Gaddafi im TV: "Mein Volk liebt mich"

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Vollkommen entrückt: Muammar al-Gaddafi behauptet, es gäbe keine Unruhen in Libyen.

Washington - Muammar al-Gaddafi sorgt wieder mit einem verstörenden Auftritt für Aufsehen: Im TV-Interview zeigt sich der libysche Diktator komplett entrückt.  

Der libysche Diktator Muammar al-Gaddafi hat sich in einem Interview mit internationalen Medien als vollkommen entrückt gezeigt: Gewalt gegen Demonstranten bestritt er, an Flucht denke er nicht. “Sie lieben mich, mein ganzes Volk steht zu mir, sie lieben mich“, sagte er am Montag in dem Gespräch mit drei Journalisten aus Großbritannien und den USA, darunter des US-Fernsehsenders ABC. Auf die Frage, ob er bereit sei, Libyen zu verlassen, sagte er begleitet von einem Lachanfall: “Wer verlässt denn seine Heimat? Warum sollte ich meine Heimat verlassen?“

ABC-Korrespondentin Christiane Amanpour beschrieb den Staatschef als “entspannt und konzentriert“. Gaddafi habe mit dem Interview in einem Strandrestaurant offenbar demonstrieren wollen, dass es sich nicht in irgendeinem Bunker verstecke und weiterhin alle Fäden in der Hand halte. Er habe sich zu dem Gespräch bereiterklärt, damit die Wahrheit bekanntwerde, habe er den Reportern gesagt.

Die tagelangen, massiven Proteste verleugnete der Machthaber: “In den Straßen gibt es keine Demonstrationen“, sagte er den Journalisten. Bei den Oppositionellen handele es sich um Mitglieder der Terrororganisation Al-Kaida, “nicht um mein Volk“. Auch die Gewalt seine Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten bestritt er: Das sei “eine hundertprozentige Lüge,“.

Von den USA fühle er sich verraten. “Ich bin überrascht, dass wir eine Allianz mit dem Westen haben, um gegen Al-Kaida zu kämpfen, und jetzt, wo wir gegen Terroristen kämpfen, werden wir verlassen“, sagte er. “Vielleicht wollen sie Libyen besetzen.“ US-Präsident Barack Obama nannte er einen “guten Mann“, dem man allerdings “Fehlinformationen“ gegeben habe. “Die Äußerungen, die ich von ihm gehört habe, müssen von jemand anderem kommen“, sagte Gaddafi. “Amerika ist nicht der Weltpolizist.“

dpa

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