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„Gaspreisdeckel“ statt Gasumlage: Was bedeutet das für Verbraucher?

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Von: Hannah Decke

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Die Gasumlage steht vor dem Aus, noch bevor sie in Kraft getreten ist. Die Forderungen nach einem Gaspreisdeckel werden lauter. Doch was würde das bedeuten?

Hamm - Millionen Haushalte in Deutschland blicken sorgenvoll auf den Herbst und Winter. Die Energiekosten sind zuletzt stark gestiegen und mit der angekündigten Gasumlage ab dem 1. Oktober werden die Verbraucher finanziell noch stärker belastet - wenn sie denn kommt. Denn es gibt einen Hoffnungsschimmer für Verbraucher: Die Gasumlage könnte noch vor Inkrafttreten am Samstag gekippt werden. Als Alternative soll es einen Preisdeckel, auch Gaspreisbremse genannt, geben. Das würde Millionen Haushalte entlasten, den Staat aber Milliarden kosten.

Gasumlage vor dem Aus: Lindner stellt sich „wirtschaftliche Sinnfrage“

Am 1. Oktober 2022 soll die Gasumlage in Kraft treten. Endverbraucher müssen dann 2,419 Cent zusätzlich pro Kilowattstunde Gas bezahlen. Mit dem Geld sollen Gasimporteure finanziell unterstützt und drohende Insolvenzen der Energieunternehmen verhindert werden, damit die Gasversorgung in Deutschland nicht gefährdet wird. Für Millionen Haushalte bedeutet das erhebliche Mehrkosten bei ohnehin stark gestiegenen Energiepreisen.

Doch die Gasumlage wackelt. Sie könnte noch vor dem Start gekippt werden. Seit Wochen mehrt sich die Kritik an der geplanten Maßnahme. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) sagte der Bild am Sonntag (25. September): „Es stellt sich mir bei der Gasumlage weniger die Rechtsfrage, sondern immer mehr die wirtschaftliche Sinnfrage.“ Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), der die umstrittene Umlage einst auf den Weg brachte, sieht finanzverfassungsrechtliche Fragen zu klären.

Preisbremse statt Gasumlage: Das würde der alternative „Gaspreisdeckel“ bewirken

Das Aus für die Gasumlage scheint also nahezu sicher zu sein. Doch was ist die Alternative? Das Stichwort lautet: Preisdeckel. „Wir haben eine Gasumlage, die den Preis erhöht. Aber wir brauchen eine Gaspreisbremse, die den Preis senkt“, sagte Lindner zu Bild.

Die Grundidee dahinter: Ein Haushalt bekommt ein festgelegtes Grundkontingent an Gas, das zu einem gedeckelten Preis abgegeben wird. Die Differenz zum eigentlichen Preis übernimmt der Staat. Wird mehr verbraucht, muss dann auch der jetzige, also teurere, Preis bezahlt werden. Bei einer Deckelung des Gaspreises gibt es allerdings verschiedene Modelle.

Die CSU im Bundestag hatte etwa vorgeschlagen, bei Privathaushalten „75 Prozent des bisherigen Gasbezugs mit einem Bürger-Basispreis zu deckeln.“ Somit wäre der Anreiz zum Energiesparen noch weiter gegeben. Ein anderes Modell sieht etwa vor, dass die Kostenübernahme durch den Staat gar nicht für alle Verbraucher gilt, sondern nur für Haushalte mit besonders hoher Belastung - wenn also die Deckelung überschritten wird.

Gaspreisdeckel würde Staat 2,5 Milliarden Euro je Cent und Kilowattstunde kosten

Ein Preisdeckel wäre mit hohen Kosten für den Staat verbunden - und genau darüber wird aktuell diskutiert. Die Bundesregierung hat jetzt erstmals Zahlen zu den Kosten einer möglichen Deckelung der Gas- und Strompreise genannt. Um den Endverbraucherpreis bei Gas um einen Cent je Kilowattstunde zu senken, wäre aus der Staatskasse ein Betrag von 2,5 Milliarden Euro nötig, heißt es in einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Linken-Anfrage, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorlag. Bei Strom wären es demnach 1,3 Milliarden Euro pro Cent und Kilowattstunde.

Ein durchschnittlicher Einfamilienhaushalt mit einem jährlichen Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden würde laut Bericht mit jedem erlassenen Cent pro Kilowattstunde etwa 200 Euro im Jahr sparen. Bei einem Single-Haushalt mit 5000 Kilowattstunden Gasverbrauch wären es demnach 50 Euro im Jahr.

Ob die Gasumlage kommt oder nicht - Verbraucher müssen sich auf noch weitere Umlagen einstellen, die für Mehrkosten sorgen.

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