Die Guttenbergs auf Truppenbesuch: "Kein spaßiger Ausflug"

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Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) und seine Frau Stephanie sitzen am Montag auf dem Flug nach Afghanistan im Cockpit einer Transall.

Kabul - Überraschung für die deutschen Soldaten in Afghanistan: Verteidigungsminister Guttenberg kommt zu Besuch - und bringt seine Frau mit. Eine Reise, die nicht ohne Risiko ist - und zu Hause auch für harsche Kritik sorgt.

Roter Teppich, sie im schicken Abendkleid, er im dunklen Anzug oder Smoking: So kennt man die Guttenbergs von gemeinsamen Auftritten auf Bällen, Benefizgalas oder bei Festspielen. Ganz anders das Bild des Paares nach der Landung in Afghanistan.

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Über die Verladerampe eines Bundeswehr-Transportflugzeugs betreten sie Montag früh das Rollfeld von Masar-i-Scharif, dem Hauptstandort der deutschen Truppen in Nordafghanistan. Beide tragen Splitterschutzwesten. Ohne die transportiert die Bundeswehr in Afghanistan auch Minister und ihre Frauen nicht auf dem Luftweg.

Von Masar-i-Scharif geht es sofort weiter nach Kundus, der gefährlichsten Provinz in Norden des Landes. Die Guttenbergs steigen in unterschiedliche Hubschrauber - aus Sicherheitsgründen, um die Wahrscheinlichkeit gering zu halten, dass bei einem Angriff beiden gleichzeitig etwas zustößt. Es ist schon häufiger vorgekommen, dass Hubschrauber der Bundeswehr von den radikalislamischen Taliban beschossen wurden.

Truppenbesuch: Zu Guttenberg mit Ehefrau Stephanie in Afghanistan

Truppenbesuch: Zu Guttenberg mit Ehefrau Stephanie in Afghanistan

“Das ist kein spaßiger Ausflug“, sagt Stephanie zu Guttenberg nach ihrer Ankunft in Kundus. Mulmig wurde ihr beim einstündigen Flug nicht. “Von Angst darf man sich hier nicht überwältigen lassen, sonst ist man eindeutig am falschen Platz.“

Sie hatte die Reisen ihres Mannes ins Einsatzgebiet zuvor nur aus der Ferne verfolgt - und das nicht ganz ohne Skepsis. Einmal gab es richtig Ärger: Als sich “KT“ - wie Guttenberg von Freunden genannt wird - im Juli spontan entschloss, auf einer Afghanistan-Reise die sicheren Mauern der Feldlager zu verlassen und einen Abstecher ins Kampfgebiet zu machen, erfuhr seine Frau aus dem Radio davon. Der Frontbesuch wurde wegen eines schweren Gefechts in letzter Minute abgesagt. Zu Hause wurde der Minister mit einer Standpauke empfangen.

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Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Stephanie zu Guttenberg längst vorgenommen, ihren Mann irgendwann einmal nach Afghanistan zu begleiten. Zu Weihnachten sah das Paar den richtigen Zeitpunkt gekommen. “Meine Motivation ist, dass ich immer einmal als Frau, Ehefrau und Mutter hier runter kommen wollte und mir ein Bild von der Lage machen wollte“, sagt die 34-Jährige. Sie wollte endlich sehen, worüber sie mit ihrem Mann so oft redet.

Bei ihren acht und zehn Jahre alten Töchtern musste das Paar zunächst Überzeugungsarbeit leisten. “Begeistert waren sie nicht“, sagt Stephanie. Vor allem ein Argument habe die Kinder schließlich überzeugt: Dass die Soldaten fern der Heimat auch einen Weihnachtsgruß verdient hätten.

SPD und Linke sprachen von einer Weihnachtsinszenierung und auch in der Koalition wurde hinter vorgehaltener Hand Unmut über den Besuch geäußert.

Das Paar hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Er ist seit Monaten in den Umfragen der beliebteste Politiker und wurde bereits als Kanzlerkandidat und künftiger CSU-Chef gehandelt. Sie katapultierte sich mit ihrem Buch zum Thema Kindesmissbrauch in die Schlagzeilen, bekam allerdings auch die Schattenseite öffentlicher Aufmerksamkeit zu spüren. Für ihre Moderation der RTL2-Sendung “Tatort Internet - Schützt endlich unsere Kinder“ musste sie heftige Kritik einstecken.

Trotzdem werden die Guttenbergs seit Monaten von den Medien als die “fränkischen Kennedys“ oder das “konservative Traumpaar“ gefeiert. “Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo setzte den Lobeshymnen buchstäblich die Krone auf, als er in einer Talkshow sagte, die Guttenbergs befriedigten “die Sehnsucht der Deutschen nach einer Königsfamilie“.

Das ist Afghanistan

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Der Verteidigungsminister hat in den vergangenen Monaten vehement versucht, den Jubelarien entgegenzuwirken. Er weiß nur zu gut, dass ein solcher Hype zum falschen Zeitpunkt in der Politik nach hinten losgehen kann. Die Risikofreude haben sich die Guttenbergs nicht nehmen lassen. Der Afghanistan-Besuch ist nicht ohne Gefahren. Das gilt sowohl für die immer angespannte Sicherheitslage vor Ort als auch für die öffentliche Wahrnehmung in Deutschland.

Die Ministergattin gab sich redlich Mühe, im Einsatzgebiet so unspektakulär wie möglich zu wirken. Sie hielt sich weitgehend im Hintergrund und ging eigene Wege. Eine Talkshow mit Star-Moderator Johannes B. Kerner in einem Flugzeug-Hangar in Masar-i-Scharif ließ sie ihren Mann alleine bestreiten. In Kundus ließ sich die 34- Jährige von einer der 132 in Afghanistan stationierten deutschen Soldatinnen durch das Lager führen und besuchte in Masar-i-Scharif das Feldlazarett. Nur vereinzelt posierte sie zusammen mit ihrem Mann für ein Erinnerungsfoto.

Von Michael Fischer

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