Debatte auch in der FDP

„Fridays For Future“: Aktivistin Luisa Neubauer darf auf RWE-Hauptversammlung sprechen - und nimmt kein Blatt vor den Mund

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Luisa Neubauer.

Luisa Neubauer, die Koordinatorin von „Fridays For Future“, durfte vor den RWE-Aktionären sprechen - und das Unternehmen heftig kritisiert.

  • Seit Monaten demonstrieren Schüler und Studenten jeden Freitag für den Klimaschutz.
  • Gestartet hat die weltweite Demonstrationswelle die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg.
  • Die Schüler fordern die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens.
  • Die Politiker sind sich uneins, wie mit Jugendlichen umzugehen ist, die für die Proteste die Schule schwänzen.

Update vom 3. Mai 2019, 17.04 Uhr: Die Bewegung "Fridays for Future" hat ihren Protest am Freitag auch nach Essen zur Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE getragen. "Kein Konzern in ganz Europa trägt mehr Verantwortung für die Klimakrise als RWE", sagte die Aktivistin und Koordinatorin Luisa Neubauer vor den Aktionären von RWE. "Und Sie hier im Raum, Sie machen das möglich, wenn Sie nicht endlich aufwachen", fuhr Neubauer fort.

Die 23-Jährige war von einigen Investoren eingeladen worden, bei der RWE-Hauptversammlung zu sprechen. Auf ihrem Twitter-Profil kritisierte sie, die Chefs von RWE hätten in ihren Reden der vergangenen acht Hauptversammlungen "kein einziges Mal das Wort 'Klimawandel' erwähnt". Sie habe sich bemüht, für Ausgleich zu sorgen.

Vor dem Gebäude protestierten junge Aktivisten gegen den Konzern. Sie hielten Plakate mit der Aufschrift "Kohle stinkt" oder "Mit dem Eis schmilzt unsere Zukunft" in den Händen. Mehrere Umweltschutzorganisationen forderten von RWE am Freitag einen sofortigen Ausstieg aus der Kohle.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz hatte am Vormittag in Essen vor den Aktionären den Wandel hin zu einer "neuen RWE" mit einem Fokus auf erneuerbaren Energien beschworen. RWE stehe zu den nationalen und europäischen Klimaschutzzielen, sagte er. "Wir werden nicht mehr in neue Kohlekraftwerke investieren."

Für die Umwelt machen sich auch diese zwei jungen Frauen stark. Unter anderem wollen sie durch nachhaltiges Heiraten zum Umweltschutz beitragen. Dafür brechen sie mit vielen Traditionen. 

Update vom 20. April 2019, 19.40 Uhr: FDP-Chef Christian Lindner hat davor gewarnt, bei der „Fridays for Future“-Bewegung die gleichen Fehler wie bei der Flüchtlingsdebatte zu machen. „Im Sommer 2015 gab es die Kampagne Refugees welcome (Flüchtlinge willkommen) und eine sehr emotional geführte Debatte über die richtige Flüchtlingspolitik“, sagte er bei einem Gespräch mit Schülern, das der Kölner Stadt-Anzeiger und die  Rheinische Post organisiert hatten. „Das sollten wir in der Klimapolitik nicht wiederholen.“

Heute sehe man in der Flüchtlingsdebatte alles viel nüchterner und differenzierter. „Ich wage die Vorhersage, dass die Diskussion über den Klimaschutz in drei Jahren ganz anders geführt wird, falls 400.000 Leute aus der Automobilindustrie entlassen werden müssen.“

Lindners Einlassungen sorgten bereits am Samstag für Kritik. Lindner befürchte eine „emotionale Debatte“, schrieb Linke-Chef Bernd Riexinger auf Twitter: „Dabei kreischt die FDP stets hysterisch, wenn die Renditen der Reichen und Konzerne wegen Maßnahmen zum #Klimawandel in Gefahr geraten.“

Dem Spiegel zufolge gibt es auch in der FDP vor dem Bundesparteitag in der kommenden Woche eine Diskussion über den Umgang mit den Klimaprotesten der Schüler. Auslöser sei die Aussage Lindners gewesen, Klimaschutz sei eine Sache für Profis. „Sympathie entsteht auch durch ökologische und soziale Sensibilität“, zitiert das Nachrichtenmagazin die ehemalige FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. „Die tolle Jugendbewegung für Klima und Umwelt sollten wir unterstützen und mit ihr ins Gespräch kommen.“

Die stellvertretende Parteivorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagte nach Spiegel-Angaben, dass die FDP in den Jahren 2009 bis 2013 durch falsche Intonation das Vorurteil bedient habe, die Liberalen seien herzlos und kalt. „Dieses Image ist nach wie vor präsent. Deshalb müssen wir in unserer Kommunikation besonders sensibel sein.“

Lesen Sie auch: Karfreitag ist ein christlicher Feiertag - und stellt für Schüler einen unterrichtsfreien Tag dar. Eine deutsche Schule in Istanbul hat das geändert - wegen Türkei-Präsident Erdogan?

Papst Franziskus mit klarer Botschaft an Greta Thunberg bei Treffen in Rom

Update vom 17. April 2019, 17.07 Uhr: Papst Franziskus hat der Klimaaktivistin Greta Thunberg persönlich für ihr "Engagement für die Verteidigung der Umwelt" gedankt. Das teilte Vatikansprecher Alessandro Gisotti am Mittwoch nach einem kurzen Treffen der beiden während der Generalaudienz des Papstes im Vatikan mit. Der Heilige Vater habe die junge Schwedin in ihrem Einsatz bestärkt, hieß es.

Thunberg und Franziskus gaben sich auf dem Petersplatz die Hand. Die 16-Jährige dankte ihrerseits dem Pontifex "für seine Mühen zugunsten der Verteidigung" des Planeten in seiner Enzyklika "Laudato si" aus dem Jahr 2015.

Papst Franziskus begrüßt die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg.

"Ich habe heute Papst Franziskus getroffen. Ich habe mich bei ihm für seine deutlichen Worte zur Klimakrise bedankt", schrieb Thunberg in Online-Netzwerk Facebook neben einem Foto des Treffens. Die Aktivistin soll am Donnerstag italienische Politiker treffen und dann am Freitag in Rom an einer Demonstration für Klimaschutz teilnehmen.

Thunberg begann im Sommer 2018 mit ihrem Schulstreik für den Klimaschutz. Seitdem gibt es solche Freitags-Demonstrationen unter dem Namen "Fridays for Future" in aller Welt.

Update vom 17. April 2019, 11.58 Uhr: Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat Papst Franziskus auf dem Petersplatz in Rom getroffen. Die 16-Jährige hielt dem Pontifex bei der kurzen Begegnung nach der Generalaudienz am Mittwoch einen Zettel mit einer Aufforderung zum Klima-Streik entgegen („Join the Climate Strike“), wie Bilder zeigten. Die beiden gaben sich die Hand. Was sie sich sagten, blieb zunächst unklar.

Thunberg hatte die Generalaudienz mit ihrem Vater Svante Thunberg verfolgt. Ein Regenschirm schützte sie vor der Sonne. Die junge Schwedin teilt mit Franziskus ein Herzensanliegen: den Klimaschutz. Die Jugendliche ist für ihre Schulstreiks bekannt geworden, die mittlerweile Menschen in der ganzen Welt inspiriert haben, freitags auf die Straße zu gehen.

Mit dem Zug war Thunberg am Mittwoch in der italienischen Hauptstadt eingetroffen. Dort stehen unter anderem ein Besuch im Senat und ein Schulstreik an. Dieser ist für Freitag geplant. Karfreitag ist in Italien kein Feiertag.

Theo Waigel ergreift Partei für Greta Thunberg - und gibt CSU einen Ratschlag

17.48 Uhr: Der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel ist heute Abend um 22 Uhr bei „Report München“ im Ersten zu Gast. In der Sendung spricht er über Greta Thunberg und die Folgen des Klimawandels. 

„Wenn das die Politik nicht ernst nimmt, werden solche Bewegungen über die Politik hinweg gehen“, sagt Waigel in einem vorab veröffentlichten Ausschnitt des Interviews. Jede Generation habe ihre Herausforderungen und müsse sich an deren Bewältigung messen lassen, erklärt er. „Zu der Zeit als wir regierten, waren die Umweltzerstörungen jedenfalls naturwissenschaftlich nicht in der Weise dargelegt. Aber man muss daraus jetzt die Konsequenzen ziehen. Das ist gar keine Frage.“

Der Ehrenvorsitzende der CSU findet, dass Deutschland wieder eine Vorreiterrolle in der Klimapolitik spielen sollte: „So wie das bis vor ein paar Jahren der Fall gewesen ist.“ Ob er einen entsprechenden politischen Kurs auch der CSU anrate? „Ja, sicher. Jedem! Der CSU, der CDU, der Kanzlerin, die da mal vorbildlich war und wo es an Dynamik auch in der Bundesrepublik Deutschland nachgelassen hat.“

Greta Thunberg mit bewegender Rede vor Europaparlament - ein Hinweis gibt zu denken

16.33 Uhr: Nur wenige Wochen vor der Europawahl hat die 16-jährige Aktivistin Greta Thunberg die Erwachsenen dazu aufgerufen, bei ihrer Stimmabgabe an den Klimaschutz zu denken. „Ihr müsst auf uns hören, auf die, die nicht wählen können“, sagte sie am Dienstag im Umweltausschuss des Europaparlaments in Straßburg mit Blick auf die zahlreichen jungen Anhänger der „Fridays for Future“-Bewegung. „Ihr müsst für uns wählen, für eure Kinder und Enkel.“ Es gehe um die künftigen Lebensbedingungen für die Menschheit.

Greta Thunberg bei ihrem Besuch im Europaparlament.

Sichtlich gerührt hatte Thunberg zuvor vor den Abgeordneten über Umweltverschmutzung und die Folgen des Klimawandels gesprochen. „Unser Haus bricht auseinander“, sagte sie mit Blick auf die Folgen für den Planeten. Dementsprechend müssten sich auch die politischen Anführer verhalten. Ein Weiter-So sei nicht möglich. 

Ein Hinweis, der einigen Abgeordneten zu denken gegeben haben könnte: Thunberg betonte, dass es zuletzt mehrere EU-Sondergipfel zum Brexit, aber keinen einzigen wegen der Klimakrise gegeben hatte.

Greta Thunberg zur Europawahl: Geht wählen!

15.54 Uhr: Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ist skeptisch, ob sie Politiker in Europa zu einem Umdenken bewegen kann. Die politischen Führer müssten nun auf den Klimawandel reagieren und handeln, sagte Thunberg am Dienstag im Europaparlament in Straßburg. Zurzeit täten sie das nicht, fügte die 16-Jährige bei einem Auftritt im Umweltausschuss des Parlaments hinzu.

Die Schülerin verwies auch darauf, dass es zwar zum Brexit Notgipfel gebe, aber nicht zum Zusammenbruch des Klimas und des Ökosystems. Bei einer Pressekonferenz vor der Sitzung antwortete die 16-Jährige auf die Frage, ob die Politiker auf sie hörten: „Das werden wir sehen müssen.“

Thunberg forderte ihre Zuhörer auf, „in Panik zu geraten“. Die heutige Zivilisation sei sehr zerbrechlich und habe vermutlich keine stärkeren Fundamente als die Kathedrale von Notre-Dame, erklärte Thunberg mit Blick auf den Brand der Pariser Kirche am Vorabend.

14.10 Uhr: Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg hat zur Teilnahme an der Europawahl aufgerufen. Die Wähler sollten sich für die Jugendlichen aussprechen, die selbst nicht an der Wahl teilnehmen könnten, sagte sie am Dienstag im Europaparlament. "Sie sollen für Leute wie mich wählen, die von der Krise betroffen sein werden", sagte die 16-Jährige, die selbst noch nicht wahlberechtigt ist.

Noch gebe es ein Zeitfenster, um gegen den Klimawandel zu handeln, betonte die Schülerin. Doch dieses Fenster werde nicht mehr lange geöffnet bleiben. Die Bürger sollten daher die anstehende Europawahl nutzen, um etwas zu tun.

Greta Thunberg am Dienstag im Europaparlament

Update vom 15. April 2019, 19.50 Uhr: Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg diskutiert am Dienstag im Europaparlament mit Abgeordneten über den Klimaschutz. Nach Angaben eines Sprechers nimmt die 16-Jährige auf Einladung von Parlamentspräsident Antonio Tajani und mehreren Fraktionschefs an einer Sitzung des Umweltausschusses teil (ab 14 Uhr).

Die Schülerin hatte im vergangenen Sommer mit Demonstrationen für den Klimaschutz vor dem schwedischen Parlament auf sich aufmerksam gemacht. Regelmäßig schwänzte sie dafür freitags die Schule. Mittlerweile steht sie an der Spitze einer breiten Bewegung Fridays for Future. Die Aktionen der jungen Leute lösen politisch erhebliche Resonanz aus, werden aber auch kontrovers diskutiert. Umstritten sind sie vor allem, weil sie während der Schulzeit stattfinden.

Künstler solidarisieren sich mit „Fridays for Future“

17.55 Uhr: Die Bewegung „Fridays for Future“ bekommt noch mehr Unterstützung: Auch Künstler und Kulturschaffende solidarisieren sich mit den Schülerdemos für mehr Klimaschutz. „Die Proteste der Fridays-for-Future-Bewegung verfolgen wir mit Respekt und Dankbarkeit“, heißt es in einer Erklärung vom Montag, unter der unter anderem die Schauspielerin Nora Tschirner, Sänger Max Mutzke, Liedermacher Konstantin Wecker und Filmemacher Michael „Bully“ Herbig als Erstunterzeichner genannt werden.

Auch zahlreiche Wissenschaftler hatten sich bereits hinter die Schüler und Studenten gestellt, die seit Monaten freitags für Klimaschutz auf die Straße gehen. Die schwedische Schülerin Greta Thunberg hatte die Bewegung mit ihren „Klimastreiks“ ins Leben gerufen, inzwischen hat sie Nachahmer rund um den Globus.

Berliner Bischof vergleicht Greta Thunberg mit Jesus - Die demonstriert am Karfreitag in Rom

Update vom 14. April 2019, 14.19 Uhr: Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg will am kommenden Freitag an einem Schulstreik in Rom teilnehmen. „Ich weiß, dass das ein Feiertag ist, aber weil die Klimakrise nicht in Urlaub geht, werden wir das auch nicht tun“, schrieb die 16-Jährige am Sonntag auf Twitter. Sie sei auf dem Weg mit dem Zug zum EU-Parlament, zum italienischen Senat, dem Vatikan und dem Abgeordnetenhaus, schrieb sie zu einem Foto, das sie auf einem schwedischen Bahnsteig zeigt.

News vom 13. April: Berliner Bischof vergleicht Greta Thunberg mit Jesus Christus

15.50 Uhr: Thüringens CDU-Chef Mike Mohring hat die Junge Union aufgefordert, auf die Klimaschutzbewegung „Fridays For Future“ zuzugehen, die vor allem von jungen Leuten getragen wird. Er habe dem neuen JU-Chef Tilman Kuban geraten, „die Anliegen und Sorgen der jungen Menschen offenen Herzens aufzugreifen, Ideen zu entwickeln und mit ihnen gemeinsam zu diskutieren“, sagte Mohring, der Spitzenkandidat für die Landtagswahl Ende Oktober ist, dem Berliner „Tagesspiegel“ (Sonntag). „Der größte politische Jugendverband Deutschlands und die größte Jugendbewegung könnten zusammen richtig etwas bewegen.“

Auf die Frage, ob das angesichts des Kurses der JU nicht unrealistisch sei, sagte Mohring: „Ich teile diese Einschätzung nicht und kann mit solchen Etiketten nichts anfangen.“

Berliner Bischof vergleicht Greta Thunberg mit Jesus

12.30 Uhr: Der Berliner Bischof Heiner Koch vergleicht Greta Thunberg mit Jesus Christus. Die Aktivistin sei ein Idol. „Mich erinnern die Freitagsdemos ein wenig an die biblische Szene vom Einzug Jesu in Jerusalem“, sagte Koch im RBB-Hörfunk

Demnächst beginnt die Karwoche. Am Karfreitag erinnern die Christen an den Tod von Jesus am Kreuz. Er wolle Gerta nicht zu einem weiblichen Messias machen, aber: „Ich möchte jedoch daran erinnern, dass unsere Gesellschaft und auch unsere Kirche von Zeit zu Zeit echte Propheten braucht, die auf Missstände und Fehlentwicklungen hinweisen und Lösungswege vorschlagen.“

News vom 12. April: „Fridays for Future“ und bayerische Politiker einigen sich auf Gründung eines Gremiums

16.50 Uhr: Die „Fridays for Future“-Bewegung und bayerische Politiker haben sich auf die Gründung eines Gremiums für mehr Klimaschutzmaßnahmen geeinigt. Dieses solle im Sommer eingesetzt werden, teilten Aktivisten der Bewegung nach einem Runden Tisch mit Vertretern aller Fraktionen des Landtags am Freitag in München mit. Welche Kompetenzen das Gremium haben und wie es zusammengesetzt sein wird, sei noch unklar, hieß es von den Schülern. Am 9. Mai soll es das nächste Treffen zwischen den „Fridays for Future“-Aktivisten und Politikern aller Fraktionen im bayerischen Landtag geben.

Wieder bundesweite „Fridays for Future“-Proteste

15.04 Uhr: Bundesweit haben am Freitag erneut Tausende Schüler für mehr Klimaschutz protestiert. Nach Angaben einer Sprecherin der „Fridays for Future“-Bewegung gingen junge Leute in rund 90 Orten in Deutschland auf die Straße. In Berlin waren es den Angaben zufolge rund 1500, in Hamburg zählte die Polizei rund 2000 Demonstranten, die vor allem bessere Bedingungen für Radfahrer forderten. In Bayern tauschten sich Mitglieder der Klimaschutz-Bewegung mit Politikern aus. In Mecklenburg-Vorpommern waren die Protestaktionen erstmals Thema im Landtag. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) stellte sich an einem Gymnasium in Darmstadt den Fragen junger Menschen.

„Fridays for Future“: Diese Forderungen stellen die Schüler an Merkel und Co.

Vertreter der Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" haben sich zum ersten Mal mit einem konkreten Forderungskatalog an die deutsche Politik gerichtet: Bis Ende des Jahres müssten die Subventionen für fossile Energieträger auslaufen, ein Viertel der Kohlekraftwerke müsse abgeschaltet werden, und der Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid (CO2) müsse durch eine Besteuerung stark verteuert werden.

Auf einer Pressekonferenz in Berlin forderten Vertreter von "Fridays for Future" die politisch Verantwortlichen auf, nun konkrete politische Maßnahmen zur Umsetzung dieser Ziele zu ergreifen. "Solange das nicht passiert, können wir nicht aufhören zu streiken", sagte der Klimaaktivist Sebastian Grieme von "Fridays for Future".

Wie die Forderungen konkret umgesetzt werden sollten, sagten die Aktivisten nicht. Dies sei eine Aufgabe von Politik und Wissenschaft. Der Forderungskatalog war nach Angaben der Aktivisten in bundesweiten Arbeitsgruppen in Abstimmung mit Wissenschaftlern ausgearbeitet worden. Ziel sei es, mit dem gewachsenen Einfluss der Bewegung die Politik zum Handeln zu drängen.

"Wir haben gesellschaftlichen und politischen Einfluss", sagte der Aktivist Linus Steinmetz. "Unsere Bewegung hat eine für uns unvorstellbare Größe erreicht." Ziel sei es, Politik "bis zur höchsten Ebene" zu beeinflussen.

Winfried Kretschmann zu „Fridays for Future“: „Kann nicht ewig so weitergehen“

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht die Schülerproteste für mehr Klimaschutz während der Unterrichtszeit kritisch. Zwar sei der moralische Appell gerechtfertigt und es gehe wirklich um die Zukunft der Schüler, sagte Kretschmann am Dienstag in Stuttgart. Dafür einmal die Schule zu schwänzen, falle erst mal unter zivilen Ungehorsam. „Nur: Ziviler Ungehorsam ist ein symbolischer Akt. Das kann keine Dauerveranstaltung sein.“ Die Proteste müssten früher oder später ein Ende finde und könnten „nicht ewig so weitergehen“.

Wenn man Regeln verletze, müsse man mit Sanktionen rechnen. „Wenn man sanktioniert wird, darf man nicht jammern.“ Irgendwann werde es zu Sanktionen kommen. „Sonst sucht sich zum Schluss jeder sein Thema aus, dass er dann irgendwie moralisch auflädt - und das geht nicht.“

In Deutschland versammeln sich derzeit unter dem Motto „Fridays for Future“ jeden Freitag in zahlreichen Städten Schüler, um gegen ausbleibende Maßnahmen gegen den Klimawandel zu protestieren. Die Demonstrationen sind nicht unumstritten, da sie während der Schulzeit stattfinden. Kretschmann hatte sich vergangene Woche mit Vertretern der „Fridays for Future“-Bewegung getroffen.

Nach Greta Thunbergs Aussagen bei Anne Will: Atomkraft für Baerbock „keine Option“

Update vom 1. April 2019: Nach einemTV-Auftritt der schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg hat sich Grünen-Chefin Annalena Baerbock entschieden gegen Atomenergie als Beitrag zum Klimaschutz ausgesprochen. „Klimaschutz bedeutet für uns ein Ausstieg aus fossiler Energie und dazu zählt auch die Atomkraft“, sagte Baerbock am Montag in Berlin. Diese Form der Energiegewinnung sei daher keine Option, um die Klimaziele zu erreichen.

Thunberg hatte am Sonntagabend in der ARD-Talkshow „Anne Will“ auf einen Bericht des Weltklimarats (IPCC) verwiesen, in dem es auch um Atomkraft geht. „Atomenergie ist nicht die Zukunft, denn sie ist nicht erneuerbar“, sagte Thunberg. Laut dem Weltklimarat könne sie aber „ein kleiner Teil für die sehr große, fossilfreie Lösung sein.“ Sie selbst sei trotzdem kein Freund von Atomkraft.

Baerbock über „Fridays for Future“: Gewerkschafter streiken auch nicht am Wochenende

Güstrow - Die Grünen-Bundesvorsitzende Annalena Baerbock hat die Bundesregierung aufgefordert, der Schülerbewegung „Fridays for Future“ für mehr Klimaschutz zu signalisieren, dass ihre Sorgen ernstgenommen werden. „Statt verständnisvoller Worte und vielleicht das stille Hoffen, dass das schon irgendwann wieder vorbeigeht, muss die Bundesregierung ein Klimaschutzgesetz auf den Weg bringen und keinen Stuhlkreis mit den Ministern veranstalten“, sagte Baerbock der Deutschen Presse-Agentur. „Die Ungeduld der Schüler und das Unverständnis darüber, dass beim Klimaschutz nichts passiert, obwohl wir alle Antworten kennen, kann ich verstehen.“

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Gewerkschafter streiken auch nicht am Wochenende

Zum Verweis von Bundes- und Landesregierungen auf die Schulpflicht sagte Baerbock, dass Gewerkschafter auch nicht am Wochenende streiken. „Die Schulpflicht gilt ohne Zweifel. Aber es ist auch der Auftrag von Schule, die jungen Leute dazu zu bringen, sich einzumischen, kritisch zu sein und Politik zu hinterfragen. Den Schülern jetzt vorzuwerfen, dass sie sich einmischen, ist absurd.“ Viele Schulleitungen hätten in diesem Spannungsfeld gute Regelungen gefunden. Unterricht könne nachgeholt werden oder die Streiks könnten in Projekte umgewandelt werden.

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Nach sieben Jahren in der ecuadorianischen Botschaft ist Wikileaks-Gründer Julian Assange festgenommen worden. Sollte er an die USA ausgeliefert werden, droht ihm womöglich die Todesstrafe. Sein Gesundheitszustand ist schlecht.

dpa/AFP

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