Deutlicher Widerspruch

Streit in der CDU: Bouffier zerreißt Spahns Urlaubs-Ansagen - „Leute sollen dahin fahren, wo sie möchten ...“

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) spricht im hessischen Landtag.
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Volker Bouffier widerspricht Spahn-Aussagen zum Urlaub deutlich.

In Europa steigen zum Herbstbeginn vielerorts wieder die Corona-Fallzahlen. Jens Spahn rät daher von Auslandsreisen ab. Jetzt bekommt er Gegenwind aus der eigenen Partei.

  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht sich gegen Auslandsreisen aus.
  • Reiserückkehrer seien für viele Corona-Fälle verantwortlich.
  • Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier ist anderer Meinung.

München - Viele europäische Länder ächzen momentan unter der Last der zweiten Corona-Welle. Immer mehr Regionen werden vom Robert Koch-Institut (RKI) zu Risikogebieten erklärt und auch in Deutschland steigen die Fallzahlen wieder drastisch an. Doch in einigen Bundesländern stehen ab dem 5. Oktober nach der Sommerpause bereits die Herbstferien bevor. Deshalb riet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“ von Reisen ins Ausland ab. „Man kann ja auch Urlaub im Inland machen“, so Spahn. Reiserückkehrer schleppten das Coronavirus nach Deutschland ein.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) widerspricht seinem Parteikollegen nun deutlich. „Die Leute sollen dahin fahren, wo sie möchten. Es ist auch nicht die Aufgabe des Staates, dem Bürger vorzuschreiben, wo er Urlaub macht“, so Bouffier im Gespräch mit Osthessen-News.

Volker Bouffier (CDU): Er widerspricht Jens Spahn deutlich - aber mit Einschränkungen

Allerdings fügt der CDU*-Politiker an, dass er selbst nicht in Risikogebiete fahren würde, sondern nur an Orte mit geringer Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus. „Das erleichtert das Leben für den Betroffenen, aber auch für die Gemeinschaft. Es gibt auch bei uns schöne Gegenden“, erklärt der hessische Landesvater im Interview.

Insgesamt zieht Bouffier für Hessen eine positive Bilanz, was den Umgang mit dem Coronavirus* betrifft. Man sei gut durch die Krise gekommen und das Gesundheitssystem sei zu keiner Zeit überlastet gewesen. Dennoch geht er davon aus, dass die Pandemie uns noch lange beschäftigen wird. „Die wirtschaftlichen und finanziellen Folgen werden bis zu unseren Enkeln reichen. Das ist der größte Einbruch, den es jemals gab“, so Bouffier zu Osthessen-News. Im alltäglichen Leben schätzt er, wird es noch ein Jahr dauern, bis man die Auswirkungen nicht mehr so stark spüren wird.

Reisewarnungen & steigende Fallzahlen: 15 von 27 EU-Ländern sind von Reisewarnungen betroffen

Die Bundesregierung hat ganz Tschechien, Luxemburg und das österreichische Bundesland Tirol wegen rasant steigender Infektionszahlen zu Corona-Risikogebieten erklärt und warnt nun vor touristischen Reisen dorthin. Die Risikoliste des Robert Koch-Instituts* und die Reisehinweise des Auswärtigen Amts wurden am Freitag entsprechend aktualisiert. Damit sind nun 15 von 27 EU-Ländern zumindest teilweise Corona-Risikogebiete, Spanien, Tschechien und Luxemburg sogar ganz.

Das schränkt nicht nur die Urlaubsmöglichkeiten stark ein, sondern ist für die Reisebranche wohl auch existenzbedrohend. Angesichts der wachsenden Zahl von Corona-Risikogebieten in der EU und anhaltenden Reisewarnungen für das außereuropäische Ausland sieht sich die deutsche Tourismusbranche in einer Überlebenskrise. Die Lage der Branche sei „existenzbedrohend“, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands, Norbert Fiebig, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Umsätze lägen derzeit lediglich bei einem Viertel von jenen des Vorjahres, und „eine Besserung ist nicht in Sicht“. (mam/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

Im Video: Reisewarnungen und Risikogebiete - das gilt es für Touristen jetzt zu beachten

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