Partei will Konsequenzen ziehen

CDU: Was ist los in den Großstädten?

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Sebastian Turner (l), der unterlgene, von der CDU unterstützte Kandiadat der Wahl zum Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart (Baden-Württemberg)

Berlin - Kann die CDU in Großstädten nicht mehr gewinnen? In Stuttgart wurde der Unions-Kandidat von einem Grünen überflügelt.

Nach der Schlappe bei der Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl hadert die CDU mit ihrer Schwäche in Großstädten. Baden-Württembergs CDU-Landeschef Thomas Strobl sagte am Sonntagabend, die CDU tue sich in Metropolen generell schwer: „Das haben dieses Jahr bereits Beispiele wie die Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt am Main gezeigt.“ Knapp ein Jahr vor der Bundestagswahl sei es nun Aufgabe der gesamten CDU, „auch diesen Umstand zu analysieren und daraus Schlüsse zu ziehen“, forderte Strobl.

Auch der Stuttgarter Kreischef und Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann mahnte, die Bundes-CDU müsse dringend ein Großstadtkonzept entwickeln. Die Stuttgarter Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann sagte der dpa, die CDU müsse über Antworten auf die drängendsten Fragen der urbanen Wähler nachdenken. Diesen würden die Themen Kinderbetreuung, Ganztagsschule, Probleme von Alleinerziehenden und die städtebauliche Entwicklung unter den Nägeln brennen.

Sie waren die Chefs der CDU

Sie waren die Chefs der CDU

Der von der CDU nominierte, parteilose Werbeunternehmer Sebastian Turner hatte bei der OB-Wahl am Sonntag klar gegen den Grünen-Politiker Fritz Kuhn verloren. Kuhn kam auf 52,9 Prozent, Turner nur auf 45,3 Prozent.

Die CDU hat nach Meinung von Politikwissenschaftlern in Großstädten ein grundsätzliches Problem. „Dort trifft sie den urbanen Lebensstil weiter Teile der Stadtbevölkerung nicht mehr“, sagte der Kommunikationsprofessor Frank Brettschneider von der Universität Stuttgart-Hohenheim der dpa.

Im Südwesten stehe die Union vor einer langen Durststrecke, ergänzte der Stuttgarter Politikwissenschaftler Oscar Gabriel. Die CDU komme nicht aus dem Schatten von Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus heraus. Dagegen sei es den Grünen um Regierungschef Winfried Kretschmann gelungen, die Vorbehalte konservativer Wähler zu zerstreuen. „Da wird es für die CDU langfristig sehr schwer werden, wieder eine Alternative aufzubauen“, sagte Gabriel der dpa.

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In der Stuttgarter CDU ist zudem ein Streit über den Umgang mit dem erneuten Rückschlag für die Partei ausgebrochen. Kreischef Kaufmann sah in dem Resultat von Turner einen Fortschritt gegenüber der verlorenen Landtagswahl 2011. Kaufmann sagte sogar mit Blick auf CDU-Chefin Angela Merkel: „Ich denke, dass die Bundeskanzlerin nicht unzufrieden sein wird mit diesem Ergebnis.“

Eisenmann warnte prompt davor, Turners Ergebnis schönzureden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kanzlerin mit diesem Ergebnis zufrieden ist.“

Nach seinem klaren Sieg will der künftige Oberbürgermeister Kuhn das Ergebnis an diesem Montag vor der Presse analysieren. Die Grünen können nach Meinung ihres Bundesvorsitzenden Cem Özdemir aus Kuhns Wahlkampf lernen. Nun müssten die Grünen diesen Schwung für die kommende Bundestagswahl mitnehmen und den Erfolg ihres Parteifreundes genau analysieren. „Für uns heißt es, dass man schauen muss, warum die Grünen im Südwesten so stark sind, obwohl wir im Bund ja gerade eine schwierige Phase durchmachen durch die Zuspitzung Steinbrück versus Merkel“, betonte Özdemir.

Als einen der Gründe für die Dominanz der Grünen in Baden-Württemberg nannte der Parteichef die breite thematische Aufstellung der Partei. Grüne im Südwesten würden als links, liberal im Sinne von bürgerrechtlich und gleichzeitig wertkonservativ wahrgenommen. „Das ist hier kein Widerspruch.“ In Berlin werde das zu seinem Bedauern manchmal anders gesehen.

dpa

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