Coronavirus

Debatte um Impfpflicht: Laschet positioniert sich - doch es gibt einige Gegenstimmen

Mit den steigenden Corona-Zahlen ist eine Debatte um eine Impfpflicht in Deutschland entfacht. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet positioniert sich trotz Gegenstimmen.

Hamm - Sollen Menschen, die gegen das Coronavirus geimpft sind, mehr Freiheiten genießen dürfen als Ungeimpfte? In Deutschland ist jedenfalls eine Debatte um eine (indirekte) Impfpflicht entfacht, die genau zu einem solchen Szenario führen könnte. (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Debatte um Impfpflicht entfacht: Laschet positioniert sich - doch es gibt einige Gegenstimmen

Auslöser des Ganzen war Helge Braun (CDU). Der Kanzleramtschef hatte Einschränkungen für Nicht-Geimpfte ins Spiel gebracht. Er hatte der Bild am Sonntag gesagt, dass der Staat die Pflicht habe, die Gesundheit seiner Bürger zu schützen. Dies gelte auch für nicht gegen das Coronavirus Geimpfte. „Geimpfte werden definitiv mehr Freiheiten haben als Ungeimpfte“, sagte der CDU-Politiker. Damit löste er am Wochenende eine breite Debatte aus.

Sein Parteichef sprach sich bereits gegen diesen Vorstoß aus. CDU-Vorsitzender und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hält nichts von einer Impfpflicht, wie er im ZDF-Sommerinterview erklärte. Genauso wenig wie davon, „indirekt auf Menschen Druck zu machen, dass sie sich impfen lassen sollen.“

Viel mehr wolle er am aktuellen Prinzip festhalten: Menschen sollen geimpft, genesen oder getestet sein. Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft fürchte er auf Dauer nicht. Das Ziel müsse sein, die Corona-Pandemie so zu bekämpfen, dass „alle Freiheits- und Grundrechte wieder in Kraft gesetzt werden“. Es müsse alles dafür getan werden, die Deutschen zum Impfen zu bewegen. „Wenn wir im Herbst sehen, dass die Impfquote immer noch viel zu niedrig ist, muss man weiter nachdenken - aber nicht jetzt.“

Impfpflicht in Deutschland: Seehofer, Lauterbach und Kretschmann schließen es nicht aus

Doch es gibt auch andere Meinungen. „Das ist keine Diskriminierung der Nicht-Geimpften“, sagte etwa Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) im Interview mit RTL/ntv. Er achte es, wenn jemand sich aus persönlichen Gründen gegen eine Corona-Impfung entscheide. „Aber die nicht geimpfte Person muss auch einsehen, dass wir die Gesamtgesellschaft schützen müssen und deshalb nur die Geimpften zu größeren Gemeinschaftsveranstaltungen zulassen können.“

Rückendeckung in der Debatte um eine Impfpflicht in Deutschland gab es auch vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach: „Wir müssen leider mit deutlich steigenden Fallzahlen rechnen, wenn die Menschen aus den Ferien zurückkommen und sich im Herbst wieder verstärkt in Innenräumen begegnen“, sagte Karl Lauterbach der Süddeutschen Zeitung. Dann werde man „nicht mehr damit über die Runden kommen, die Getesteten den Geimpften und Genesenen gleichzustellen“.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält eine Impfpflicht inzwischen ebenfalls für denkbar - allerdings nicht in nächster Zukunft. „Für alle Zeiten kann ich eine Impfpflicht nicht ausschließen“, sagte er der dpa. „Es ist möglich, dass Varianten auftreten, die das erforderlich machen.“

Debatte um Impfpflicht als Konsequenz steigender Impfpflicht Corona-Zahlen in Deutschland

Auch Frank Ulrich Montgomery, der Vorsitzende des Weltärztebundes, befürwortet es, Corona-Geimpften mehr Freiheiten im Alltag zuzugestehen. Es gebe keinen Grund, Geimpften und Immunen ihre Grundrechte weiter vorzuenthalten, „nur weil ein paar ewige Skeptiker sich der Impfung entziehen“, sagte Ulrich Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es gehe nicht um Privilegien für Geimpfte, sondern um Grundrechtseinschränkungen.

FDP-Generalsekretär Volker Wissing forderte derweil mehr niedrigschwellige Impfangebote. „Anstatt mit Impfpflichten oder erneuten Kontaktbeschränkungen zu drohen, sollten die Verantwortlichen lieber alle Hebel in Bewegung setzen, damit die eingeschlafene Impfkampagne wieder Fahrt aufnimmt“, sagte er der Rheinischen Post. Konkret schlug er etwa wohnortnahe mobile Impfteams und Impfstationen in Einkaufszentren und Fußgängerzonen vor.

Mittlerweile wurde fast die Hälfte der Menschen in Deutschland wurde vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) am Montag (26. Juli/Stand 9.45 Uhr) sind inzwischen 49,4 Prozent der Gesamtbevölkerung voll geimpft. Das sind rund 41,1 Millionen Menschen. 50,6 Millionen - 60,9 Prozent - haben mindestens eine Impfdosis erhalten. Laut RKI wurden am Sonntag 119 376 Impfungen verabreicht. Das ist jedoch der niedrigste Tageswert seit dem 1. März.

Die Debatte um eine Impfpflicht nimmt auch dadurch an Fahrt auf, weil die Corona-Zahlen in Deutschland wieder steigen. Seit knapp drei Wochen entwickelt sich die Inzidenz kontinuierlich nach oben.

Rubriklistenbild: © Malte Krudewig/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare