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Frankreich-Wahl: Herber Dämpfer für Macron – Politologe sieht sein Image in Gefahr

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Von: Bettina Menzel, Max Schäfer, Andreas Schmid, Christoph Gschoßmann

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Bei der Wahl zu Frankreichs neuem Parlament hat Staatschef Macron einen herben Dämpfer erhalten. Sein Lager landet nur haarscharf vor dem Linksbündnis. Alle Entwicklungen im Live-Ticker.

Update vom 13. Juni, 13.41 Uhr: Parlamentswahl in Frankreich: In der ersten Runde hat Frankreichs Staatschef die Niederlage nur knapp abgewendet - ist nun sein Image in Gefahr? So sieht es zumindest ein Politologe: „Die Koalition Ensemble! verliert das Bild einer Maschine, die alles gewinnen kann“, sagte Bruno Cautrès der Zeitung Le Parisien.

Einige Minister liefen Gefahr, in der zweiten Runde am 19. Juni nicht gewählt zu werden. Macron werde in der Nationalversammlung sicherlich eine weniger große Mehrheit haben. Der Wahlkampf werde nun in den verbleibenden Tagen zweifelsohne sehr polarisiert sein.

Dabei gehe es um die Mobilisierung zweier Wählerschaften, sagte der Politologe. „Einerseits diejenigen, die Emmanuel Macron am meisten zu Fall bringen wollen, und andererseits diejenigen, die ihm am meisten eine Mehrheit geben und den Weg für Nupes versperren wollen“.

Frankreich-Wahl 2022: Schlappe für Macron in erster Runde der Parlamentswahl

Update vom 13. Juni, 6.29 Uhr: Bei der ersten Runde der Parlamentswahl in Frankreich ist das Mitte-Bündnis von Emmanuel Macron nur knapp an einer Niederlage vorbeigeschrammt. Das Lager des Präsidenten kam auf 25,75 Prozent der Stimmen. Das aus Linken, Kommunisten, Grünen und Sozialisten geschmiedete Bündnis des Linkspolitikers Jean-Luc Mélenchon liegt mit 25,66 Prozent ganz knapp dahinter. Der Unterschied lag landesweit nur bei etwa 20.000 Stimmen. Das Ergebnis wird als eine herbe Niederlage für Macron gewertet.

Die rechtsnationale Rassemblement Nationa (RN) von Marine Le Pen kam auf 18,68 Prozent der Stimmen. Die Republikaner, die derzeit die stärkste Oppositionskraft in der Nationalversammlung sind, fuhren 10,42 Prozent ein.

In der entscheidenden zweiten Wahlrunde am kommenden Sonntag (19. Juni) wird dennoch mit einem klaren Sieg für das Mitte-Lager gerechnet. Das liegt aber am komplizierten Mehrheitswahlsystem. Von den 577 zu vergebenden Mandaten wurden in der ersten Runde nur zwei direkt entschieden. Um den Rest wird im zweiten Wahlgang gestritten. Dort stehen sich aus jedem Stimmbezirk mindestens die beiden Erstplatzierten und all diejenigen gegenüber, die mehr als 12,5 Prozent der Stimmen aller eingeschriebenen Wähler erhalten haben. Dem Linksbündnis werden in Prognosen 150 bis 210 Sitze vorausgesagt, Macrons Bündnis 255 bis 310, was für eine absolute Mehrheit reichen könnte.

Frankreich-Wahl: Hochrechnungen deuten auf Kopf-an-Kopf-Rennen hin

Update vom 12. Juni, 23.05 Uhr: Die Wahllokale in Frankreich sind seit drei Stunden geschlossen. Die Hochrechnungen deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Macrons Bündnis und der Linken-Allianz hin. Die Regierungsallianz wird dennoch die Mehrheit der Sitze bekommen, was am komplizierten Wahlsystem in Frankreich liegt. Die absolute Mehrheit scheint sie jedoch zu verfehlen, was eine Niederlage für Präsident Macron wäre. Ein endgültiges Ergebnis des ersten Wahltags wird erst in der Nacht erwartet. Am 19. Juni findet die zweite Runde statt.

Emmanuel Macron konnte die Frankreich-Wahl 2022 vor Marine Le Pen für sich entscheiden.
Emmanuel Macron blickt gespannt auf das Ergebnis der Parlamentswahl in Frankreich. © IMAGO/Gao Jing

Update vom 12. Juni, 22.20 Uhr: Ob das Macron-Bündnis die absolute Mehrheit bei der Parlamentswahl in Frankreich holen wird, ist noch unklar. Macrons Partei kommt mit ihren Verbündeten nach Schätzungen mehrerer Wahlforschungsinstitute vom Sonntag auf 255 bis 310 Sitze. 289 Sitze sind für die absolute Mehrheit nötig.

Fest steht derweil, dass Macron einen neuen Hauptgegner im Parlament hat. An die Stelle der konservativen Republikaner wird das Linksbündnis Nupes treten. Für den Präsidenten wird es in der zweiten Amtszeit voraussichtlich schwieriger, seine Reformen durchzusetzen. Insbesondere die Rentenreform ist umstritten. Während Macron das Rentenalter von 62 auf 64 oder 65 Jahre anheben will, fordert Linken-Kandidat Mélenchon vehement die Rente mit 60. Dass Mélenchon Premierminister wird, wie er es sich öffentlich zum Ziel gemacht hatte, ist jedoch nicht sehr wahrscheinlich.

Frankreich-Wahl: Regierungsmitglieder zittern um politische Karriere - Zemour schon raus

Update vom 12. Juni, 22 Uhr: Bei der Parlamentswahl sind auch 15 Regierungsmitglieder selbst angetreten. Sie riskieren ihren Regierungsposten, wenn sie nicht gewinnen. Premierministerin Elisabeth Borne liegt nach eigenen Angaben in ihrem Wahlkreis vorn. Die neue Umweltministerin Amélie de Montchalin ( (La République en Marche, also Macrons Partei) liegt in ihrem Wahlkreis deutlich hinter dem Kandidaten des Linksbündnisses. Der rechtsextreme Ex-Präsidentschaftskandidat Eric Zemmour, der in Saint-Tropez angetreten war, ist bereits nach der ersten Runde ausgeschieden.

Update vom 12. Juni, 21.30 Uhr: Frankreichs Premierministerin Élisabeth Borne sieht die Macron-Allianz als klaren Sieger der Parlamentswahl in Frankreich: „Wir sind die einzige politische Kraft, die in der Lage ist, eine Mehrheit in der Nationalversammlung zu bekommen.“

Update vom 12. Juni, 21.10 Uhr: Der Anführer des linken Parteienbündnis in Frankreich, Jean-Luc Mélenchon sieht im Ergebnis der ersten Runde der Parlamentswahl eine deutliche Niederlage für seinen Widersacher und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron. „Die Wahrheit ist, dass die Präsidentschaftspartei in der ersten Runde geschlagen und besiegt ist“, sagte Mélenchon am Sonntagabend in Paris.

Das neue Linksbündnis aus Linken, Kommunisten, Grünen und Sozialisten lag landesweit Hochrechnungen zufolge etwa gleichauf mit Macrons Mitte-Bündnis. Prognosen sahen Macrons Lager bei der Sitzverteilung nach der zweiten Wahlrunde in einer Woche dennoch deutlich vorne. Mélenchon sagte, dies habe nur den Sinn, eine Illusion aufrecht zu erhalten. Sein Bündnis sei auf dem ersten Rang gelandet. Hintergrund ist das Wahlsystem in Frankreich, von dem Macron zu profitieren scheint.

Frankreich-Wahl LIVE: Le-Pen-Partei kommt auf rund 19 Prozent

Update vom 12. Juni, 20.55 Uhr: Ebenfalls bei der Parlamentswahl in Frankreich am Start: Frankreichs Rechte. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen freute sich über einen „immensen Sieg“ und bezeichnete es als „wichtig, dass Emmanuel Macron nicht über eine absolute Mehrheit verfügt, die er missbrauchen wird, um seine selbstzentrierten und brutalen Methoden anzuwenden“.

Nach den Hochrechnungen am Sonntagabend kam die Partei von Le Pen auf 18,9 bis 19,2 Prozent. Nach den Prognosen kann sie dennoch nur auf 10 bis 45 der 577 Sitze im Parlament hoffen. 15 Sitze sind erforderlich, um als Fraktion im Parlament vertreten zu sein.

Marine Le Pen
Marine Le Pen wollte auch Präsidentin Frankreichs werden - scheiterte im April aber an Emmanuel Macron. © Michel Spingler/AP/dpa

Update vom 12. Juni, 20.40 Uhr: Die Wahlbeteiligung bei der Parlamentswahl in Frankreich liegt ersten Zahlen aus Paris zufolge bei 53 Prozent. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als bei der Wahl 2017, jenem Urnengang mit dem niedrigsten Wert.

Frankreich-Wahl LIVE: Macron-Bündnis profitiert vom Wahlsystem

Update vom 12. Juni, 20.25 Uhr: Das Macron-Lager wird laut Prognosen zur Sitzverteilung auf etwa 255 bis 310 der 577 Sitze in der Nationalversammlung kommen. Unklar ist, ob eine absolute Mehrheit mit mindestens 289 Sitzen erreicht wird. Das Ergebnis ist zwar ein Erfolg für das neue Linksbündnis. Die Prognosen schreiben ihnen aber nur etwa 150 bis 210 der Sitze zu. Die Unterschiede zwischen prozentualem Stimmanteil und der Sitzverteilung erklären sich durch das komplizierte Wahlsystem. Dabei zählen am Ende nur die Stimmen für den Gewinner im jeweiligen Wahlkreis.

Frankreich-Wahl LIVE: Macron-Allianz und Linke in Hochrechnungen gleichauf

Update vom 12. Juni, 20.15 Uhr: Hochrechnungen zur Frankreich-Wahl sehen Macrons Mitte-Lager und das Linksbündnis gleichauf. (siehe vorheriges Update). Wahlsieger scheint dennoch Macron zu sein. Sein „Ensemble“ steuert auf eine Mehrheit in der Nationalversammlung zu. Prognosen gehen bei der Sitzverteilung nach der zweiten Wahlrunde von einer eindeutigen Mehrheit für das Lager des liberalen Präsidenten aus. Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon von der Allianz Nubes wird wohl Opfer des französischen Wahlsystems. Nach Schätzungen von Meinungsinstituten ist jedoch offen, ob sie auch die absolute Mehrheit von 289 Sitzen erhalten.

In Frankreich gilt das Mehrheitswahlrecht. Es begünstigt Wahlbündnisse und führt im Parlament meist zu eindeutigen Mehrheitsverhältnissen. Die Partei, die am besten abschneidet, ist oft überproportional stark im Parlament vertreten. Am Ende zählen nur die Gewinner der jeweiligen Wahlkreise

Update vom 12. Juni, 20 Uhr: Die rund 70.000 Wahllokale in Frankreich sind geschlossen - und die ersten Hochrechnungen da. Emmanuel Macrons Wählerbündnis liegt gleich auf mit der linken Allianz Nupes. Ersten Hochrechnungen zufolge kommen beide in der ersten Runde der Wahl auf 25 bis 26 Prozent.

Jean-Luc Mélenchon (l.) will nach dem gescheiterten Versuch, Präsident zu werden, bei der Parlamentswahl in Frankreich die Regierung übernehmen und Macrons Einfluss begrenzen.
Jean-Luc Mélenchon (l.) führt das linke Bündnis an. Er liegt in Hochrechnungen gleichauf mit Macrons Regierungsbündnis. © Joel Saget/AFP

Frankreich-Wahl LIVE: Prognose zur Wahlbeteiligung

Update vom 12. Juni, 19.40 Uhr: Neue Zahlen zur Wahlbeteiligung in Frankreich. Meinungsforschungsinstitute schätzten eine finale Wahlbeteiligung von 52,5 bis 53 Prozent liegen wird. Die Wahlbeteiligung 2017 lag mit 48,7 Prozent in der ersten Runde und 42,6 Prozent in der zweiten Runde auf einem historischen Tiefstand.

Update vom 12. Juni, 19 Uhr: Bei der ersten Runde der französischen Parlamentswahl haben bis zum Nachmittag etwa zwei von fünf Wähler ihre Stimme abgeben. Wie das Innenministerium mitteilte, betrug die Wahlbeteiligung am Sonntag bis 17 Uhr 39,42 Prozent. Bei der vorangegangenen Wahl zur Nationalversammlung 2017 hatte sie zur gleichen Uhrzeit mit 40,75 Prozent minimal höher gelegen.

Update vom 12. Juni, 18 Uhr: Die Wahllokale in Frankreich sind noch zwei Stunden geöffnet. Anders als in Deutschland, wo zum Beispiel bei Bundestagswahlen um 18 Uhr Schluss ist, können die Franzosen bis 20 Uhr ihre Stimme abgeben. Zu diesem Zeitpunkt werden die sogenannten Exit Polls veröffentlicht.

Frankreich-Wahl live: Macron gibt Stimme ab

Update vom 12. Juni, 17.30 Uhr: Mittlerweile hat auch Präsident Emmanuel Macron seine Stimme abgegeben. Der Staatschef wählte zusammen mit seiner Frau Brigitte im Badeort Le Touquet-Paris-Plage.

Frankreich, Le Touquet: Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte Macron, nachdem sie ihre Stimmen in der ersten Runde der französischen Parlamentswahl abgegeben haben
Frankreich, Le Touquet: Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte Macron, nachdem sie ihre Stimmen in der ersten Runde der französischen Parlamentswahl abgegeben haben © Ludovic Marin/Pool AFP/AP/dpa

Frankreich-Wahl live: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Macron-Bündnis und Nupes

Update vom 12. Juni, 16.04 Uhr: Bei der Parlamentswahl in Frankreich deutet vieles auf ein enges Rennen zwischen dem Regierungsbündnis von Präsident Macron und dem links-grünen Bündnis Nupes. Beide Bündnisse hatten bereits bei den Wahlen für Auslandsfranzosen Kopf an Kopf gelegen.

Update vom 12. Juni, 13.41 Uhr: Sorge um die Wahlbeteiligung bei Parlamentswahl in Frankreich: Bis zum Mittag lag sie laut Innenministerium in Paris bei 18,43 Prozent - das ist knapp jeder fünfte Wahlberechtigte. Das waren 0,8 Prozent weniger als zum selben Zeitpunkt vor fünf Jahren.

Update vom 12. Juni, 12.42 Uhr: Mit ersten Zahlen zum Ausgang der Parlamentswahl wird für 20.00 Uhr gerechnet. Die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) um Marine Le Pen könnte mit mindestens 15 Abgeordneten erstmals eine eigene Fraktion bilden. Ihrer Vorgängerpartei FN war dies zuletzt 1986 gelungen.

Update vom 12. Juni, 10.52 Uhr: Sollte das links-grüne Bündnis Nupes um Mélenchon (siehe vorheriges Update) die absolute Mehrheit gewinnen, würde Macron einen großen Teil seiner politischen Macht verlieren. Zu Nupes gehören neben Mélenchons Partei La France Insoumise auch die Sozialisten, die Grünen und die Kommunisten.

Mélenchon hatte sich selbst als Premierminister ins Gespräch gebracht.

Frankreich-Wahl 2022: Linkpopulist könnte Macron gefährlich werden - berüchtigt für Merkel-Tweet

Update vom 12. Juni, 10.05 Uhr: Unvergessen dieser Tweet: „Maul zu, Frau Merkel ! Frankreich ist frei.“ Abgesetzt hatte ihn Jean-Luc Mélenchon 2014, nachdem die Ex-Kanzlerin Angela Merkel Reformen angemahnt hatte. Wie gefährlich kann der Linkspopulist für Emmanuel Macron werden?

Das Urgestein Mélenchon ist ein gewiefter Redner und Stratege. Als Drittplatzierter schied er trotz 22 Prozent bei der ersten Runde aus. Dennoch: Aktuelle Umfragen das neue Linksbündnis im Aufwind - und Mélenchon kommt auf überraschend viele Stimmen, sagen Beobachter. Woran liegt das?

Frankreich-Expertin Ronja Kempin von der Stiftung Wissenschaft und Politik hat einen Erklärungsansatz. Da viele Wahlberichtigten unbedingt eine erneute Stichwahl zwischen Macron und Le Pen, verhindern wollten, stimmen viele bereits in der ersten Wahlrunde für Mélenchon. 

„2022 haben die Französinnen und Franzosen bereits im ersten Wahlgang nicht nach dem Herzen, sondern nach der Vernunft gewählt“, sagte Kempin zu t-online. Das Nachsehen hätten die Sozialisten, Grünen oder Kommunisten.

Frankreich-Wahl 2022:  Jean-Luc Mélenchon hält eine Wahlkampfrede
Jean-Luc Mélenchon bei einer Wahlkampfrede © OLIVIER CHASSIGNOLE/AFP

Frankreich-Wahl 2022: Tiefstand bei Wahlbeteiligung an Parlamentswahl?

Update vom 12. Juni, 8.35 Uhr: Interessiert die Frankreich-Wahl 2022 die Franzosen und Französinnen überhaupt? Die Wahllokale sind seit Kurzem geöffnet. Bei der Wahlbeteiligung zeichnete sich aber ein Tiefstand ab - weniger als jeder Zweite wollte nach Umfragen seine Stimme abgeben.

Die zweite Runde der Parlamentswahl ist am 19. Juni. Für den Mitte-Politiker Macron geht es darum, sich wieder eine Parlamentsmehrheit zu sichern. Ansonsten wäre er gezwungen, eine Regierung mit Politikern und einem Premierminister anderer Lager zu ernennen. In diesem Fall hätte der Premierminister eine deutlich wichtigere Position im Staat.

Insbesondere das neue linke Bündnis hofft auf deutlich mehr Sitze im Parlament - Umfragen sahen es zuletzt im Aufschwung.

Frankreich-Wahl: Hoher Frauenanteil unter den Kandidierenden

Update vom 11. Juni, 19.00 Uhr: Noch nie standen in Frankreich prozentual so viele Kandidatinnen zur Wahl wie in diesem Jahr. Bei der Parlamentswahl 2022 sind 44,1 Prozent der Kandidaten weiblich. 2017 waren es noch 42,4 Prozent, 2012 lag der Frauenanteil bei 40,1 Prozent, wie die französische Zeitung Le Monde berichtet.

Am Sonntag ab 8 Uhr können die etwa 48,7 Millionen eingeschriebenen Wähler ihre Stimme abgeben. Abgestimmt wird über die 577 Sitze der Nationalversammlung. Die zweite Runde der Parlamentswahl ist am Sonntag in einer Woche.

Parlamentswahl in Frankreich: Wahlbeteiligung könnte so niedrig liegen wie nie

Update vom 11. Juni, 16.24 Uhr: Rund 48,7 Millionen Wähler sind bei der diesjährigen Parlamentswahl in Frankreich registriert. Bei der Wahlbeteiligung zeichnete sich allerdings ein Tiefstand ab, weniger als jeder Zweite wollte nach Umfragen seine Stimme abgeben. Vor fünf Jahren lag die Wahlenthaltung bei 51,3 Prozent – Politikbeobachter gehen davon aus, dass dieser Negativrekord durchaus gebrochen werden könnte. Der Politikwissenschaftler Vincent Tiberj sagte gegenüber AFP, dass es sich um eine „Chloroform-Kampagne“ gehandelt habe, die „am Ende nur eine schwache Wahlbeteiligung hervorbringen kann.“

Allerdings wirkt sich eine geringe Wahlbeteiligung nicht auf alle Parteien gleichermaßen aus. In der Theorie sollte die ältere Wählerschaft der Macron-Partei „Ensemble!“ France24 zufolge eher an die Wahlurne gehen, als die jüngeren Wähler aus der Arbeiterklasse, die beispielsweise tendenziell dem Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon ihre Stimme geben. Mélenchons linkes Bündnis namens Nupes liegt in den jüngsten Umfragen zur Parlamentswahl nahezu gleichauf mit Macrons Partei und deren Verbündeten.

Französische Parlamentswahl startet in Überseegebieten

Update vom 11. Juni, 13.04 Uhr: Die erste Runde der französischen Parlamentswahl hat offiziell begonnen. Auf der kleinen französischen Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon vor der kanadischen Ostküste öffneten am Samstagmittag (8.00 Uhr Ortszeit) die drei ersten Wahllokale, wie eine Sprecherin des Rathauses in Saint-Pierre der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Der Großteil der Französinnen und Franzosen kann am Sonntag wählen. Wegen der Zeitverschiebung wird in einigen Überseegebieten aber bereits am Samstag abgestimmt.

Kurz nach der Wiederwahl von Präsident Emmanuel Macron für eine zweite Amtszeit wählen die Französinnen und Franzosen ein neues Parlament. Abgestimmt wird über die 577 Sitze der Nationalversammlung. Für den Mitte-Politiker Macron geht es darum, sich wieder eine Parlamentsmehrheit zu sichern. Ansonsten wäre er gezwungen, eine Regierung mit Politikern und einem Premierminister anderer Lager zu ernennen.

Frankreich-Wahl: Macron-Partei wackelt - Experte mit vielsagender Prognose

Erstmeldung vom 9. Juni, 13.58 Uhr: Paris – Bei der Parlamentswahl in Frankreich stimmen die Franzosen ab, wer sie künftig in der Nationalversammlung vertritt. Die Wahl ist aber zugleich auch eine Abstimmung über den gerade erst wiedergewählten Emmanuel Macron. Als Präsident hat dieser zwar das wichtigste politische Amt mit einer Reihe von Befugnissen inne, die Gesetzgebung ist jedoch Sache des Parlaments. Aus dessen Mehrheit wird auch der Premierminister ernannt, der Chef der Regierung ist und die Politik der Grande Nation bestimmt.

Frankreich-Wahl: Macron-Verbündete vor Parlamentswahl unter Druck

Damit Macron seine geplanten Reformen, darunter zur Rente, durchsetzen kann, muss sein Bündnis „Ensemble!“ bei der Parlamentswahl die Mehrheit im Parlament gewinnen. Die geplante Rentenreform wird jedoch scharf kritisiert. Auch die von Macron nach der Präsidentschaftswahl eingesetzte Regierung hat seitdem vor allem negative Schlagzeilen gemacht.

Parlamentswahl in Frankreich
Gewählte InstitutionNationalversammlung
WahlrechtMehrheitswahl
Wie oft wird gewählt?Alle fünf Jahre
Anzahl der Wahlkreise577
Erster WahlgangSonntag, 12. Juni 2022
Zweiter WahlgangSonntag, 19. Juni 2022

Zwei Frauen erhoben Vergewaltigungsvorwürfe gegen Solidaritätsminister Damien Abad. Dieser weist sie zwar zurück, ein Ermittlungsverfahren droht ihm trotzdem. Aufgrund des Chaos beim Champions League-Finale in Paris ist zudem Innenminister Gérald Darmanin in die Kritik geraten.

Frankreich-Wahl: Vorsprung der Macron-Partei schrumpft

Dementsprechend geschwächt gehen Macron, dessen Partei La République en Marche sowie ihr Bündnis „Ensemble!“ in die Parlamentswahl. Gerade einmal 35 Prozent der Menschen in Frankreich wünschen sich laut einer Befragung des Instituts BVA, dass Macrons Partei eine Mehrheit bekommt.

Und auch in Umfragen zur Wahlabsicht vor der Frankreich-Wahl müssen die Macron-Unterstützer kämpfen. Laut einer jüngsten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Ifop liegt „Ensemble!“ einen Prozentpunkt hinter dem Linksbündnis NUPES des Linksradikalen Jean-Luc Mélenchon. Zwar behält „Ensemble!“ laut Prognosen zur Sitzverteilung nach der Parlamentswahl die Mehrheit in der Nationalversammlung – das Mehrheitswahlrecht hilft den Liberalen – doch auch hier schrumpft der Vorsprung.

Parlamentswahl in Frankreich: Mélenchon will mithilfe des Linksbündnisses NUPES Regierungschef werden

Bis zur Entscheidung der Parlamentswahl in Frankreich am 19. Juni, dem Tag der Stichwahlen in den Wahlkreisen, kann sich noch viel ändern. Angesichts des Mehrheitswahlrechts warnt auch der Meinungsforscher Brice Teinturier davor: „Ein oder zwei Prozentpunkte mehr oder weniger können bedeuten, dass 40 bis 50 Sitze die Seite wechseln“, sagte er dem Sender France Inter. Auch die absehbar geringe Wahlbeteiligung von 44 bis 48 Prozent kann das Ergebnis der Frankreich-Wahl stark beeinflussen.

Darauf hofft Jean-Luc Mélenchon, der als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2022 nur knapp den Einzug in die Stichwahl verpasste. Kurz darauf brachte er sich jedoch als Premierminister ins Spiel. Einen Erfolg kann Mélenchon bereits für sich beanspruchen: Er hat die traditionell gespaltene Linke in Frankreich, von Sozialdemokraten über Grüne bis Kommunisten in der „Neuen ökologischen und sozialen Volksunion“ (NUPES) vereint.

Frankreich-Wahl: Opposition geht gestärkt in die Parlamentswahl

NUPES möchte die Kritik an der von Macron geplanten Erhöhung des Renteneintrittsalters von 62 auf 65 Jahre sowie die allgemeinen Sorgen vieler Franzosen angesichts der Inflation nutzen, um bei der Frankreich-Wahl die Parlamentsmehrheit zu gewinnen. Dann müsste Macron einen Linken zum Premierminister ernennen.

Aber selbst wenn NUPES, wie es nach aktuellen Umfragen aussieht, nach der Frankreich-Wahl keine Mehrheit in der Nationalversammlung hat, bildet das Linksbündnis eine starke Opposition. In dieser Rolle werden sich definitiv Marine Le Pen und ihr Rassemblement National wiederfinden. Die Rechtsextremisten werden nach der Parlamentswahl erstmals seit 1986 wieder in Fraktionsstärke in der Nationalversammlung vertreten sein.

Wann wird die Parlamentswahl in Frankreich entschieden?

Erste aussagekräftige Prognosen und Hochrechnungen zur Frankreich-Wahl wird es nach dem ersten Wahlgang am Sonntag (12. Juni) geben. Da die Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der Stimmen erhalten müssen und die Zahl ihrer Stimmen mindestens 25 Prozent der registrierten Wahlberechtigten entsprechen muss, damit sie gewählt sind, wird die Entscheidung in den meisten Wahlkreisen erst am 19. Juni fallen. (ms/AFP)

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