Essensstreit in Leipzig

Schweinefleisch-Verbot in Kitas: Heftige Diskussion entbrannt - Einrichtungen ergreifen Maßnahme

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Nach Diskussionen um die Änderung des Speiseplans in zwei Leipziger Kitas hat sich die Polizei eingeschaltet.

Mit ihrer Entscheidung, Schweinefleisch aus Rücksicht vor Muslimen vom Speiseplan zu streichen, sorgten zwei Leipziger Kitas für heftige Diskussionen. Nun soll das Verbot aufgehoben werden.

Update vom 23. Juli 2019, 18.00 Uhr: Sie hatten bereits die Polizeiwagen vor der Türe stehen: Die Entscheidung zweier Leipziger Kitas, „aus Respekt gegenüber einer sich verändernden Welt“ - wie es in der offiziellen Ankündigung hieß - künftig kein Schweinefleisch mehr zu servieren, stieß auf große Kritik. So sollten mögliche Gefahren durch die Polizeipräsenz abgewehrt werden. Nun lenken Kindergärten allerdings wieder ein.

Wie die Bild berichtet, habe man sich letztlich dazu entschlossen, das Verbot vorerst wieder aufzuheben. Da ihre Entscheidung viel Öffentlichkeit erzeugt habe, wollen man sie zunächst aussetzen und stattdessen „zu den ersten Elternabenden im neuen Kitajahr im August auf die Tagesordnung setzen“, hieß es in einer offiziellen Erklärung.

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Leipziger Kitas streichen Schweinefleisch vom Speiseplan - Einrichtungen nun unter Polizeischutz

Erstmeldung vom 23. Juli 2019, 16.00 Uhr:

Leipzig - Nach Diskussionen um die Änderung des Speiseplans in zwei Leipziger Kitas hat sich die Polizei eingeschaltet. Um mögliche Gefahren abzuwehren, stehe ein Polizeiauto vor den beiden benachbarten Einrichtungen, sagte ein Sprecher am Dienstag.

Kitas bietet kein Schweinefleisch mehr an - Aus Rücksicht auf Muslime

Hintergrund ist, dass in den Kitas kein Schweinefleisch mehr angeboten werden soll. Vor etwa zwei Wochen habe er ein entsprechendes Schreiben bekommen, sagte ein 37 Jahre alter Vater, der am Dienstagnachmittag seinen zweijährigen Sohn abholte. „Wir finden die Entscheidung prinzipiell gut“, sagte er. „Man wird meinen Sohn nicht vom Wienerle wegbekommen, aber das bekommt er dann eben zu Hause.“

Über die Entscheidung hatte auch die „Bild“-Zeitung berichtet. In dem Schreiben steht: „Aus Respekt gegenüber einer sich verändernden Welt werden ab dem 15. Juli nur noch Essen und Vesper bestellt und ausgegeben, die schweinefleischfrei sind ...“. Dem Blatt zufolge soll somit Rücksicht auf muslimische Kinder genommen werden. Am Dienstagvormittag war der Hashtag „#Schweinefleisch“ deutschlandweit auf Twitter zeitweise auf Platz eins der am meisten diskutierten Themen.

Politiker äußern sich zu Schweinefleischverbot in Kitas

CSU-Politiker Alexander Dobrint äußerte sich zu dem Thema: „Wer Gummibärchen als Integrationshindernis sieht, dem ist der kulturelle Kompass verrutscht!“

Auch die muslimische SPD-Politikerin Sawsan Chebli äußerte sich auf Twitter: „Schweinefleisch- oder Gummibärchenverbote, Wintermarkt statt Weihnachtsmarkt, Lichterfest statt Sankt-Martins-Fest, Festtagsgruß statt Frohe Weihnachten - liebe Alle: Ist nett gemeint, aber lasst es bitte! Tut es nicht für die Muslime. Ihre Seele wird damit nicht geheilt.“

Der Leiter der Einrichtungen war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Polizei steht nach eigenen Angaben in Kontakt mit der Leitung der Kitas, welche ein freier Träger betreibt. Weitere Maßnahmen seien zunächst nicht geplant, so der Polizeisprecher.

dpa/md

Es ist nicht das erste Mal, dass über das Essen in Kitas oder Schulen diskutiert wird. Auch an der Ährenfeldschule in Gröbenzell sollte Schweinefleisch vom Speiseplan verbannt werden*. Doch im Gemeinderat stieß diese Idee auf heftigen Widerstand.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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