Merkels Afrika-Reise: Drei Länder in drei Tagen

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Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen "Jomo Kenyatta" in Nairobi in Kenia

Nairobi - Millionen von Menschen hungern in Afrika, das Land wird von einer schweren Dürre gebeutelt. Bei ihrem Besuch in Nairobi bringt Bundeskanzlerin Angela Merkel zwar Geld mit. Doch ihr Augenmerk liegt auf den wirtschaftlichen Beziehungen.

Zum Auftakt ihrer dreitägigen Afrika-Reise besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel am heutigen Dienstag Kenia. In der Hauptstadt Nairobi kommt sie am Vormittag mit Staatspräsident Mwai Kibaki zusammen. Nach Angaben des mitreisenden Staatssekretärs im Entwicklungshilfeministerium, Hans-Jürgen Beerfeltz, wird Deutschland Kenia “erhebliche“ Finanzhilfe für das größte Flüchtlingscamp der Welt vor der Grenze zu Somalia geben. Den genauen Betrag wird die Kanzlerin am Vormittag mitteilen.

Schlimmste humanitäre Katastrophe der Welt

Am Horn von Afrika herrscht derzeit die schwerste Dürre der vergangenen 60 Jahre. Besonders betroffen ist Somalia. Aber auch Teile Äthiopiens und Kenias leiden unter der Trockenheit. Die Situation ist nach Einschätzung des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR), das für das Flüchtlingscamp in Kenia (Dadaab) zuständig ist, die schlimmste humanitäre Katastrophe der Welt. Noch nie habe er in einem Flüchtlingslager so verzweifelte Menschen gesehen wie in Dadaab, hatte der Chef der Behörde, Antonio Guterres, am Montag gesagt und die Internationale Gemeinschaft zu Spenden aufgerufen. Insgesamt sind zehn Millionen Menschen, darunter zwei Millionen Kinder, von der Hungersnot bedroht. Dadaab war einst für 90.000 Menschen gebaut worden. Inzwischen hat es rund 380.000 Flüchtlinge. Jede Woche strömen weitere 10.000 Menschen dorthin.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), die Merkel auf ihre Reise nach Kenia, Angola und Nigeria begleitet, sagte, 30 Prozent der mehr als einer Milliarde Menschen in Afrika litten unter Hunger. In vielen Ländern lägen riesige landwirtschaftliche Flächen brach. Andererseits gebe es dramatische Ernteverluste, weil es oftmals keine Kühlung und keinen Transport für die Nahrungsmittel gebe. Kenia habe gute Ernten gehabt, aber nichts zurückgelegt - “nicht einmal Saatgut“. Deutschland wolle Technik und Wissen liefern.

"Großes wirtschaftliches Potenzial"

Der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Jochen Homann, sagte, alle drei Länder, die Merkel besuche, hätten ein großes wirtschaftliches Potenzial. Die Regierungen nutzten es aber nicht aus. Beerfeltz sagte, alle drei Nationen hätten Probleme mit der Regierungsführung. Deutschland wolle Druck ausüben, dass etwa Gewinne aus der Ölproduktion in Angola und Nigeria viel stärker ihrer eigenen Bevölkerung zugutekommen.

Merkel trifft in Nairobi auch Kenias Premierminister Raila Odinga. Am Nachmittag will sie an der Universität der Stadt eine Rede halten, ein internationales Agrarforschungsinstitut und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen besuchen. Am Abend fliegt sie nach Angola weiter. Die Kanzlerin will die Wirtschaftsbeziehungen zwischen diesen afrikanischen Staaten und Deutschland voranbringen und den Regierungen Hilfe beim Aufbau stabiler Strukturen anbieten.

Deutsche Wirtschaft erhofft sich Zugang zu Rohstoffen

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet von der Afrika-Reise der Bundeskanzlerin die strikte Durchsetzung deutscher Rohstoff-Interessen. “Die deutsche Wirtschaft erhofft sich von der Kanzlerin Engagement für einen weiterhin freien Zugang zu Afrikas Rohstoffen“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der “Passauer Neuen Presse“ (Dienstagausgabe). Die verarbeitende Industrie sei nicht nur auf Öl und Gas angewiesen, sondern auch auf die sogenannten seltenen Erden. “Dabei schaden Exklusiv-Verträge afrikanischer Regierungen zugunsten chinesischer Partner nicht nur der deutschen Wirtschaft“, sagte Wansleben.

Die Afrikareise der Bundeskanzlerin erfolge “zu einem denkbar günstigen Zeitpunkt“. Die Wettbewerbssituation auf unserem Nachbarkontinent gewinne rapide an Fahrt, sagte Wansleben. Nicht nur die Asiaten, sondern auch Russland, Brasilien und Australien würden auf den afrikanischen Markt drängen.

dpa/dapd

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