Röttgen mit fast 55 Prozent vorne. Bei seiner formellen Wahl auf einem Parteitag erhielt er später 92,5 Prozent. Röttgen wurde kurze Zeit später – wie Laschet heute – auch stellvertretender Bundesvorsitzender. Laschet gilt als Favorit auf den Vorsitz auf dem Parteitag der CDU.

Norbert Röttgen: Absturz in der CDU nach Niederlage 2012

Doch der damalige Bundesumweltminister erlebte bald einen rasanten Absturz. Weil er sich als Spitzenkandidat im Landtagswahlkampf 2012 nicht auf eine persönliche Zukunft in Düsseldorf festlegen wollte und zudem schwache Momente als Wahlkämpfer ablieferte, stand am Ende für die CDU das historisch schlechteste Ergebnis in NRW – und für Röttgen der Rausschmiss aus Merkels Kabinett in Berlin. Dabei galt der Rheinländer in den Medien als Musterknabe Merkels, als „Muttis Klügster“.

Das alles ist Schnee von gestern. Zumindest für Röttgen. Der 55-Jährige versucht sogar den Makel der Niederlage als etwas Positives zu verkaufen. Motto: Wer nach ganz oben will, muss erst ganz unten gewesen sein. Doch nicht alle in der NRW-CDU sehen das so. Das Meinungsbild des Kölner Parteinachwuchses ist da nicht wirklich repräsentativ. Tatsächlich haben viele Delegierte des Parteitages Röttgens Pleite an Rhein und Ruhr bis heute nicht vergessen und halten ihn für die erste Reihe für untauglich. Röttgen schaltete zuletzt in den Angriffsmodus und kritisierte Gesundheitsminister Jens Spahn, der unter Armin Laschet Vize-Vorsitzender der CDU werden würde. Friedrich Merz wiederum stärkte zuletzt sein Image als wirtschaftsnaher Politiker, indem er ein Ende des Corona-Lockdowns für kleine Unternehmen forderte. Merz gilt als stärkster Redner der drei Kandidaten, hat durch den digitalen Parteitag daher einen Nachteil.

Norbert Röttgen: Sticheleien von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet

Konkurrent Laschet nutzt jedenfalls jede Gelegenheit für den Hinweis, dass ein möglicher Kanzlerkandidat der Union schon einmal eine (Landtags)Wahl gewonnen haben sollte. Laschet hat das 2017, Röttgen 2012 nicht. Im kleinen Kreis zeigt sich der NRW-Ministerpräsident bisweilen sogar amüsiert über Röttgen – beispielsweise über dessen „ultimative Weihnachtsplaylist“. Während Laschet in der Corona-Krise real um Leben kämpft, versorgt Röttgen die Menschen online mit „Stille Nacht“ von Helene Fischer.

Dennoch ist Röttgen an diesem Samstag mehr als nur ein Außenseiter oder bloßer Zählkandidat. Der 55-Jährige war seit der Ankündigung seiner Kandidatur im Februar vergangenen Jahres (übrigens noch vor Laschet und Merz) fleißig und hat viele Parteimitglieder angesprochen und Kreisverbände besucht. Wegen Corona fanden diverse Treffen nur digital statt. Für Röttgen kein Problem, im Gegenteil: Auf dem Bildschirm kommt der Jurist stets smart und telegen rüber. Nicht nur wegen der Frisur fühlen sich manche an Altkanzler Helmut Schmidt erinnert. Als Experte für Außenpolitik konnte sich der Bundestagsabgeordnete nicht zuletzt dank der Wahl in den USA und den jüngsten Ereignissen rund um Donald Trump profilieren.

Röttgens Comeback könnte gelingen – durch jene, denen der selbstbewusste Friedrich Merz zu konservativ und Armin Laschet, der eigentlich als Favorit für den CDU-Vorsitz gilt, zu liberal ist.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/dpa Pool | Christoph Soeder

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