Hochschulverband und Wissenschaftsrat: Plagiate keine Bagatelle

+
Bernhard Kempen vom Deutschen Hochschulverband kritisiert den Umgang der Politik mit Plagiaten.

Bonn - Abschreiben ist kein Kavaliersdelikt: Warum der Deutsche Hochschulverband und der Wissenschaftsrat in der Plagiatsaffäre scharfe Kritik an der Politik üben:

Der Wissenschaftsrat sieht durch die Debatte über die Plagiatsaffäre von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) das Ansehen der deutschen Forschung bedroht. Die öffentlich geäußerte “Geringschätzung der grundlegenden Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens lässt außer Acht, dass wissenschaftlicher Fortschritt und damit verbunden auch der Wohlstand unseres Landes maßgeblich auf der Einhaltung dieser Prinzipien beruhen“, kritisierte der Vorsitzende Professor Wolfgang Marquardt am Freitag.

Die deutsche Wissenschaft und deren Qualitätssicherungssysteme seien auch im internationalen Vergleich hoch anerkannt, unterstrich Marquardt. “Diese Reputation darf nicht durch die Bagatellisierung wissenschaftlichen Fehlverhaltens beschädigt werden.“ Umso wichtiger sei es, “auf der Einhaltung der diese Qualität sicherstellenden Standards zu bestehen und jede Missachtung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis streng zu verfolgen“. Dafür benötige die Wissenschaft auch die Unterstützung der Politik.

Das sagt zu Guttenberg in der Plagiatsaffäre

Das sagt zu Guttenberg in der Plagiatsaffäre

Auch der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat das Verhalten von Teilen der Politik in der Guttenberg-Plagiatsaffäre scharf kritisiert. “Die Marginalisierung schwersten wissenschaftlichen Fehlverhaltens durch höchste Repräsentanten unseres Staates ist empörend“, erklärte DHV-Präsident Bernhard Kempen am Freitag in Bonn. “Es ist unerträglich, wie die Bedeutung der Wissenschaft und ihrer ehernen Gesetze politisch kleingeredet wird.“ Der DHV protestiere nachdrücklich gegen diese Respektlosigkeit. “Wissenschaft ist kein Sandkasten, sondern ein elementar wichtiger Teil unserer Gesellschaft“, erklärte Kempen.

Plagiieren sei kein Bagatelldelikt. “Wissenschaft ist die Suche nach Wahrheit. Sie lebt von Originalität und Eigenständigkeit. Der redliche Umgang mit Daten, Fakten und geistigem Eigentum macht die Wissenschaft erst zu Wissenschaft. Plagiate erschüttern daher die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft“, erläuterte der DHV-Präsident. Sein Verband nehme daher die Einschätzungen und Äußerungen aus Teilen der Politik und der veröffentlichten Meinung über Plagiate mit “Befremden, teils auch mit Erschrecken“ zur Kenntnis.

Kempen ermahnte aber auch die eigenen Kollegen. Es sei die Aufgabe jedes Hochschullehrers, verstärkt auf Plagiate von Kollegen, Mitarbeitern und Studierenden zu achten. “Wegsehen“ sei falsch verstandene Kollegialität und selbst ein wissenschaftliches Fehlverhalten. Der Deutsche Hochschulverband ist die bundesweite Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland mit über 26 000 Mitgliedern.

dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare