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Hans-Dietrich Genscher (†89): Stationen seines Lebens

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Berlin - Als dienstältester Außenminister prägte FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher die deutsche und europäische Nachkriegspolitik entscheidend mit. Die wichtigsten Stationen:

21. März 1927: Hans-Dietrich Genscher wird in Reideburg/Saalkreis geboren. Nach Kriegsdienst und Ergänzungsabitur nimmt Genscher 1949 sein Jura-Studium auf.
1 / 1921. März 1927: Hans-Dietrich Genscher wird in Reideburg/Saalkreis geboren. Nach Kriegsdienst und Ergänzungsabitur nimmt Genscher 1949 sein Jura-Studium auf. © dpa
1952: Eintritt in die FDP.
2 / 191952: Eintritt in die FDP. © dpa
1969: Nach der Bundestagswahl ist Genscher maßgeblich an der Bildung einer sozialliberalen Koalition beteiligt und wird im Oktober als Innenminister in das Kabinett von Willy Brandt (SPD) berufen.
3 / 191969: Nach der Bundestagswahl ist Genscher maßgeblich an der Bildung einer sozialliberalen Koalition beteiligt und wird im Oktober als Innenminister in das Kabinett von Willy Brandt (SPD) berufen. © dpa
1972: Bei der Geiselnahme jüdischer Sportler während der Olympischen Spiele in München bietet sich Genscher als Austauschgeisel an, das wird aber von den palästinensischen Terroristen abgelehnt. Den tödlichen Ausgang des Dramas sieht Genscher als persönliche Niederlage und bietet seinen Rücktritt an.
4 / 191972: Bei der Geiselnahme jüdischer Sportler während der Olympischen Spiele in München bietet sich Genscher (3. von links) als Austauschgeisel an, das wird aber von den palästinensischen Terroristen abgelehnt. Den tödlichen Ausgang des Dramas sieht Genscher als persönliche Niederlage und bietet seinen Rücktritt an. © dpa
1974: Während der Spionage-Affäre um Günter Guillaume gerät auch Genscher als oberster Dienstherr des Verfassungsschutzes unter Druck. Nach dem Rücktritt Brandts übernimmt er den Posten des Außenministers und Vizekanzlers unter Helmut Schmidt (SPD). Genscher löst zudem Walter Scheel als Vorsitzenden der FDP ab.
5 / 191974: Während der Spionage-Affäre um Günter Guillaume gerät auch Genscher als oberster Dienstherr des Verfassungsschutzes unter Druck. Nach dem Rücktritt Brandts übernimmt er den Posten des Außenministers und Vizekanzlers unter Helmut Schmidt (SPD). © dpa
Genscher löst zudem Walter Scheel als Vorsitzenden der FDP ab.
6 / 19Genscher löst zudem Walter Scheel als Vorsitzenden der FDP ab. © dpa
ARCHIV - Altbundespräsident Walter Scheel (l) und der FDP-Vorsitzende Hans-Dietrich Genscher am 05.10.1980 im Thomas-Dehler-Haus in Bonn. Foto: Egon Steiner/dpa (zu dpa "Ex-Außenminister Genscher ist tot" vom 01.04.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
7 / 19Genscher 1980 mit dem Alt-Bundespräsidenten Walter Scheel. © dpa
Der damalige Außenminister Genscher 1982 mit der englischen Königin Elizabeth II.
8 / 19Der damalige Außenminister Genscher 1982 mit der englischen Königin Elizabeth II. © picture alliance / dpa
1982: Austritt der FDP-Mitglieder aus dem Kabinett Schmidt. Genscher unterstützt, gegen den linksliberalen Flügel seiner Partei, Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU und setzt sich für das konstruktive Misstrauensvotum gegen Schmidt ein.
9 / 191982: Austritt der FDP-Mitglieder aus dem Kabinett Schmidt. Genscher unterstützt, gegen den linksliberalen Flügel seiner Partei, Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU und setzt sich für das konstruktive Misstrauensvotum gegen Schmidt ein. © dpa
Oktober 1982: Nach der Wahl von Helmut Kohl (CDU) zum Bundeskanzler behält Genscher seine bisherigen Ämter. Zu seinen Zielen zählen die Weiterführung der Entspannungspolitik und des Ost-West-Dialogs mit der sich wandelnden UdSSR sowie das Zusammenwachsen Europas.
10 / 19Oktober 1982: Nach der Wahl von Helmut Kohl (CDU) zum Bundeskanzler behält Genscher seine bisherigen Ämter. Zu seinen Zielen zählen die Weiterführung der Entspannungspolitik und des Ost-West-Dialogs mit der sich wandelnden UdSSR sowie das Zusammenwachsen Europas. © dpa
1985: Wegen Kritik an seinem Führungsstil gibt Genscher sein Amt als FDP-Parteivorsitzender an Martin Bangemann ab.
11 / 191985: Wegen Kritik an seinem Führungsstil gibt Genscher sein Amt als FDP-Parteivorsitzender an Martin Bangemann ab. © dpa
30. September 1989: Auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag sagt Genscher: „Wir sind gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Nacht ihre Ausreise...“. Das Satzende geht im Jubel Tausender DDR-Flüchtlinge auf dem Botschaftsgelände unter. Später sieht Genscher diesen Moment als Höhepunkt seiner politischen Tätigkeit.
12 / 1930. September 1989: Auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag sagt Genscher: „Wir sind gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Nacht ihre Ausreise...“. Das Satzende geht im Jubel Tausender DDR-Flüchtlinge auf dem Botschaftsgelände unter. Später sieht Genscher diesen Moment als Höhepunkt seiner politischen Tätigkeit. © dpa
Juli 1990: Historisches Treffen von Kanzler Kohl und dem sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow im Kaukasus. Im Beisein von Genscher gelingt der Durchbruch auf dem Weg zur deutschen Einheit.
13 / 19Juli 1990: Historisches Treffen von Kanzler Kohl und dem sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow im Kaukasus. Im Beisein von Genscher gelingt der Durchbruch auf dem Weg zur deutschen Einheit. © dpa
Dezember 1991: Deutschland ist Ende Dezember das erste EG-Land, das Slowenien und Kroatien - wo man Genscher als Volkshelden und „Geburtshelfer“ der Souveränität feiert - anerkennt. Kritiker werfen der Bundesrepublik vor, den Balkankonflikt damit angeheizt und das Ende Jugoslawiens besiegelt zu haben.
14 / 19Dezember 1991: Deutschland ist Ende Dezember das erste EG-Land, das Slowenien und Kroatien - wo man Genscher als Volkshelden und „Geburtshelfer“ der Souveränität feiert - anerkennt. Kritiker werfen der Bundesrepublik vor, den Balkankonflikt damit angeheizt und das Ende Jugoslawiens besiegelt zu haben. © picture alliance / dpa
1992: Der Vizekanzler und dienstälteste Außenminister tritt auf eigenen Wunsch von seinen Ämtern zurück und wird zum Ehrenvorsitzenden der FDP ernannt.
15 / 191992: Der Vizekanzler und dienstälteste Außenminister tritt auf eigenen Wunsch von seinen Ämtern zurück und wird zum Ehrenvorsitzenden der FDP ernannt. © dpa
1998: Genscher scheidet nach 33 Jahren aus dem Bundestag aus.
16 / 191998: Genscher scheidet nach 33 Jahren aus dem Bundestag aus. © dpa
Hans-Dietrich Genscher 2007 mit Kanzlerin Angela Merkel.
17 / 19Hans-Dietrich Genscher 2007 mit Kanzlerin Angela Merkel. © dpa
Hans-Dietrich Genscher zusammen mit dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger, Bundespräsident Joachim Gauck und dem Ex-US-Außenminister James Baker.
18 / 19Hans-Dietrich Genscher zusammen mit dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger, Bundespräsident Joachim Gauck und dem Ex-US-Außenminister James Baker. © dpa
Am 1.4.2016 verstarb Hans-Dietrich Genscher an den Folgen eines Herz-Kreislauf-Zusammenbruchs. Zwei Wochen vor ihm war sein FDP-Nachfolger im Amt des Außenministers, Guido Westerwelle, an den Folgen eines Krebsleidens verstorben.
19 / 19Am 1.4.2016 verstarb Hans-Dietrich Genscher an den Folgen eines Herz-Kreislauf-Zusammenbruchs. Zwei Wochen vor ihm war sein FDP-Nachfolger im Amt des Außenministers, Guido Westerwelle, an den Folgen eines Krebsleidens verstorben. © dpa

Der langjährige Bundesaußenminister und FDP-Vorsitzende Hans-Dietrich Genscher ist am Donnerstag verstorben. Das teilte sein Büro am Freitag in Bonn mit. Die Bundesregierung würdigte den Verstorbenen in einer ersten Stellungnahme als einen "großen Staatsmann".

Genscher starb den Angaben seines Büros zufolge im Alter von 89 Jahren im Kreis seiner Familie in seinem Haus in Wachtberg-Pech. Als Todesursache wurde Herz-Kreislaufversagen angegeben. Medienberichten zufolge kämpfte Genscher in den vergangenen Wochen nach einer Wirbelsäulenoperation mit gesundheitlichen Problemen.

Der FDP-Politiker war von 1969 bis 1974 Bundesinnenminister und im Anschluss bis 1992 Bundesaußenminister und Vizekanzler gewesen. In seine Regierungszeit fielen das Olympia-Attentat 1972 in München, der Koalitionswechsel der FDP 1982 von SPD-Kanzler Helmut Schmidt zu CDU-Kanzler Helmut Kohl und die Wiederherstellung der deutschen Einheit 1990. Von 1974 bis 1985 war er Bundesvorsitzender der FDP, seit 1992 dann Ehrenvorsitzender der Partei.

Gauck: Genscher war "herausragende Persönlichkeit"

Bundespräsident Joachim Gauck nannte Genscher eine "herausragende Persönlichkeit in der Geschichte unseres Landes". Gauck erinnerte an die Rolle des Verstorbenen bei der deutschen Wiedervereinigung: "Beharrlich, allgegenwärtig und mit feinem Gespür für historische Momente hat er das friedliche Zusammenwachsen unseres Landes und unseres Kontinents vorangetrieben." Als Außenminister habe er Deutschland mit "seiner Verlässlichkeit und seinem diplomatischen Geschick" in der Welt ein Gesicht gegeben.

Vize-Regierungssprecher Georg Streiter würdigte den Verstorbenen als einen Staatsmann, der "wie ganz wenige die Geschicke Deutschlands mit beeinflusst hat". Der Verstorbene habe "Geschichte geschrieben". erklärte FDP-Chef Christian Lindner. "Wir sind dankbar für sein politisches Lebenswerk, das er in den Dienst der deutschen und europäischen Einigung sowie der liberalen Idee von Freiheit und Fortschritt gestellt hat."

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) würdigte Genscher als "großen Deutschen und großen Europäer". "Sein Platz in den Geschichtsbüchern ist ihm gewiss", erklärte Steinmeier am Rande eines Besuchs in Tadschikistan. "Der friedliche Ausgleich von Interessen mit den Mitteln der Diplomatie war seine Mission", sagte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) der "Bild"-Zeitung. Der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) nannte Genscher den "Stellwerksmeister der Einheit".

Deutsche Politik trauert um Hans-Dietrich Genscher

Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault würdigte Genscher als "einen der großen Akteure der Wiedervereinigung, der mit seinen politischen und menschlichen Qualitäten diese bedeutende Phase der europäischen Geschichte geprägt hat". Der FDP-Politiker sei auch "treibende Kraft hinter der deutsch-französischen Zusammenarbeit" gewesen.

"Wir trauern um einen großartigen Menschen und herausragenden Politiker", erklärten die Grünen-Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter. Unvergessen bleibe Genschers Auftritt in der deutschen Botschaft in Prag, als er den dorthin aus der DDR Geflüchteten die ihnen ermöglichte Ausreise als das Ergebnis seiner Verhandlungen mitteilen konnte. Genscher habe "die deutsche Geschichte entscheidend mitgeprägt", erklärten die Grünen-Parteichefs Simone Peter und Cem Özdemir.

"Mit ihm ist einer der international anerkanntesten und profiliertesten Politiker der Bundesrepublik Deutschland gestorben", erklärten die Linken-Fraktionschefs Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch. Frühzeitig habe er Entspannungspolitik und internationale Abrüstung unterstützt.

AFP

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