Bei den Vereinten Nationen

Horst Köhler gibt politisches Comeback

+
"Horst Kohler" bei seiner neuen Arbeit.

New York - Lange war es still um Horst Köhler. Jetzt ist der Alt-Bundespräsident zurück in der internationalen Politik, bei den Vereinten Nationen in New York. Große Umstände will er darum nicht machen.

Die ganz große Bühne ist es nicht. Schon zwar die UN-Zentrale in New York. Aber nicht die Vollversammlung, wo diese Woche wieder - wie jedes Jahr gegen Ende September - die aktuellen Staats- und Regierungschefs aus aller Welt die großen Reden halten. Sondern nur das Nordgebäude, ein Zweckbau einige Meter weiter, zweite Etage, Konferenzsaal 6. Ein fensterloser Raum mit dem Charme einer Sparkasse. Vielleicht ist das für das politische Comeback von Horst Köhler aber auch der bessere Ort.

Zweieinhalb Jahre nach seinem überraschenden Abgang als Bundespräsident, der viele immer noch vor Rätsel stellt, ist der 69-Jährige zurück in der internationalen Politik. Köhler macht für Deutschland in einem Beratergremium mit, das sich um die Weiterentwicklung der „Millenniums-Ziele“ kümmert - ein Acht-Punkte-Programm für eine bessere Welt, das sich die Staatengemeinschaft zur Jahrtausendwende vorgenommen hatte, Umsetzung bis 2015. Man hatte damals schon eine Ahnung, dass das nicht einfach würde.

Aber das passt: Abgesehen von seinem Rücktritt ist von Köhlers Zeit als Staatsoberhaupt vor allem noch sein Engagement für die Entwicklungsländer in Erinnerung. Deshalb überlegte er nur kurz, als Kanzlerin Angela Merkel vor einigen Wochen fragte, ob er sich vorstellen könne, für die Vereinten Nationen tätig zu werden. Ziel ist nun eine neue „Entwicklungs-Agenda für den ganzen Planeten“. „Auch wir müssen begreifen, dass wir in einer Welt leben“, sagt er. „Nicht in einer ersten, zweiten oder dritten Welt.“

Der Bundespräsident - viele Aufgaben, wenig Macht

Der Bundespräsident - viele Aufgaben, wenig Macht

Und so ist der Ex-Präsident nun auf den tristen Fluren des UN-Nebengebäudes unterwegs. Viel Hektik ist hier. Aber „Horst Kohler“, wie das Namensschild lautet, wartet geduldig, bis er fürs Gruppenfoto aufgerufen wird. Dann hat er zumindest das Glück, neben Jordaniens Königin Rania stehen zu dürfen. Der Kreis aus 26 Leuten ist bunt gemischt. Damit das Ganze nicht zu weltfremd wird, sind auch aktive Politiker wie der britische Premierminister David Cameron dabei. Nächstes Jahr um diese Zeit soll dann der Abschlussbericht vorliegen.

Geplant sind ein halbes Dutzend Treffen an den verschiedensten Orten der Welt - eine ziemliche Abwechslung für Köhler, der heute mit seiner Frau Eva Luise einigermaßen zurückgezogen in Berlin und am Chiemsee lebt. Geld gibt es dafür nicht, aber die Kosten für Flug und Unterkunft trägt die Bundesregierung. Nach New York kam Köhler mit einer Linienmaschine. In der deutschen Vertretung, gleich gegenüber der UN-Zentrale, hat er ein kleines Eckzimmer zur Verfügung.

Viel Aufhebens will er um die neue Aufgabe nicht machen. Ein paar Sätze noch („Wir in den entwickelten Ländern werden weder unseren Wohlstand noch unseren Frieden erhalten, wenn wir uns nicht als Partner der Armen begreifen.“), das war's dann fast schon wieder. Bloß ein Ratschlag noch: „Sparen Sie sich die Schlagzeile: "Köhler will wieder was werden"! Diese Zeiten sind vorbei.“ Als der neue UN-Berater dann schon wieder einen Journalisten erblickt, sagt er nur noch: „Aha.“

dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare