Karsai droht mit Blockade der Nato-Offensive

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Hamid Karsai hat gute Laune - die vergeht dem Westen aber angesichts seiner bizarren Reden immer mehr.

Kabul - Der afghanische Präsident Hamid Karsai geht immer mehr auf verbalen Konfrontationskurs zu den USA und droht jetzt, er könnte die Einwilligung zu einer geplanten Militäroffensive im Kandahar verweigern.

Zunächst hatte Karsai mit heftigen Vorwürfen über angebliche ausländische Wahlmanipulation auf sich aufmerksam gemacht. Lange nicht mehr reagierte das State Department derart aufgebracht: “Grotesk“, meinte ein Sprecher. Mehr nicht. Anschließend sprach Außenminister Hillary Clinton mit Karsai - und die Welt dachte, die Sache sei ausgestanden. Doch statt Ruhe zu bewahren, legte Karsai nach.

Diesmal äußerte er sich vor lokalen Stammesführern - wichtige Leute für seinen Machterhalt in Kabul. Zum Staunen von US-Militärs versprach Karsai den Stammesältesten, ohne ihre Einwilligung werde es keine US- geführte Offensive in Kandahar geben. Beobachter in den USA können den starken Worten kaum Glauben schenken. “Will Karsai den Stammeschefs jetzt tatsächlich ein Veto-Recht einräumen?“, fragt sich die “New York Times“ am Ostermontag ungläubig.

Das ist Afghanistan

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Doch auch dabei ließ es Karsai nicht bewenden: nach Angaben des Blattes verstieg er sich gar zu der Drohung, sich selbst den Aufständischen anzuschließen, wenn ausländische Mächte ihn weiterhin kritisieren. “Wenn Ihr und die internationale Gemeinschaft mich noch mehr unter Druck setzt, dann, das schwöre ich Euch, werde ich mich den Taliban anschließen“, soll Karsai nach Angaben eines afghanischen Parlamentariers gesagt haben.

Offiziell hielten sich Washington sowie US-Militärs vor Ort zurück. Hinter vorgehaltener Hand verriet ein US-Militär der “Washington Post“ ein vernichtendes Urteil über Karsai: “Der Typ ist sprunghaft und unbeständig, er ist unberechenbar.... ich verstehe ihn einfach nicht“.

Erst vor einer Woche war Obama eigens zu einem Überraschungsbesuch in Kabul eingeflogen, um Karsai ins Gebet zu nehmen - doch das Ergebnis ist nicht gerade das, was sich Obama erhofft hatte. “Unser wichtigster Verbündeter kritisiert uns dauernd“, meint Hekmat Karsai, Chef des Center for Conflict and Peace Studies in Kabul und zugleich ein Cousin des Präsidenten. “Aber Sie können nicht zu den Afghanen reden als seien sie Kinder oder als würden sie nichts verstehen“.

dpa

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