„Unfassbarer“ Vorgang

Sympathien für Halle-Attentäter: Junge Polizistin wegen Brieffreundschaft zu Stephan B. suspendiert

Der Attentäter von Halle, Stephan B., wird von Polizisten abgeführt.
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Stephan B. wird von Polizisten abgeführt. Der Rechtsextremist verübte vor zwei Jahren den Anschlag auf die Synagoge in Halle (Saale)

Der Halle-Attentäter wurde wegen zweier Morde und 68 versuchter Morde zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine Polizistin zeigte offenbar Verständnis für die Tat.

Halle/Bitterfeld - Der 9. Oktober 2019 erschütterte die Bundesrepublik. „Mich erfüllt Trauer über die Toten und mich ergreift Zorn über die nicht enden wollende Dummheit, Feigheit und Brutalität der Angriffe auf die jüdische Gemeinschaft in unserem Land“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier damals.

Der Rechtsextremist Stephan B. wollte einen Anschlag auf die Synagoge in Halle verüben, scheiterte aber daran, in das Gotteshaus zu gelangen. Daraufhin erschoss er zwei Menschen auf offener Straße, eine Passantin und einen Gast in einem Döner-Imbiss. Der Attentäter wurde mittlerweile zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Im Gefängnis erhielt er offenbar Briefe einer Polizistin.

Halle: Polizistin pflegte wohl Brieffreundschaft zu Stephan B. - suspendiert

Eine junge Polizeikommissarin aus Bitterfeld soll eine monatelange Brieffreundschaft mit dem Attentäter geführt haben. Wie die Mitteldeutsche Zeitung sowie die Süddeutsche Zeitung, der NDR und der WDR übereinstimmend berichten, wurde die Beamtin vom Dienst suspendiert.

Die Polizistin, die im Revier in Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) gearbeitet habe, hat den Berichten zufolge Verständnis für Stephan B. geäußert. Die Frau soll im Sommer gegenüber Kollegen den Anschlag relativiert und sich positiv über den Attentäter geäußert haben. Daraufhin seien ihre Vorgesetzten informiert worden.

Video: Halle-Attentäter: Brieffreundschaft mit Polizistin geführt

Die Briefe der Polizistin wurden anschließend in der Zelle des Attentäters gefunden. Sie habe B. unter falschem Namen und falscher Adresse geschrieben. Es soll sich um mehr als zehn Schreiben im Zeitraum mehrerer Monate handeln. Über die Polizistin ist indes wenig bekannt. Beruflich soll sie nicht speziell mit Ermittlungen wegen Terrorismus oder anderer Hassverbrechen betraut gewesen sein, auch nicht mit dem Schutz jüdischer Einrichtungen.

Halle: „Solche Irren scheint es leider überall zu geben“ - Grüne planen Aufklärung im Landtag

Die Grünen* wollen die Medienberichte nun im Landtag von Sachsen-Anhalt aufklären. Der innenpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Sebastian Striegel, forderte am Dienstag, dafür schnellstmöglich den Innenausschuss zu konstituieren. Der Vorgang sei „unfassbar“, teilte Striegel mit. „Was wir jetzt brauchen, ist zügige Aufklärung.“

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle, Max Privorozki, sprach gegenüber der SZ von einem erschütternden Bericht. „Ich habe trotz dieses wahnsinnigen Falls Vertrauen in die Polizei. Solche Irren scheint es leider überall zu geben.“ (as)

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