Grass protestiert gegen Abschiebung von Roma

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Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass protestiert gegen die Abschiebung von Roma.

Berlin - Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hat vor einer massiven Abschiebung von Roma aus der Bundesrepublik gewarnt. Diese sei “ein Skandal für Deutschland".

“Da schaut ganz Europa auf Frankreich und empört sich über den Umgang mit den Vertriebenen und Armutsflüchtlingen der Roma aus Rumänien, und zur gleichen Zeit ist eine Abschiebeaktion großen Ausmaßes von Deutschland in den Kosovo im Gange“, erklärte Grass in einem Offenen Brief an Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und die Landes-Innenminister am Dienstag.

Die deutschen Pläne stellten die französischen Maßnahmen in den Schatten, schrieb Grass, der eine Stiftung zugunsten der Roma mitgegründet hat. Dies sei “ein Skandal für Deutschland und eine Hypothek für den europäischen Frieden“, erklärte der 83-Jährige.

Die deutschen Literatur-Nobelpreisträger

Die deutschen Literatur-Nobelpreisträger

Mit der Abschiebung tausender Roma nach Bulgarien und Rumänien hatte Frankreich wochenlang für Schlagzeilen gesorgt. In Deutschland leben 8500 Roma aus dem Kosovo, die grundsätzlich ausreisepflichtig sind. Die Bundesrepublik hat aber zugesagt, dass es keine Massenabschiebungen, sondern eine Fortsetzung der schrittweisen Rückführung in den Balkan-Staat geben werde.

Kinder, die in Deutschland geboren sind und dort über 15 Jahre gelebt haben, würden mit ihren Familien ins Nichts geschickt, schrieb Grass. “Keine Unterkunft, kein Essen, keine sozialen Kontakte, keine Schulen, keine Arbeit, so sieht die Wirklichkeit der in den Kosovo verstoßenen Menschen aus.“ Diese Menschen seien “an Leib und Leben bedroht“.

Grass forderte die Bundesregierung und alle deutschen Länder- Regierungen auf, ihre Entscheidungen umgehend zu revidieren. Die UNESCO-Menschenrechtsbeauftragte und der Menschenrechtskommissar des Europarates hätten sich schon vor Wochen entsprechend geäußert. “Es ist höchste Zeit zu handeln, dieses Unrecht wächst von Tag zu Tag“, betonte der Schriftsteller.

dpa

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