Fidel Castro erstmals seit Jahren im Parlament

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Castro bedankte sich winkend für den Applaus der 610 Deputierten.

Havanna - Kubas Revolutionsführer Fidel Castro ist am Samstag zum ersten Mal seit seiner Erkrankung vor vier Jahren in der Nationalversammlung aufgetreten.

Er kritisierte scharf die Politik der USA hinsichtlich Nordkoreas und des Irans und warnte vor einem drohenden Atomkrieg. Bei der auf seinen Wunsch einberufenen Sondersitzung attackierte er erneut auch das kapitalistische System, das unter anderem bei der globalen Klimaerwärmung versage. Castro äußerte sich nicht zu innenpolitischen Fragen.

Als Castro am Morgen in Begleitung seines Bruders und Nachfolgers Raúl Castro das Gebäude betrat, brach begeisterter Beifall aus. Wie in früheren Zeiten trug er eine olivgrüne Uniform. Die 610 Deputierten standen auf und klatschten minutenlang. Sie begannen dann, über einen angeblich drohenden Atomkrieg im Nahen Osten zu beraten, der nach Fidel Castros Worten von den USA verursacht werden könnte. Auch weitere von Fidel vorgegebene internationale Themen standen auf der Tagesordnung.

Castro, der am 13. August 84 Jahre alt wird, hatte die Regierungsgeschäfte im Sommer 2006 wegen einer schweren Erkrankung an seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Raúl übergeben. Er ist aber weiter Erster Sekretär der Kommunistischen Partei Kubas. In den vergangenen Wochen trat er immer häufiger wieder öffentlich in Erscheinung und äußerte sich zu diversen internationalen Fragen.

Vor einer Woche hatte Raúl Castro vor der Nationalversammlung angekündigt, die Regierung werde mehr Privatinitiative in der Wirtschaft zulassen. So dürfen die Kubaner künftig kleine Geschäfte gründen und sogar Angestellte beschäftigen. Bisher waren testweise nur kleine Friseurläden und private Taxis zugelassen.

Gleichzeitig sollen Hunderttausende überflüssige Arbeiter aus Staatsbetrieben entlassen werden, die von der wachsenden Privatwirtschaft übernommen werden sollen. Allerdings lehnte Castro weitergehenden Reformen in der Wirtschaft ab und erteilte politischen Reformen erneut eine Absage.

dpa

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