Ergebnis wird am 23. Juli bekanntgegeben

Jeremy Hunt: Das ist der Mann, der Brexit-Premierminister werden will?

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Rennen um das Amt des Premiers in Großbritannien.

Jeremy Hunt könnte neuer britischer Premierminister werden und für den Brexit zuständig sein. Er gilt als Kandidat ohne Eigenschaft. Aber wer ist er eigentlich?

London - Großbritannien kommt nicht zur Ruhe. Das Volksbegehren zum EU-Austritt 2016 hatte eine politische Achterbahnfahrt zufolge. Nachdem Theresa May (Konservative) als Premierministerin im britischen Parlament kläglich mit ihrem Brexit-Vertrag gescheitert war, trat sie zurück. Damit startete die nächste Zerreißprobe für Land und Regierung: Der Kampf um den Posten des Premierministers. Außenminister Jeremy Hunt, ebenfalls Konservativer (Conservative Party), bewarb sich - und steht nun neben Boris Johnson zur Wahl. Auch für das Ausland ist nun plötzlich interessant: Wer ist dieser Mann?

Gibt man den Namen Jeremy Hunt bei Google ein, dann erscheinen zumindest derzeit mindestens ebenso viele Bilder von seinem Kontrahenten Boris Johnson in der Ergebnisliste - falls nicht mehr. Hunt ist ruhiger, unscheinbarer. Und er gilt als jemand, der sich mit niemandem anlegt, irgendwie mit allen gut versteht und gleichzeitig schwer zu greifen ist. Während sich Johnson in den vergangenen Jahren mit allerlei Skandalen in die Öffentlichkeit drängte, hielt sich Hunt erfolgreich und ruhig in Machtpositionen. Nicht zuletzt als Außenminister. Für viele gilt er aber zusammengefasst als unbeständig, ohne Meinung und reich. Das berüchtigte Fähnchen im Wind.

Jeremy Hunt könnte beim Brexit britischer Premierminister sein

Jeremy Richard Streynsham Hunt wurde am 1. November 1966 in Godalming geboren, unweit der Metropole London. Der Vater, Vizeadmiral Sir Nicholas John Streynsham Hunt, war von 1985 bis 1987 Oberbefehlshaber der Flotte der Royal Navy. Er schickte seinen Sohn auf die Elite-Schule Charterhouse in Godalming. Danach studierte der junge Jeremy Hunt am Magdalenen College der Elite-Universität Oxford und studierte Philosophie, Politik und Wirtschaft. Während seines Studiums war er außerdem 1987 Präsident der Oxford University Conservative Association.

Möglicher Premier: Wird Jeremy Hunt den Brexit einleiten? 

Nach seinem Studium begann Hunt einen unbeständigen Irrgang: Zunächst verdingte er sich als Unternehmensberater. Dann versuchte er sich als Lehrer für Englisch in Japan. Als er schließlich nach Großbritannien zurückkehrte, wurde er Mitarbeiter und Anteilseigner der Public Relations-Firma „Profile PR“.

Seine Anteile an der lukrativen Firma verkaufte er später und gründete sein eigenes Unternehmen „Hotcourses“. Die Firma gehört in zu Großbritannien zu den größten ihrer Art. Sie veröffentlicht Ratgeber und Webseiten, die Informationen zur individuell am besten passende Schule, College oder Universität bereitstellen soll. Jeremy Hunt gilt aufgrund dieses Erfolgs als eines der wohlhabendsten Mitglieder im britischen Parlament.

Jeremy Hunt: Das Privatleben des möglichen May-Nachfolgers

Über das Privatleben von Jeremy Hunt ist recht wenig bekannt. Seine elf Jahre jüngere Frau Lucia Guo hatte er 2008 an der Universität von Warwick kennengelernt. Damals stellte er seine Firma „Hotcourses“ an der Universität vor.

Sie heirateten ein Jahr später in einer traditionellen chinesischen Zeremonie in Xian, China - dem Heimatort von Guo. Gemeinsam haben sie das Immobilienunternehmen „Mare Pond Properties Limited“ gegründet.

Guo gilt in London als Hunts „geheime Waffe“. Zusammen haben sie drei Kinder: Jack, Anna and Eleanor. In seiner politischen Themensetzung, Migration nach England stärker zu begrenzen, argumentiert Hunt, dass verstärkte Zuwanderung Diskriminierung verschärfe. Mit einer härteren Zuwanderungsgesetzgebung wolle er seine Kinder schützen.

Möglicher Brexit-Premier? Jeremy Hunts politische Karriere

Nach seinem Engagement im Studium fand Hunt erst 2005 wieder in die Politik. Bei den Wahlen im Mai 2005 wurde er erstmals als Abgeordneter in das Unterhaus (House of Commons) gewählt und vertritt darin seitdem den Wahlkreis Süd-West-Surrey, in dem auch seine Heimatstadt Godalming liegt.

Im Jahr seines Einzugs ins britische Unterhaus wurde Hunt auch als Mitglied des konservativen Schattenkabinetts berufen. Als Schattenkabinett bezeichnet man die zusammengestellte Regierungsmannschaft einer kandidierenden Partei. Die sogenannten Schattenminister bilden im Falle eines Wahlsieges das Regierungskabinett. Hunt war zunächst Schattenminister für Menschen mit Behinderungen. 2007 bis 2010 dann für Kultur, Olympia, Medien und Sport.

Wahl zum Premierminister: Jeremy Hunt gegen Boris Johnson

Nach dem Wahlsieg der Konservativen Partei 2010 bei den Unterhauswahlen wurde Jeremy Hunt am 12. Mai 2010, wie im Schattenkabinett eingeplant, vom damaligen Premierminister David Cameron zum Minister für Kultur, Olympia, Medien und Sport berufen. In dieser Funktion setzte er sich dafür ein, dass die Finanzierung der Olympischen Sommerspiele 2012 ohne Kürzung der Mittel für den Breitensport gewährleistet wurde.

Jeremy Hunt auf dem Weg an die Spitze?

Als Boris Johnson am 9. Juli 2018 zurücktrat, wurde Hunt zum Außenminister des Vereinigten Königreichs ernannt. Die damalige Premierministerin Theresa May entschied sich vermutlich wegen seiner diplomatischen Fähigkeiten für Hunt. Auch hatte er sich in der Debatte um den Brexit vor der Abstimmung 2016 als „Remainer“ geoutet, der für einen Verbleib in der Union plädierte. Nach der Abstimmung zum Brexit wurde es bezüglich dieses Themas aber ruhig um Hunt.

May holte sich mit Jeremy Hunt Unterstützung in den Verhandlungen mit der EU als Außenminister an die Seite. Er hat sich klar für den Brexit ausgesprochen. Diese Entscheidung begründete er mit „Arroganz der EU-Kommission“ - eine Aussage, die den weiteren Verhandlungen nicht gerade zuträglich war.

Ergebnis der Tories-Abstimmung am 23. Juli

Nachdem May im Frühjahr 2019 ihrerseits zurückgetreten war, bewarb sich Hunt um den Vorsitz der Tories und das Amt als Premierminister. Noch bis zum 22. Juli können die rund 160.000 Mitglieder der Konservativen Partei ihre Stimme per Briefwahl abgeben. Am 23. Juli soll dann der neue Premierminister offiziell bekanntgegeben werden.

Aus dem TV-Duell gegen Boris Johnson ging Hunt jüngst gestärkt hervor.

nai

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