Moderator antwortet unmittelbar

Vorwurf gegen Jan Böhmermann: Antisemitische Angriffe gegen einen Comedian?

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Der Comedian Oliver Polak wirft Jan Böhmermann in seinem Buch „Gegen Judenhass“ antisemitische Attacken vor. Wir erklären, was dahinter steckt.

München - Oliver Polak ist ein kontroverser Comedian, soviel ist klar. Seine ProSieben-Show „Applaus und raus“ war ebenso umstritten wie die politisch-unkorrekten Witze, die sich oft um das Thema Jude-Sein drehen. Ganz unironisch ist dagegen das neue Projekt des 42-Jährigen: sein Anfang Oktober im Suhrkamp-Verlag veröffentlichtes Buch „Gegen Judenhass“. Denn Antisemitismus in Deutschland wird zunehmend zu einem Problem, das Polak daran zweifeln lässt, ob er seine Kinder noch in diesem Land großziehen will.

Jan Böhmermann nicht namentlich im Polak-Buch genannt

In dem Buch erhebt Polak schwere Vorwürfe gegen einen TV-Moderator, den er nicht beim Namen nennt. Der habe ihn "ironisch" von der Bühne gejagt, schreibt er. Die Wochenzeitung Der Freitag hat das nun recherchiert und kam zu dem Schluss, dass es sich bei jenem Moderator um Jan Böhermann handelt.

Der Hintergrund: Oliver Polak war 2010 zur Show des 25-jährigen Bühnenjubiläums von Comedian Serdar Somuncu geladen. Moderiert wurde der Abend von Klaas Heufer-Umlauf und eben Böhmermann. Nach Polaks Abgang von der Bühne soll dieser gefragt haben: „Habt ihr ihn angefasst?“ und die Hände von Somuncu und Heufer-Umlauf mit einem extra platzierten Spray desinfiziert haben.

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Das war nicht der einzige Vorfall im Zusammenhang mit dieser Sendung, berichtet Polak in seinem Buch weiter. Schon vorab hätte er Böhmermann gebeten, sich in der Show nicht zu sehr auf seinen jüdischen Glauben zu fokussieren. Der Moderator daraufhin: „Sorry, aber dein Judentum ist dein Unique Selling Point, da musst du jetzt durch.“

Verlag drängte darauf, Jan Böhmermann aus dem Buch zu nehmen

Wegen der Vorwürfe auf den bekannten TV-Moderator kam es zum Zerwürfnis mit Polaks ehemaligem Verleger, dem Kiwi-Verlag. Dieser drängte den Autor dazu, die entsprechenden Stellen aus dem Buch zu nehmen. Brisant: Böhmermann ist ebenfalls Autor beim Kiwi-Verlag. Das Buch erschien letztlich beim Suhrkamp-Verlag.

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Böhmermann-Attacke gegen Oliver Polak auf DVD

Und damit ist nicht Schluss: In einem Interview mit der Welt beschreibt Polak, wie Böhmermann ihn im Bonusmaterial auf einer Somuncu-DVD veräppelt. Dort gebe er ein Interview, hinter ihm stände Böhmermann - erneut mit Desinfektionsspray - und mache Gesten des Ekels, forme immer wieder mit dem Mund das Wort „Jude“.

Allerdings nennt Polak erneut keinen Namen. Er sagt: „Krank, so richtig besessen. Als ob diese Person etwas am Laufen hat mit diesem Machtgefälle, das Deutsche manchmal unbewusst anzapfen.“

Oliver Polak

Jan Böhmermann reagiert auf die Antisemitismus-Vorwürfe

Der ohnehin sehr Twitter-affine Jan Böhmermann antwortet über die Social-Media-Plattform unmittelbar auf die Vorwürfe.

Auch er erwähnt Polak nicht bei seinem Namen und schreibt: „Ich kann leider ohne eine angemessene Umsatzbeteiligung nicht an der nachträglichen Umdeutung von ultrakrassen Ficki-Ficki-Comedykarrieren in schillernde, sensible Intellektuellenbiografien mitwirken.“ Etwas abstrakt formuliert und doch ist die Botschaft klar: Polak, der für einen eher deftigen Humor bekannt ist und gerne austeilt, versuche sich nun zum Gesellschaftskritiker zu stilisieren - weil ihm das Geld einbringe.

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Zuvor sorgte Jan Böhmermann auf andere Art für Aufsehen

Einem absurden Streit zwischen einem Twitter-Nutzer und der Polizei Dortmund sollen nun 300 Kilo Kartoffeln ein Ende setzen. Auslöser für den Zwist, in den sich auch TV-Entertainer Jan Böhmermann (37) eingeklinkt hat, war ein aus Sicht der Polizei herabwürdigender Tweet des Users „Kartoffelotto“ vor etwa drei Wochen. Aus Ärger über die aus seiner Sicht überproportionale Polizeipräsenz rund um ein Fußballspiel des BVB hatte der Fußballfan die Beamten darin mit „Ihr seid ein absolut lachhafter Haufen“ beschimpft.

Die Polizei drohte daraufhin mit Anzeige und leitete formal Ermittlungen ein. Das Vorgehen der Polizei sorgte bei Twitter jedoch für Wirbel, erst recht als sich Jan Böhmermann auf „Kartoffelottos“ Seite schlug. Nach einigem Hin und Her - so hatte der Twitterer zwischenzeitlich eine formale Vorladung der Polizei erhalten - verzichtete die Polizei auf einen Strafantrag und lud stattdessen zu Kaffee und klärendem Gespräch.

bah

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