Zwei-Stufen-Plan

Corona in Deutschland: Experten der Leopoldina fordern drastische Lockdown-Verschärfung

Kommt jetzt der harte Lockdown bis in den Januar? Experten der Nationalakademie Leopoldina fordern strengere Corona-Regeln. So sieht ihr Zwei-Stufen-Plan aus.

  • Experten der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina sprechen sich für einen strengeren Lockdown aus.
  • Das öffentliche Leben soll wegen der Coronavirus-Pandemie bis mindestens 10. Januar weitgehend ruhen.
  • Ein Zwei-Stufen-Plan für den Lockdown sieht u.a. längere Schulferien und die Schließung des Einzelhandels vor. (News zum Coronavirus)

Hamm - Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland wächst in beunruhigendem Maße. Die Krankenhäuser sind voll, täglich sterben hunderte Menschen an dem Virus. Die Zeit ist reif für einen harten Lockdown, glauben Experten der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina. Sie fordern die Notbremse jetzt. Die kommt mit drastischen Verschärfungen der Corona-Regeln.

Deutsche Akademie der Naturforscher LeopoldinaGelehrtengesellschaft
ZweckNationale Akademie der Wissenschaften
HauptstandortHalle (Saale)
FinanzierungBund (80 Prozent), Land Sachsen-Anhalt (20 Prozent)

Coronavirus in Deutschland: Leopoldina fordert härtere Regeln und Verschärfung des Lockdowns

Wegen der hohen Infektionszahlen rät die Leopoldina dringend dazu, nicht mehr zu warten. Nach Auffassung der Wissenschaftsexperten sollten Weihnachten und der Jahreswechsel um Silvester zu einem „harten Lockdown“ genutzt werden. Andernfalls drohe ein monatelanger Teil-Lockdown, wie er aktuell in Deutschland gilt.

In einer am Dienstag (8. Dezember) veröffentlichten Stellungnahme schlägt die Leopoldina daher einen Zwei-Stufen-Plan vor, mit dem die Verbreitung des Coronavirus Sars-Cov-2 eingedämmt werden soll. In einem ersten Schritt sollte die Schulpflicht ab Montag (14. Dezember) bis zu den Weihnachtsferien aufgehoben werden. Ab Heiligabend, 24. Dezember, bis mindestens 10. Januar sollte dann „in ganz Deutschland das öffentliche Leben weitgehend ruhen“.

Coronavirus in Deutschland: Lockdown-Plan der Leopoldina bis in den Januar

Erste Stufe: Die wichtigsten Maßnahmen des Leopoldina-Plans ab Montag, 14. Dezember:

  • Kontakte auf ein Minimum reduzieren.
  • Schulpflicht aufheben - und nicht erst zu den Weihnachtsferien.
  • Arbeitgeber müssen Home Office erlauben.

Zweite Stufe: Die wichtigsten Maßnahmen des Leopoldina-Plans ab Heiligabend bis mindestens 10. Januar:

  • Nur Geschäfte das täglichen Bedarfs - Supermärkte, Apotheken u.ä. - dürfen öffnen.
  • Die Weihnachtsferien bis Montag (10. Januar) verlängern.
  • Auf Reisen in den Urlaub verzichten.

Der „harte Lockdown“, wie die Experten der Leopoldina ihn vorschlagen, ähnelt stark den Corona-Einschränkungen, die in der Frühphase der Pandemie im März und April in Deutschland galten. Demnach sollen wieder nur Geschäfte, die zum täglichen Leben notwendig sind, geöffnet bleiben. Homeoffice müsse, wo möglich, die Regel sein. Soziale Kontakte seien auf einen sehr eng begrenzten Kreis zu reduzieren.

Die Weihnachtsferien in Bildungseinrichtungen und ein eingeschränkter Betrieb in Firmen und Behörden bieten nach Auffassung der Leopoldina die Chance, in der Pandemie-Eindämmung ein großes Stück voranzukommen. Zwar erhöhten sich so kurzfristig Wertschöpfungsverluste. „Aber zugleich verkürzt sich der Zeitraum, bis die Neuinfektionen so weit gesunken sind, dass Lockerungen möglich sind“, erläutern die Wissenschaftler in ihrer Stellungnahme. Oder anders: Je härter wir jetzt runterfahren, desto eher gibt es die Hoffnungen auf weitreichende Lockerungen.

Coronavirus in Deutschland: Lockdown-Plan der Leopoldina bis in den Januar

„Die gegenwärtige Situation ist nach wie vor ernst und droht sich weiter zu verschärfen“. Krankenhäuser und insbesondere das medizinische Personal seien bereits jetzt an der Grenze des Leistbaren, schreiben die Experten der Leopoldina. Bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rennen sie mit ihren Vorschlägen offene Türen ein. Merkel forderte ebenfalls strengere Corona-Maßnahmen. Und Lauterbach schlug bereits eine Ausweitung der Schulferien auf vier Wochen und eine Schließung des Einzelhandels für zwei Wochen vor.

Auf die Empfehlungen der Leopoldina legt Angela Merkel großen Wert.

Trotz der Schließung zahlreicher Einrichtungen in einem Teil-Lockdown seit Anfang November bleiben die Zahlen auf hohem Niveau, in den letzten Tagen auch wieder mit eher steigender Tendenz. Die Gesundheitsämter meldeten 14.054 neue Corona-Fälle binnen 24 Stunden, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstagmorgen bekanntgab. Binnen eines Tages wurden 423 Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet - eine Woche zuvor waren es 388 gewesen.

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Rubriklistenbild: © Peter Endige/dpa

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