Brexit-Talk im ZDF

Maybrit Illner: Talk-Gast schlägt verrückte Brexit-Lösung vor und sorgt für Lacher

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Maybrit Illner: Der ZDF-Talk vom Donnerstag.

Maybrit Illner spricht mit Gästen über die Hängepartie um den Brexit Großbritanniens. Zu Wort kommt auch Labour-Politiker Ben Bradshaw, der es mit den Fakten allerdings nicht ganz so genau nimmt.

Berlin/London - Schon zum Auftakt ihrer Sendung zieht ZDF-Moderatorin Maybrit Illner einen wenig schmeichelhaften Vergleich über das Tauziehen um den Austritt der Briten von der Europäischen Gemeinschaft: "Ganz Großbritannien wirkt derzeit wie ein kranker alter Mann: etwas verwirrt und ziemlich stur": Gänzlich übertrieben ist dieses Urteil freilich nicht, schließlich versetzt das Drama um den geplanten Brexit Großbritanniens schon seit geraumer Zeit die kontinentale Politik in Aufruhr. Noch mehr als bei den Bündnispartnern sorgt die Hängepartie jedoch im Inselstaat selbst für Verzweiflung, sucht man doch händeringend nach einer Lösung in der selbst verursachten Zwickmühle.

Im Zentrum der Sendung stand somit nicht nur die Frage, wie das Dilemma der Briten am besten zu lösen sei, sondern auch, wieviel Schadenfreude aus Richtung der europäischen Festländer überhaupt angebracht ist. Denn in einem Punkt waren sich die Diskussionspartner einig: Die Beziehungen zu England werden weiter intensiv sein, auch wenn man nicht mehr gemeinsam in der Europäischen Union ist.

Wirtschaftsexperte malt bei Maybrit Illner düsteres Brexit-Szenario

Klar, dass die politische Situation in der Talkrunde mitunter auch auf zynische Weise exerziert wurde. Beispiel gefällig? Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, wurde angesichts seines Hobbys Bungee Jumping gefragt, ob die Engländer denn einfach den "Kick“ lieben, weil sie sich in nicht auf einen Brexit einigen können. Dieser vertritt jedoch die Meinung, dass bei einer ähnlich wichtigen Entscheidung es in Deutschland nicht viel anders zugehen würde. Als maßgeblich für das entstandene Problem sieht Fratzscher folgenden Grund: "In Großbritannien gibt es ein Drittel für den Austritt, ein Drittel dagegen und eine Mitte, die sich nicht entscheiden kann oder möchte." Und in dieser Situation befinde sich das Land bereits seit drei Jahren, so seine These.

Maybrit Illner: Brexit-Gegner hat makabere Hoffnung

Während Fratzscher dafür plädiert, den Briten noch einen weiteren Aufschub zu gewähren und dafür kein Ultimatum zu stellen, wirft NRW-Ministerpräsident Armin Laschet die Europawahl im Mai 2019 als  Gegenargument ein. "Wenn man die Zeit gibt, müssen die Briten im Mai an der Europawahl teilnehmen. Sonst sind die gesamten Wahlen ungültig." Im Fokus der Sendung „Endstation harter Brexit – ohne Vertrag ins Chaos?“ standen auch die Konsequenzen eines abrupten „No Deals“: Wenn es nach Fratzscher geht, wären die wirtschaftlichen Auswirkungen eines ungeordneten Brexits in Großbritannien wesentlich härter als in den EU-Ländern. So würde es bei den Arbeitsplätzen, der Produktivität und auch dem Einkommen auf britischer Seite zu großen Verlusten kommen.

Maybrit Illner untersuchte mit ihren Gästen das Brexit-Dilemma.

Wie mittlerweile feststeht, hat Premierminister Theresa May die EU um einen weiteren Brexit-Aufschub bis zum 30. Juni gebeten. Schon am Donnerstagabend hatte Sir Peter Torry, früherer Botschafter der Briten in Deutschland, in der ZDF-Sendung diese Maßnahme angekündigt. Seine Hoffnung ist, dass die EU seinem scheidungswilligen Heimatland gar einen weiteren Aufschub von etwa einem Jahr geben wird.

Brexit-Gegner Torry hat aber eine weitere Hoffnung, der etwas makaberen Art: Seit dem Referendum (23. Juni 2016) seien eine halbe Million Briten, die überwiegend für den Brexit waren, verstorben. Gleichzeitig hätten viele junge Leute, die eher für Europa seien, das Wahlalter erreicht. Ein neues Referendum sollte also pro EU ausgehen, meint er folglich.

Labour-Politiker spricht mit Illner über Brexit-Chaos - und verteilt Sonderlob

Seitdem die "Tories" mit der Labour-Partei gemeinsame „konstruktive“ Gespräche aufgenommen haben, erscheint sogar ein weiteres Referendum der Bevölkerung wieder im Bereich des Möglichen. Als in der Sendung dann Oppositions-Politiker Ben Bradshaw Partei in einer Schalte zu Wort kam, gab es einen Auszug über das Verhältnis der politischen Rivalen: Illner wollte wissen, ob es späte Einsicht oder nur ein Trick der britischen Regierung ist, Bradshaws Labour-Partei bei der Suche nach einer Lösung der Brexit-Misere mit ins Boot zu holen. Dieser nutzte die Plattform prompt für einen Seitenhieb in Richtung Konservative um  Premierministerin Theresa May. Zuerst lobte er zwar, man müsse die Gespräche ernst nehmen und Bradshaw zeigte sich froh darüber, dass ein zweites Referendum nun auf der Tagesordnung stehe. Danach macht er sich jedoch über die Parlamentsarbeit in seinem Land lustig: "Ich habe in ihrer Sendung in den letzten 20 Minuten mehr vernünftiges gehört, als von unserer Regierung in den letzten 2 1/2 Jahren." Klar, dass sich Maybrit Illner geschmeichelt fühlte und vom Publikum der Applaus einsetzte.

Doch der Dialog hat eine Kehrseite: Dass Ben Bradshaw einer jener Labour-Politiker ist, die einen eigenen Anteil an der Brexit-Misere haben, darüber wurde im ZDF-Talk nicht gesprochen. Die FAZ schreibt hierzu: "Er hatte das Glück auf eine Moderatorin zu treffen, die seiner Märchenstunde wenig entgegensetzen konnte. Ansonsten hätte ihn Frau Illner fragen können, was mit den 25 Labour-Abgeordneten ist, die in einem offenen Brief die Forderung nach einem neuen Referendum strikt ablehnen."

Komiker hat irren Lösungsvorschlag für May

Den Lacher des Abends hatte Komiker Christian Schulte-Loh auf seiner Seite. Sein Ratschlag, um die Blockade im britischen Unterhaus zu überwinden: "Das Beste wäre, wenn man eine Münze werfen würde." 

Am Ende der Sendung vertrat die frühere MTV-Moderatorin Kristiane Backer die Meinung, dass auch Europa nachdenken sollte, warum Großbritannien ursprünglich aus dem EU-Verbund austreten wollte. So appellierte die Deutsch-Engländerin (54) dazu, dass sich auch die EU-Staaten Gedanken machen sollten, was man am Prinzip der EU verändern sollte: „Warum ist es überhaupt dazu gekommen, damals mit Cameron? Es wurde angesprochen, dass es gewisse Dinge gibt, die nicht in Ordnung sind. Sie (Großbritannien, d. Red.) wollen nicht von Brüssel bestimmt werden. Der größte Punkt: Dass Korruption herrscht. Man weiß nicht, wo das Geld hinfließt. Vielleicht könnte man das als Weckruf nutzen und mal überdenken, wie man die EU effizienter machen könnte.“ Laut Backer gibt es viele Probleme in der Europäischen Union, die gelöst werden müssen. Das Schlusswort hatte schließlich Ex-Botschafter Torry, der prognostizierte: Die Briten werden an der Europa-Wahl im Mai teilnehmen.

Vor kurzem ging es bereits im ARD-Talk mit Sandra Maischberger beim Thema Brexit und Rechtspopulismus ordentlich zur Sache - insbesondere auch wegen Martin Schulz, der des Öfteren um Fassung ringen musste.

„Maybrit Illner“ bespricht den harten Brexit: Ohne Vertrag ins Chaos?

Ursprungsartikel (4. April 2019): Moderatorin Maybrit Illner ist bekannt dafür, schwierige und umstrittene Themen in ihrer ZDF-Sendung zu behandeln. Was würde da besser passen als der Brexit, schließlich beschäftigt das ewige Hin- und Her um den EU-Austritt Großbritanniens nicht nur das britische Unterhaus. 

Besonders im Fokus der Sendung steht das möglich „No-Deal“-Szenario, also ein Austritt ohne Abkommen. Deshalb der passende Sendungs-Titel: „Endstation harter Brexit – ohne Vertrag ins Chaos?“ Dazu hat sich die Moderatorin einige sehr hochkarätige Gäste eingeladen.

„Maybrit Illner“: Mit hochkarätigen Gästen wird der Brexit beackert

Eigentlich hätten die Briten ja schon Ende März aus der EU austreten sollen - eigentlich, denn das Datum wurde verschoben und nun könnte eine weitere Verschiebung von Theresa May angestrebt werden. In den letzten Monaten schwebte vor allem ein Szenario wie ein Damokles-Schwert über dem Kopf der EU und Großbritanniens: Der „No-Deal“-Brexit. Genau dieses Thema diskutiert Maybrit Illner mit ihren Gästen. Dabei hat sich die Moderatorin nicht nur NRW-Minister-Präsident Armin Laschet ins Studio geholt, sondern auch reichlich britische Experten. So wird etwa der Labour-Abgeordnete Ben Bradshaw zugeschaltet sein.

Mit dabei bei Maybrit Illner sind am Donnerstag dazu folgende Gäste:

  • Armin Laschet: Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen
  • Marcel Fratzscher: Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
  • Sir Peter Torry: Ehemaliger britischer Botschafter in Deutschland
  • Kristiane Backer: Deutsch-Britische ehemalige TV-Moderatorin
  • Christian Schulte-Loh: In London erfolgreicher, deutscher Komiker
  • Ben Bradshaw: Labour-Abgeordneter im britischen Unterhaus (Zugeschaltet)

Alle aktuellen Nachrichten zum Brexit finden Sie in unserem News-Ticker.

Video: Kommt es zu der erneuten Fristverlängerung?

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