Warnung vor schnellen Lockerungen

Zurück zu strengen Corona-Regeln wegen Delta-Variante? Weltärztechef schlägt Alarm

Die Delta-Variante des Coronavirus bereitet Politik und Experten große Sorgen. Weltärztechef Ulrich Montgomery plädiert zur Rückkehr zu strengeren Regeln.

Hamm - Deutschland genießt den Sommer - und kann es aktuell auch nahezu bedenkenlos. Die Regeln zur Bekämpfung des Coronavirus werden mehr und mehr gelockert, weil die Neuinfektionen weniger werden. Die Corona-Inzidenz in Deutschland nähert sich immer mehr der Einstelligkeit. Dennoch sind Experten zunehmend in großer Sorge. (News zum Coronavirus)

Zurück zu strengen Corona-Regeln wegen Delta-Variante? Weltärztechef schlägt Alarm

Grund dafür ist die Delta-Variante des Coronavirus. Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery schlägt dahingehend jetzt Alarm und warnt vor zu großen Lockerungen der Corona-Regeln. Er erwarte, dass sich die Delta-Variante in Deutschland noch schneller ausbreite als die anderen bisherigen Formen des Coronavirus, sagte Frank Ulrich Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Der Appell des Weltärztechefs: Solange noch nicht genügend Menschen gegen Covid-19 geimpft seien, müssten die Ansteckungsrisiken im Alltag reduziert werden - mit den entsprechenden wirkenden Corona-Regeln.

Konkret regte der Präsident des Weltärtzebundes an: Im öffentlichen Nahverkehr in Geschäften und anderen Innenräumen sollten unbedingt weiterhin FFP2-Masken getragen werden. Jüngst hatte zum Beispiel NRW die Maskenpflicht in Bus und Bahn dahingehend gelockert, dass „nur“ noch OP-Masken Pflicht sind.

Weltärztechef appelliert an die Bundesländer: Überdenkt die Lockerung der Corona-Regeln

Geht es nach Frank Ulrich Montgomery, sollten die Bundesländer jetzt prüfen, ob die von ihnen angekündigten Lockerungen nicht zu weit gingen. Sie sollten „die politische Größe haben, angekündigte Lockerungen wieder zurückzunehmen, wenn die Infektionszahlen durch die Delta-Variante wieder steigen sollten“, sagte er.

Doch aus den Bundesländern kam prompt Erwiderung. So hat Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther den Lockerungskurs bei den Corona-Regeln verteidigt. „Wir sind jetzt schon umsichtig und haben jeden Öffnungsschritt sorgsam überlegt“, sagte der CDU-Politiker in der Sendung Frühstart bei RTL/ntv. „Wir sind bei den Öffnungen bisher nicht zu weit gegangen, sodass das absolut verantwortbar ist. Wir sind vorsichtig und vorbereitet, und daher schützen wir uns vor einer Situation wie in Großbritannien.“

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) schaue dabei aber nicht ausschließlich auf die ausbreitende Delta-Variante. „Uns muss klar sein, dass auch schon die bei uns gegenwärtig vorherrschende B.1.1.7-Variante so ansteckend ist, dass wir im Sommer nicht zu einer völligen Normalität zurückkehren können“, sagte er im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Abstand halten auch draußen und in Innenräumen Masken tragen – das muss Standard bleiben.“

Verbreitung der Delta-Variante in Großbritannien als warnendes Beispiel für Deutschland

Bei seiner Warnung vor zu schnellen Lockerungen der Corona-Regeln verwies Frank Ulrich Montgomery auf das Beispiel der britischen Regierung. Diese hatte am Montag erklärt, wegen der raschen Ausbreitung der Delta-Variante im Vereinigten Königreich die geplante Aufhebung der letzten Corona-Beschränkungen um vier Wochen zu verschieben.

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages, warnt wegen der Delta-Variante vor raschen Lockerungen der Corona-Auflagen in Deutschland.

Trotz der Impffortschritte in Großbritannien lässt dort die Delta-Variante derzeit die Infektionszahlen wieder hochschießen. Am Donnerstag wurden dort erstmals seit Ende Februar wieder mehr als 10.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag verzeichnet.

Frank Ulrich Montgomery bezeichnete es als „das Tückische“ der zuerst in Indien entdeckten Delta-Mutante, „dass Infizierte sehr schnell eine sehr hohe Viruslast im Rachen haben und damit andere anstecken können, bevor sie überhaupt merken, dass sie sich infiziert haben“.

Delta-Variante: Warten, bis alle ein Corona-Impfangebot haben

Daher plädierte auch Helge Braun (CDU) im RND: „Wir müssen vorsichtig bleiben, bis alle ein Impfangebot haben. Das gehört zur Fairness gegenüber jenen Menschen dazu, die noch nicht geimpft wurden, weil sie in keiner Priorisierungsgruppe waren und noch keine Gelegenheit zur Impfung hatten. Von der erreichten Impfquote wird abhängen, ob die Delta-Variante oder noch eine andere im Herbst zu einer größeren Ansteckungswelle führen.“

Noch ist der Anteil der Delta-Variante in Deutschland gering. Einem Bericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Mittwoch zufolge lag er in der 22. Kalenderwoche (ab 31. Mai) bei 6,2 Prozent. In der vorangegangenen Woche waren es lediglich 3,7 Prozent gewesen.

Jens Spahn: Delta-Variante könnte Erfolge der Impfkampagne infrage stellen

Dennoch zeigte sich auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) besorgt über die Ausbreitung der Delta-Variante. Sie habe sogar das Potenzial, „Erfolge in der Impfkampagne wieder infrage zu stellen“, sagte er.

Wegen der Delta-Variante sei auch die Zweitimpfung wichtig, die zum Schutz vor dieser Mutante erforderlich ist. „Die Delta Variante wird überhand nehmen, weil sie einen höheren R-Wert hat“, sagte auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler. Wann dies geschehe, hänge auch vom Verhalten der Menschen ab - aber spätestens werde es im Herbst so weit sein.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa

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