Nato-Chef: Kein schneller Abzug aus Afghanistan

Brüssel - Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat Hoffnungen auf einen baldigen Abzug der rund 130.000 Soldaten aus Afghanistan gedämpft. Unterdessen hat die letzte Phase des internationalen Afghanistan-Einsatzes begonnen.

“Ich verstehe, dass beim Beginn des Übergangs (der Sicherheitsverantwortung an Afghanistan) die Politiker unter Druck stehen, ihre Soldaten dauerhaft heimzubringen“, heißt es am Dienstag in einer Erklärung Rasmussens in Brüssel. Es sei jedoch jetzt entscheidend, “Solidarität und Kontinuität“ zu gewährleisten, damit die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen dauerhaft funktionieren könne.

Das sind die Taliban

Das sind die Taliban

Unterdessen hat Afghanistans Präsident Hamid Karsai hat die ersten sieben Regionen benannt, in denen afghanische Sicherheitskräfte ab Juli dieses Jahres das Kommando von den internationalen Truppen übernehmen sollen. Darunter ist die nordafghanische Stadt Masar-i-Scharif, in der die Bundeswehr das regionale Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe Isaf führt, wie Karsai am Dienstag bei einer Ansprache vor Soldaten und Offizieren in Kabul mitteilte. Daneben werden Laschkarga, die Hauptstadt der südlichen Unruheprovinz Helmand, die westafghanische Provinzhauptstadt Herat und die Stadt Metharlam in der Provinz Laghman einbezogen. Auch aus den als relativ ruhig geltenden Provinzen Bamian und Pandschir in Zentral- und Ostafghanistan will sich die Nato zurückziehen.

Mit Ausnahme des besonders gefährlichen Bezirkes Surobi ist zudem die Provinz Kabul betroffen. In der Hauptstadt selbst hatten afghanische Armee und Polizei bereits Ende 2008 inoffiziell die Verantwortung für die Sicherheit von der Nato übernommen. Die reibungslose Übergabe hänge auch von der internationalen Gemeinschaft ab, sagte Karsai. Diese müsse das Land weiter beim Wiederaufbau und der Schaffung funktionierender Verwaltungsstrukturen unterstützen. Allerdings sei der nun eingeleitete Prozess “nicht mehr umkehrbar“, so Karsai. “Die Afghanen sollten die Verantwortung für die Verteidigung des Landes unter allen Umständen selbst übernehmen.“

Die Nato hatte Ende 2010 beschlossen, den Kampfeinsatz am Hindukusch bis 2014 zu beenden und die Sicherheitsverantwortung für das Land bis dahin schrittweise an die Afghanen zu übergeben. Ausländische Soldaten sollen danach nur noch zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Truppen im Land bleiben.

dpa

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