„Leider müssen wir das tun“

Kurz vor Hamburg-Wahl: Greta Thunberg kommt zu Demo - hat das noch Einfluss aufs Ergebnis? 

+
Klimaaktivistin Greta Thunberg war zuletzt 2019 in Hamburg.

Greta Thunberg hat vor, eine Marke anzumelden - ihre eigene Klima-Bewegung „Fridays for Future“. Ihre Begründung dafür klingt drastisch.

  • Greta Thunberg lässt den Begriff „Fridays for Future“ als Marke schützen.
  • Auf Instagram postete die 17-jährige Klima-Aktivistin eine ausführliche Erklärung dazu.
  • Jetzt könnte Thunberg ein österreichisches Unternehmen das Patent vor der Nase wegschnappen.

Update vom 14. Februar, 10.00 Uhr: Greta Thunberg kommt nach Hamburg - und zwar am 21. Februar, also nur zwei Tage vor der Bürgerschaftswahl in der Hansestadt. Thunberg kommt nach Hamburg, um dort an einer Fridays-for-Future-Demo teilzunehmen. „Der Besuch von Greta Thunberg zeigt, dass Fridays for Future sich genauso wenig wie die Klimakrise an Landesgrenzen hält und Hamburg an dem Tag im Fokus der europäischen Aufmerksamkeit stehen wird“, sagte Mitorganisator Arnaud Boehmann. Weiter betonte er, die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft am 23. Februar sei keine regionale Sache, sondern ein ganz entscheidender Akzent für Klimapolitik deutschlandweit.

An ihrem geplanten Besuch in einer Woche wird Thunberg zum zweiten Mal in der Hansestadt sein. Zu der Klima-Demonstration werden insgesamt etwa 30 000 Teilnehmer erwartet. Die junge schwedische Klimaaktivistin wird eine Rede halten, außerdem soll die Hamburger Hip-Hop-Gruppe Fettes Brot auftreten. Vor beinahe exakt einem Jahr, am 1. März 2019, hatte Thunberg zum ersten Mal an einem Klimastreik in Hamburg teilgenommen.

Greta Thunberg will „Fridays for Future“ schützen lassen - jetzt könnte ihr ein Unternehmen zuvorkommen

Update vom 13. Februar: Erst vor wenigen Wochen hatte Greta Thunberg den Antrag gestellt „Fridays for Future“ als Marke schützen zu lassen. Damit wolle sie vor allem die ungefragte und unerwünschte Kommerzialisierung der drei Worte gewährleisten, die weltweit seit 2018 für eine Jugendbewegung stehen, die sich massiv für den Klimaschutz einsetzt. In Deutschland und Österreich könnte ihr nun die Firma kitzVenture zuvor kommen. Das österreichische Unternehmen hat in Deutschland Anträge für die Patente auf „Fridays for Future Germany“ und „Fridays for Future Austria“ gestellt. 

Das Unternehmen hat in Österreich bereits des Öfteren für Aufsehen gesorgt, weil es sich Standardausdrücke wie etwa „Tiroler Madl“ patentieren lassen will. Die „Fridays for Future“-Patente sollen aber nicht der Gewinnerzielung dienen, so das Unternehmen mit Sitz in Tirol. Vielmehr wolle man die geschützten Markennamen Greta Thunbergs Stiftung „Stiftelsen The Greta Thunberg and Beata Ernman Foundation“ schenken. Alles für den guten Zweck also, behauptet Geschäftsführer Patrick Landrock im Interview mit der Tiroler Tageszeitung (TT) „Wir haben kein Interesse, diese Marken wirtschaftlich zu nutzen.“ Diese altruistische Handlung wäre neu für das Unternehmen. 

KitzVenture-Geschäftsführer und Anwalt Landrock sei in Deutschland vor allem dafür bekannt, Unternehmen wegen „mangelhaften Impressums oder fehlender Datenschutzerklärung abmahnt und Kostenersatz verlangt“, berichtet die TT. Demnach sollen sich bereits deutsche Anwälte darauf spezialisiert haben, Unternehmen gezielt gegen die Landrock-Klagen zu verteidigen.

Greta Thunberg: „Ich entschuldige mich bei allen“ - überraschender Schritt mit „Fridays for Future“

Ursprungsmeldung vom 29. Januar 2020: 

Stockholm -  Wo „Fridays for Future“ drauf steht, soll auch „Fridays for Future“ drin sein. Der Name solle vor Missbrauch geschützt werden - deshalb hat Greta Thunberg* jetzt den Schutz ihres Namens und den ihrer Klima-Bewegung als Marken beantragt. Beide würden ständig und ohne Zustimmung für kommerzielle Zwecke genutzt, erklärte die 17-jährige Schwedin auf Instagram: „Deshalb habe ich beantragt, meinen Namen, Fridays For Future, Skolstrejk för klimatet usw. als Marken registrieren zu lassen“ „Skolstrejk för klimatet“ ist die schwedische Parole der Klima-Bewegung - auf Deutsch: „Schulstreik fürs Klima“.

Wird jetzt wohl zur offiziellen Marke: Greta Thunberg

Thunberg erklärt auf Instagram, sie und ihre Mitstreiter hätten absolut kein Interesse an Marken. Leider müsse dieser Schritt jedoch getätigt werden. Zuerst hatte die Wochenzeitung Die Zeit über Thunbergs Vorstoß berichtet. Demnach ist ein entsprechender Antrag bereits im Dezember 2019 beim EU-Amt für geistiges Eigentum eingegangen. Antragsteller sei die Stiftung „Stiftelsen The Greta Thunberg and Beata Ernman Foundation“ mit Sitz in Stockholm, die von Thunberg und ihrer Familie* gegründet worden sei.

Video: Wer ist Greta Thunberg?

Greta Thunberg will sich eigene Marke sichern lassen: „Leider müssen wir das tun“

Es sei eine gemeinnützige Stiftung, teilt Thunberg in dem ungewöhnlich langen Instagram-Post mit, die transparent zum Beispiel mit Buch*-Tantiemen, Spenden und Preisgeldern umgehen werde. Die Stiftung werde sich für ökologische, klimatische und soziale Nachhaltigkeit sowie mentale Gesundheit einsetzen. 

In ihrem Instagram-Post informiert Greta Thunberg auch über Betrug mit ihrem Namen: „Es gibt Individuen, die sich als mich ausgeben oder behaupten, sie würden mich ‚vertreten‘, um mit hochrangigen Personen, Politikern, Medien, Künstlern und so weiter in Kontakt zu kommen. Bitte seid gewarnt, dass es das gibt und seid skeptisch, falls ihr von ‚mir‘ kontaktiert werdet“, warnte Thunberg. „Ich entschuldige mich bei allen, denen das schon passiert ist“, fährt sie fort. „Fridays for Future ist eine von mir gegründete globale Bewegung. Sie gehört allen, die sich an ihr beteiligen, vor allem den jungen Leuten. Sie kann - und darf - nicht für individuelle oder kommerzielle Zwecke genutzt werden.“

Zu der von Greta ins Leben gerufenen Klimabewegung äußerte sich kürzlich auch Bundestrainer Jogi Löw. Und auch zu Greta Thunberg selbst vertritt er eine deutliche Meinung

Greta Thunberg: Markenrecht auf „Fridays for Future“: „Es gibt keine Absicht, daraus Geld zu machen“

Wie Die Zeit recherchiert hat, will auch eine Mitstreiterin Thunbergs, Janine O'Keeffe, sich das Markenrecht für bestimmte Produkte mit der Parole „Fridays for Future" sichern - zum Beispiel für Rucksäcke oder Mützen. „Es gibt keine Absicht, daraus Geld zu machen“, sagte O’Keeffe zu der Zeitung. Wie Thunberg will sie die Klima-Bewegung vor Missbrauch schützen. 

Dass „Fridays for Future“ eine gewisse Strahlkraft hat, lässt sich schwer bestreiten. Beim „Anglizismus des Jahres“ ging der Zusatz „...for Future“ in Berlin gerade als Sieger hervor. Die Bewegung wird von Aktivisten weltweit getragen. Greta Thunberg indes hat vor Kurzem möglicherweise ihren Rückzug als Aktivistin angekündigt. Die schwedische Klimaaktivistin muss sich oft der Kritik verschiedener Akteure stellen. Nun äußerte sich der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor (CDU) zu Greta Thunberg - und er stellt eine brisante Theorie auf. Auch Parteikollege Friedrich Merz hat seine eigene Hypothese zu Greta und ihren Mitstreiter*innen. 

Greta Thunberg und der FC Bayern München? Eigentlich haben beide wenig miteinander zu tun. Doch Mehmet Scholl nannte einen FCB-Star nun „Greta Thunberg des deutschen Fußballs“. Auf Twitter hat Greta Thunberg nun versucht, Erwachsene wachzurütteln - doch viele fühlen sich davon persönlich beleidigt.

Auch an Karneval ist Greta ein Thema - jedoch weniger wegen ihres Kampfs um das Klima, sondern als Kostüm-Trend.  

frs mit dpa

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare