Gorch-Fock-Bericht: Fehler vertuscht?

Berlin - Ein Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, glaubt, dass die Marine ihre Fehler im Gorch-Fock-Bericht vertuschen will. Ein CSU-Politiker fordert unterdessen die Rückkehr des Kapitäns.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, hat den Untersuchungsbericht der Marine zu den Vorgängen auf dem Schulschiff “Gorch Fock“ bemängelt. “Ich habe den Eindruck, dass die Marine hier versucht, weich zu zeichnen“, sagte Arnold der in Halle erscheinenden “Mitteldeutschen Zeitung“.

In dem Untersuchungsbericht waren die nach dem Tod einer Kadettin erhobenen Vorwürfe gegen die Schiffs-Leitung weitgehend als unhaltbar bewertet worden. Unhaltbare Missstände habe es auf der “Gorch Fock“ nicht gegeben. Allerdings mahnten die Ermittler eine Verbesserung der Dienstaufsicht an.

Arnold sagte: “Ich unterschreibe die Bewertung nicht. Denn wenn man den Bericht genau liest, dann stellt man fest, dass es schwerwiegende Fehlentwicklungen gibt.“ So seien Soldaten gezwungen worden, in die Takelage zu steigen, obwohl sie dies nicht wollten. Schikane werde kleingeredet. Zudem hätten die Unteroffiziere auf dem Schiff “mehr oder weniger das Sagen“ gehabt. Er erwarte, dass die Marine diese Fehlentwicklungen abstellt. Arnold: “Das ist nicht Sache der Politik.“

Arnolds Parteifreund Hans-Peter Bartels kam zu einer anderen Bewertung des 98-seitigen Berichts: Die Zukunft der “Gorch Fock“ sei gesichert, der abgesetzte Kommandant Norbert Schatz müsse rehabilitiert werden, sagte der SPD-Verteidigungsexperte der “Financial Times Deutschland“. Ähnlich hatte sich zuvor auch der Grünen-Politiker Omid Nouripour geäußert.

Forderung: "Gorch-Fock"-Kapitän wieder einsetzen

Auch der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ernst-Reinhard Beck, setzte sich für die Rehabilitierung des “Gorch-Fock“-Kapitäns Norbert Schatz ein. Schatz war vom früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wegen der Affäre (CSU) abgesetzt worden.

Dem Kommandanten des Segelschulschiffs dürfe aus den Vorwürfen, die durch den Untersuchungsbericht weitgehend widerlegt seien, “kein Nachteil erwachsen“, sagte Beck der “Financial Times Deutschland“ (Dienstag). Schatz habe nach den Ergebnissen der Untersuchungskommission ein Anrecht darauf, von “jeglichem Makel befreit zu werden“. Die Rehabilitierung hatte auch der Grünen-Politiker Omid Nouripour gefordert. Beck setzte sich dafür ein, die “Gorch Fock“ auch in Zukunft als Segelschulschiff einzusetzen.

“Ich kann der Marineführung nur dringend anraten, Herrn Schatz wieder in sein Kommando einzusetzen“, sagte auch der CDU-Abgeordnete und Marine-Experte Jürgen Hardt der “Rheinischen Post“ (Dienstag). “Es wäre schön, wenn die Gorch Fock in Kiel wieder unter dem Kommando von Norbert Schatz einfahren könnte.“

Der Untersuchungsbericht war in der vergangenen Woche an den Marineinspekteur Axel Schimpf übergeben und an die Abgeordneten weitergeleitet worden. An diesem Mittwoch wird sich der Verteidigungsausschuss damit befassen. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass sich die Vorwürfe gegen die Schiffsleitung “zum großen Teil als nicht haltbar“ erwiesen hätten. Allerdings mahnten die Ermittler eine Verbesserung der Dienstaufsicht an.

“Gorch-Fock“-Kapitän Schatz war vom früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) für die Zeit der Ermittlungen abgesetzt worden. Guttenbergs Nachfolger Thomas de Maizière (CDU) will die Aufklärung der Affäre nicht mehr als Chefsache behandeln.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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