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Axel Springer entbindet „Bild“-Chefredakteur Reichelt von seinen Aufgaben - mit deftiger Begründung

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Von: Florian Schimak

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Julian Reichelt ist am Montag als Chefredakteur der Bild von seinen Aufgaben entbunden worden. Das teilte der Axel-Springer-Verlag mit.

Transparenzhinweis: Die Abberufung von Bild-Chefredakteur Julian Reichelt spielt vor dem Hintergrund der Kontroverse um die Veröffentlichung einer umfassenden Recherche zu seiner Person durch IPPEN.MEDIA. Das Investigativ-Team von IPPEN.MEDIA hatte Reichelt vergangene Woche mit den Vorwürfen konfrontiert und um Stellungnahme gebeten. Die Ergebnisse der Recherchen wurden noch nicht veröffentlicht.

Berlin - Der Medienkonzern Axel Springer hat mit sofortiger Wirkung Bild*-Chefredakteur Julian Reichelt von seinen Aufgaben entbunden. Das teilte das Unternehmen am Montag in Berlin mit. Nachfolger von Reichelt wird Johannes Boie. Der 37-Jährige ist aktuell Chefredakteur der Welt am Sonntag, die ebenfalls zum Springer-Verlag gehört.

Als Begründung für das Ende der Zusammenarbeit mit Reichelt, veröffentlichte die Bild ein Statement: „Als Folge von Presserecherchen hatte das Unternehmen in den letzten Tagen neue Erkenntnisse über das aktuelle Verhalten von Julian Reichelt gewonnen. Diesen Informationen ist das Unternehmen nachgegangen. Dabei hat der Vorstand erfahren, dass Julian Reichelt auch nach Abschluss des Compliance-Verfahrens im Frühjahr 2021 Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt hat.“

Paukenschlag bei der Bild: Chefredakteur Reichelt von seinen Aufgaben entbunden

Medien hatten über Vorwürfe zu Machtmissbrauch und Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen berichtet, woraufhin Springer im Frühjahr das interne Verfahren angestoßen hatte. Der Konzern prüfte dann in einem internen Verfahren Vorwürfe und kam zu dem Ergebnis, dass Reichelt seinen Posten behalten sollte. Nach einer befristeten Freistellung kehrte Reichelt zunächst wieder zu Deutschlands größter Boulevardzeitung zurück.

Dem Verlag zufolge hatte es in dem sogenannten Compliance-Verfahren gegen Reichelt zwar „nie den Vorwurf sexueller Belästigung oder sexueller Übergriffe“ gegeben. „Es gab aber den Vorwurf einvernehmlicher Liebesbeziehungen zu ‚Bild‘-Mitarbeiterinnen und Hinweise auf Machtmissbrauch in diesem Zusammenhang. Bewiesen und eingeräumt wurde eine frühere Beziehung zu einer Mitarbeiterin von ‚Bild‘. Umstritten blieb, ob dieser Mitarbeiterin dadurch berufliche Vorteile gewährt wurden.“

Die von der Kanzlei Freshfields vorgenommenen Befragungen von Hinweisgebern seien in dem Compliance-Verfahren anonymisiert worden, hieß es. Auch der Verlag habe deshalb „maßgebliche Befragungsprotokolle auf Bitten von Zeugen“ nicht gekannt. Medien seien „diese Dokumente jedoch in Teilen oder vollständig von dritter Seite rechtswidrig zugespielt“ worden, hieß es in der Mitteilung.

Die New York Times hatte nun am Wochenende einen langen Bericht über den Medienkonzern Axel Springer auch mit Blick auf die Pläne zur Übernahme der US-Mediengruppe Politico veröffentlicht. In dem Artikel ging es auch um Bild-Chefredakteur Reichelt und die im Frühjahr erstmals öffentlich bekanntgewordenen Vorwürfe gegen ihn. Die Zeitung verwies auch auf bislang nicht veröffentlichte monatelange Recherchen eines Investigativ-Teams der Ippen-Mediengruppe.

Springer-Chef Mathias Döpfner sagte am Montag: „Julian Reichelt hat ‚Bild‘ journalistisch hervorragend entwickelt und mit BILD LIVE die Marke zukunftsfähig gemacht. Wir hätten den mit der Redaktion und dem Verlag eingeschlagenen Weg der kulturellen Erneuerung bei Bild gemeinsam mit Julian Reichelt gerne fortgesetzt. Dies ist nun nicht mehr möglich.“ (dpa/afp/smk) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPPEN.MEDIA

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