Friedrich: Daran scheitert die Integration von Türken

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Bundesinnenminister Friedrich hält die deutsche Integrationspolitik für Türken für teilweise verfehlt

Berlin - Bundesinnenminister Friedrich hält die deutsche Integrationspolitik für Türken für teilweise verfehlt. Auch der türkische Ministerpräsident Erdogan macht der Regierung diesbezüglich Vorwürfe - doch aus anderen Gründen.

“Wir haben es leider zugelassen, dass sie in Bezirken zusammenwohnen, in denen sie den Kontakt zu Deutschen nicht haben oder haben wollen“, sagte der CSU-Politiker am Mittwoch im ZDF-“Morgenmagazin. Vor 50 Jahren hatte die BRD ein Anwerbeabkommen mit der Türkei geschlossen.

Hans-Peter Friedrich sprach sich zudem gegen eine doppelte Staatsbürgerschaft aus. Wer in Deutschland bleiben wolle, müsse deutscher Staatsbürger werden. “Und dann sind sie eben keine Türken mehr“, sagte er. Außerdem müsse die erste Sprache junger Türken in der Bundesrepublik aus Sicht von Friedrich Deutsch und nicht Türkisch sein. Heute leben über 2,5 Millionen türkischstämmige Menschen in Deutschland.

Erdogan wirft Bundesregierung Fehler bei Integration vor

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat der Bundesregierung unterdessen ebenfalls Fehler bei der Integration türkischstämmiger Zuwanderer vorgeworfen. “Die deutsche Politik würdigt die Verflechtung der drei Millionen Türken in Deutschland nicht genug“, sagte Erdogan der Bild-Zeitung aus Anlass des 50. Jahrestages des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. “Die erste Generation waren Gäste. Viele sind geblieben und denken jetzt nicht mehr daran zurück zu kehren. Es gibt bereits 72.000 türkische Arbeitgeber mit 350.000 Arbeitsplätzen. Der Gastarbeiter von gestern wird langsam auch Arbeitgeber, Akademiker, Künstler“, sagte der türkische Premier. Das türkische Volk sehe das deutsche Volk immer noch mit sehr positiven Gefühlen an. Deswegen sollte Deutschland mit der Türkei viel mehr Solidarität zeigen.

Erdogan warf der Bundesregierung insbesondere zu wenig Unterstützung beim geplanten Beitritt seines Landes zur Europäischen Union vor: “Die deutsche Politik müsste viel mehr für den EU-Beitritt der Türkei tun, weil er die Integration massiv vorantreiben würde. Weil wir Türken so viel Positives für Deutschland empfinden, fühlen wir uns gerade hier im Stich gelassen.“

Vehement kritisierte Erdogan die deutsche Gesetzgebung, wonach türkische Angehörige vor dem Zuzug nach Deutschland die deutsche Sprache erlernen müssen. “Wer Deutschkenntnisse zur wichtigsten Voraussetzung erklärt, verletzt die Menschenrechte“, sagte Erdogan. Deutschland müsse zugezogene Türken “nicht als Gefahr, sondern als Bereicherung sehen“.

Dazu sagte Friedrich: “Daraus kann man schon erkennen, dass er das nicht so richtig erfasst hat: Ihre eigene Sprache ist ja jetzt eigentlich Deutsch.“ Dies habe Erdogan “noch nicht so ganz verinnerlicht“.

Friedrich sagte, das Erlernen der deutschen Sprache sei eine zentrale Voraussetzung, um die zu hohe Zahl von Schulabbrechern zu senken und die Basis für beruflichen Erfolg zu legen. Die Schulabbrecherzahl müsse sinken. “Das ist ein Potenzial an jungen Menschen, das uns nicht verloren gehen darf.“

Erdogan bekräftigte, dass Türken in Deutschland ihren Kindern zuerst Türkisch und dann Deutsch beibringen sollten. Dies sei “nur eine sprachwissenschaftliche Erkenntnis. Wenn ein Kind eine neue Sprache erlernen soll, muss es die eigene Sprache gut können. Andernfalls kann man keine zweite Sprache erlernen.“

Dem türkischen Ministerpräsidenten schlägt bei seinem Deutschlandbesuch auch massive Kritik entgegen. Die Grünen im Bundestag werfen dem Premier “unerträgliche Stimmungsmache“ gegen Deutschland vor und fordern eine öffentliche Entschuldigung Erdogans. Der “Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwochausgabe) sagte Grünen-Innenexperte Memet Kilic: “Die türkische Regierung von Ministerpräsident Erdogan schürt immer wieder bewusst Vorurteile gegen Deutschland, um damit bei den Hardlinern im eigenen Land zu punkten.“

Zuletzt habe der Premier nicht einmal davor zurückgeschreckt, deutsche Stiftungen in der Türkei als Unterstützer der PKK hinzustellen. Diese “unerträgliche Stimmungsmache“ dürfe nicht so stehen bleiben. “Erdogan sollte sich in Deutschland öffentlich für seine Ausfälle entschuldigen“, forderte Kilic, der auch integrationspolitischer Sprecher der Grünen ist.

Erdogan hatte parteinahen deutschen Stiftungen vorgeworfen, sie würden indirekt die PKK unterstützen - indem sie Kredite vergeben und Projekte militanter Kurden finanzieren. Nach Kritik an den Aussagen sprach der türkische Außenminister von Missverständnissen, Erdogan äußerte sich nicht.

dapd

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