Assad will Kampf "um jeden Preis"

Überall Leichen - neues Massaker in Syrien?

Beirut - Assads Truppen sollen in Syrien 300 bis 600 Menschen niedergemetzelt haben. Die Leichen mussten in Massengräbern verscharrt werden. Der Machthaber kündigte einen Kampf "um jeden Preis" an.

Bilder von aufgereihten blutigen Leichen auf dem Boden einer Moschee in einem Vorort von Damaskus und von Massengräbern mit Dutzenden Opfern: Die Beweise verdichteten sich, dass es im syrischen Bürgerkrieg zu einem neuerlichen Massaker gekommen ist. 300 bis 600 Menschen sollen die Truppen von Präsident Baschar Assad niedergemetzelt haben, nachdem sie den Damaszener Vorort Daraja am Donnerstag von den Rebellen zurückerobert haben.

Aktivisten stellten Videos online, auf denen die aufgereihten Leichen zu sehen waren, viele von ihnen mit Schusswunden am Kopf. Am Sonntag wurden die Opfer nach Angaben der Aktivisten in einem Massenbegräbnis beigesetzt. In einem der Videos war zu sehen, wie die Leichen angesichts der vielen Toten mit einem Schlauch abgespritzt wurden - als Ersatz für die rituelle Totenwaschung, die der Islam vorschreibt.

Auch Frauen und Kinder bei Gruppenexekutionen getötet

Ähnlich wie bei früheren Massakern in Syrien gaben die Staatsmedien „Terroristen“ die Schuld an dem Blutbad. Das Staatsfernsehen zitierte Präsident Assad mit den Worten, sein Regime werde weiterkämpfen, „koste es was es wolle.“ Erneut machte er ausländische Kräfte für den Aufstand gegen ihn verantwortlich.

Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Sonntag mit, mindestens 320 Leichen seien in den vergangenen Tagen in Daraja gefunden worden. Unter den Toten seien Frauen und Kinder. Die Menschen seien durch Gewehrschüsse und Gruppenexekution getötet worden.

Die örtlichen Koordinierungskomitees, die den Widerstand gegen Präsident Baschar Assad im Land organisieren, berichteten sogar von mehr als 630 Toten und machten Regierungstruppen dafür verantwortlich. In Daraja seien weitere 1.755 Menschen festgenommen worden, hieß es. Damit sollte angedeutet werden, dass es noch Hunderte weitere Tote geben könnte.

Eliteeinheit soll in Daraja im Einsatz sein

Nach Angaben von Aktivisten stürmten Soldaten unterstützt von Panzern Daraja am Donnerstag. Drei Tage lang habe keiner die Stadt betreten oder verlassen dürfen. Auch am Sonntag sei eine Ausgangssperre verhängt worden, Assads Truppen durchsuchten Haus um Haus und exekutierten Bewohner der Stadt, sagte der Aktivist Chaled al Schami.

Aufseiten der Regierungstruppen kämpft in der 200.000-Einwohner-Stadt laut Aktivisten die Vierte Division, die am besten ausgebildeten Truppe der syrischen Streitkräfte, die von Assads Bruder Maher angeführt wird.

Beobachter vermuteten, dass Angriffe der Rebellen auf den an Daraja angrenzenden Militärflughafen Masse der Grund für die große Militäroperation und den Einsatz der Vierten Division waren - deren Aufgabe ist vor allem der Schutz der Hauptstadt. Die Aktivisten glauben, dass Assad und sein innerer Kreis den Flughafen für eine mögliche Flucht sichern wollen, sollte er die Kontrolle über die Hauptstadt verlieren.

Großbritannien verurteilte das „brutale Massaker an Zivilisten“. Großbritanniens Staatsminister für den Nahen Osten, Alistair Burt, sagte, sollte sich der Bericht bestätigen, wäre dies eine „Gräueltat neuen Ausmaßes“, die eine Verurteilung durch die internationale Gemeinschaft erfordern würde. Seit dem Beginn der Proteste gegen Assad im März 2011 wurden laut Aktivisten mehr als 20.000 Menschen getötet.

Syrischer Vize zeigt sich wieder in der Öffentlichkeit

Unterdessen wurde der syrische Vizepräsident Faruk al Scharaa in der Öffentlichkeit gesichtet, womit Gerüchte widerlegt wurden, dass er übergelaufen sei. Reporter sahen ihn am Sonntag sein Büro betreten. Al Scharaa wurde zuletzt beim Begräbnis von vier ranghohen Regierungsvertretern gesehen, die Mitte Juli bei einem Anschlag in Damaskus ums Leben kamen. Seither gab es Spekulationen, wonach sich al Scharaa nach Jordanien abgesetzt habe. Jordanien und das Büro des Vize-Präsidenten hatten dies stets dementiert.

Jordanien bat die internationale Gemeinschaft unterdessen um mehr Unterstützung bei der Versorgung der syrischen Flüchtlinge. Informationsminister Samih Maajtah erklärte am Sonntag, derzeit erreichten pro Tag mehr als 2.000 Flüchtlinge aus Syrien sein Land. Allein am Freitag seien mehr als 2.300 Syrer eingetroffen. Das war der größte Zustrom an einem einzigen Tag seit Beginn des Konflikts. Mittlerweile haben rund 160.000 syrische Flüchtlinge in Jordanien Zuflucht gesucht. Die Vereinten Nationen haben bei ihren Mitgliedern um Spenden für die Flüchtlinge gebeten. Bisher ging nach UN-Angaben aber erst die Hälfte der erbetenen 190 Millionen Dollar ein.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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