Karsai will Eigenverantwortung für Sicherheit massiv ausweiten

Afghanistans Präsident Hamid Karsai

Kabul - Die internationalen Kampftruppen ziehen erst 2014 aus Afghanistan ab. Präsident Karsai will trotzdem schon jetzt einen großen Teil der Sicherheitsverantwortung einheimischen Soldaten und Polizisten anvertrauen.

Afghanistan will noch vor Ende des Jahres selbstständig für die Sicherheit von 50 Prozent seiner Bevölkerung sorgen können. Präsident Hamid Karsai sagte am Mittwoch auf einer regionalen Sicherheitskonferenz in Istanbul, er werde in naher Zukunft weitere Gebiete bekanntgeben, in denen afghanische Armee und Polizei die Verantwortung von der internationalen Schutztruppe Isaf übernehmen werden. Jeder zweite Afghane befinde sich dann unter dem Sicherheitsschirm einheimischer Kräfte.

Die Übergabe der Sicherheitsverantwortung hat bereits im Juli begonnen und soll mit dem Abzug der Nato-Kampftruppen Ende 2014 abgeschlossen sein. Im Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr im Norden des Landes mit neun Provinzen betraf der erste Schritt nur die relativ sichere Provinzhauptstadt Masar-i-Scharif. Es wird erwartet, dass Karsai Mitte November die nächste Tranche von Städten, Distrikten und Provinzen verkünden wird.

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Nach vorläufigen Angaben der zuständigen afghanischen Behörde aus der vergangenen Woche sollen 17 der insgesamt 34 Provinzen teilweise oder ganz übergeben werden, sechs davon liegen im Norden. Diese Liste kann sich allerdings noch ändern, da die letzte Entscheidung bei Karsai liegt. Nicht enthalten sind die beiden gefährlichsten Provinzen im Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr, Kundus und Baghlan.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sicherte Afghanistan eine langfristige Partnerschaft zu. Der Abzug der Kampftruppen 2014 bedeute nicht das Ende der internationalen Präsenz am Hindukusch, betonte der FDP-Politiker. “Wir werden den Afghanen noch lange Zeit beistehen.“ Das Engagement werde künftig aber vor allem zivil sein.

An der Konferenz in Istanbul nehmen 26 Staaten teil, darunter Pakistan, Indien und der Iran. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen den Ländern Zentral- und Südasiens in Sicherheitsfragen zu verbessern. Karsai sprach von einem “bedeutenden Meilenstein“ auf dem Weg zu mehr regionaler Kooperation. Die Teilnehmer wollen sich auf gemeinsame Prinzipien verständigen, zu denen die Nicht-Einmischung in innere afghanische Angelegenheiten zählt.

Die Istanbuler Tagung zählt zu den wichtigsten Vorbereitungstreffen für die Afghanistan-Konferenz in Bonn. Am 5. Dezember sollen dort die Weichen für die Zeit nach dem Abzug der Nato-Kampftruppen gestellt werden.

dpa

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